Wernigerode l 18-mal Nein, 16-mal Ja: Die Absage an das geplante Schnellrestaurant im Wernigeröder Harzpark fiel denkbar knapp aus. Die Mitglieder des Stadtrates ließen das Projekt am Donnerstagabend, 27. Februar, mehrheitlich durchfallen. Vor allem SPD, Bündnis 90/Grüne und Teile der Linken sorgten für einen Paukenschlag.

Vorausgegangen war eine lebhafte Diskussion, in der die SPD ausführlich ihren Standpunkt darlegte. „Fastfood ist ungesund. Das ist Allgemeinwissen“, sagte Siegfried Siegel (SPD) und bezog sich auf Hagen Bergmann (CDU), der sich dagegen gewandt hatte, die Wirtschaft über die Planungshoheit der Stadt zu beeinflussen. „Weshalb sitzen wir denn hier im Stadtrat? Wer so etwas sagt, ist nicht an Politik interessiert“, so Siegel.

Bergmann hielt dagegen: „Wir entscheiden über ein Bauvorhaben.“ Man könne nicht bei jeder Baustelle beurteilen, ob der Bauherr ein gutes Produkt anbiete. Dem widersprach Sabine Wetzel. „Bei jedem Grundstücksverkauf entscheiden wir über die Firma, die dort baut“, sagte die Fraktionschefin von Bündnis 90/Grüne. Das Schnellrestaurant passe nicht zum Konzept der „Nachhaltigen Stadt“, dem sich Wernigerode verpflichtet habe. Diesen Wirtschaftsfaktor brauche man nicht: „Nein, danke.“

Zuspruch von Jüngeren, Ablehnung von Älteren

Er habe schon lange nicht mehr so viel Zuspruch von Jüngeren und so viel Ablehnung von Älteren gehört wie beim Thema Burger King, sagte CDU-Fraktionschef Matthias Winkelmann. Er respektiere die vorgebrachten Bedenken, doch sollten diese nicht entscheiden. „Wir sollten den moralischen Zeigefinger nicht zu hoch halten.“

Dem schloss sich Ilja Schicker (Bunte Liste) an: „Das erinnert mich an meine Eltern, die sagen: Iss dein Gemüse auf!“ Auch Glühwein und Bratwürste seien ungesund, denen würde aber zu Stadtfesten „der rote Teppich ausgerollt“.

Ausführlich ging Matthias Bosse (SPD) auf die gesundheitlichen Folgen von Fastfood ein. Zwar werde nicht jeder adipös, der einmal Hamburger und Co. esse, erklärte der Allgemeinmediziner. Doch die Zahl der Übergewichtigen steige mit der Zahl der Burgerbrater. „Wernigerode wird mit jeder neuen Fastfood-Filiale runder und ungesunder“, so Bosse. Ein Nein zum Bau der Burger-King-Filiale sei eine der wenigen Einflussmöglichkeiten, welche die Kommunalpolitik habe.