Wernigerode l Die Idee klingt zunächst wie ein Aprilscherz. Eine Hexenampel für Wernigerode – also statt des herkömmlichen Ampelmännchens eine auf einem Besen fliegende Hexe. Hinter dieser Idee steckt Andreas Vogt. Der ist zwar kein Harzer, sondern Rheinländer, fühlt sich aber seit Jahren mit Wernigerode verbunden. Regelmäßig zu Walpurgis fliegt er als Düsselhexe Andy mit Gleichgesinnten in der bunten Stadt am Harz ein, um mit aufwendigen Kostümen und Maskierungen auf der Rathaustreppe für Spaß und Heiterkeit zu sorgen.

Eine Hexe – vielleicht für die Fußgängerampel an der Westerntor–Kreuzung – das ist Anregung und Wunsch der Düsselhexen, so Andreas Vogt gegenüber der Volkstimme. „Für Wernigerode wäre das eine tolle Werbung – die erste Hexenampel in Deutschland.“ Schon vor einigen Jahren sei er mit seinem Vorschlag an die Stadtverwaltung herangetreten. Damals holte sich der Düsseldorfer eine Abfuhr, da man einen rechtswidrigen Eingriff in den Straßenverkehr befürchtete.

Das scheint in einigen anderen Städten kein Problem zu sein. Sie setzen bereits auf alternative Ampelfiguren als Werbeträger und Touristenattraktion. Mainz zum Beispiel, dort wurde eine Ampel mit Mainzelmännchen bestückt. Weil das bei Einwohnern wie Besuchern super ankommt, sollen weitere Mainzel-Ampeln folgen. In Duisburg leuchtet seit Oktober eine Bergmannsampel. In Erfurt gibt es gar zwölf besondere Lichtgestalten – ob mit Regenschirm, Wanderstock oder Geburtstagstorte – sie geleiten Passanten trotzdem sicher über die Straße. In Bremen ersetzen die berühmten Stadtmusikanten das Ampelmännchen. In Trier ist es Karl Marx.

Verhaltene Reaktion aus Rathaus

„Warum nicht auch in Wernigerode?“, fragt Andreas Vogt. Doch auch mit seinem neuerlichen Vorstoß rennt der Düsseldorfer keine offenen Türen ein. „Eine durchaus charmante Idee, die wir aber als Stadt Wernigerode in der Umsetzbarkeit kritisch sehen“, heißt es von Stadtsprecher Tobias Kascha. Die Gestaltung der Ampeln sei immer mit Blick auf die Straßenverkehrsordnung und die Sicherheit zu betrachten. „Aus unserer Sicht wiegt hier der Wiederkennungswert der Ampelanlagen für alle Personengruppen und auch ausländischer Gäste schwerer als der touristische Nutzen.“ Zudem sei die Stadt nicht einmal federführend. Für Ampeln und damit auch für die Genehmigung einer Ampelhexe sei die Landes-Straßenbaubehörde (LSBB) zuständig.

Das sei nur teilweise richtig, heißt es von Stefan Hörold, Chef der LSBB in Halberstadt. Für die Umgestaltung einer Ampel bedarf es einer „verkehrsbehördlichen Anordnung“ des Landkreises. Liegt diese vor, wolle er „den Spaß gern mitmachen“, so Stefan Hörold mit einem Schmunzeln.

Rein rechtlich spricht nichts gegen eine Hexenampel, lässt die Kreisverwaltung auf Anfrage mitteilen. „Inwiefern Aufwand und Nutzen in einem annehmbaren Verhältnis stehen, sei dahingestellt“, so Sprecherin Ingelore Kamann. Die Stadt Wernigerode müsse selbst entscheiden, ob eine solche Umgestaltung gewollt und finanziell machbar ist. Damit liegt der Ball wieder im Wernigeröder Rathaus. Die Reaktion von Tobias Kascha ist knapp: „Wir prüfen das.“

Gedenktafel für Hexenprozesse

Andreas Vogt bleibt auf jeden Fall dran, verspricht er. Zu Walpurgis wollen die Düsselhexen auf der Rathaustreppe für ihren Vorschlag trommeln, kündigt er an und verabschiedet sich mit „hexlich harzhaften“ Grüßen.

Hintergrund: Es ist nicht das erste Mal, dass sich Andreas Vogt für Wernigeröder Belange stark macht. So setzte er sich jahrelang für eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Opfer der Wernigeröder Hexenprozesse ein. Auch damals blieb er hartnäckig. Die Tafel wurde 2017 eingeweiht.