Cattenstedt l 314.060 Autos, Lkw und Motorräder sind im Januar und Februar 2020 auf der Bundesstraße 81 durch Cattenstedt gefahren. Das belegen die Daten der Tempotafel der Harzer Blitzergruppe, die für die beiden Monate im Dorf an der Hasselfelder Straße angebracht war. Die Aktion habe einerseits dazu gedient, „Verkehrsteilnehmer zur Ordnung zu erziehen“, berichtet Ortsbürgermeister Werner Greif. Das habe funktioniert – die meisten Autofahrer seien mit einer grün aufleuchtenden Zahl und einem Smiley für regelkonformes Tempo im Ort belohnt worden.

Was dem parteilosen Ortschef aber noch viel wichtiger ist: „Wir haben nun statistisch belastbare Daten, die belegen, wie hoch die Verkehrsbelastung im Dorf ist.“ Auf ein Jahr hochgerechnet käme man auf fast 1,9 Millionen Fahrzeuge, die durch den Ort rauschen. „Leider unterscheidet das Messgerät nicht zwischen Autos, Lkw und Motorradfahrern“, so Greif weiter.

Dennoch erhofft sich der 54-Jährige von den Daten Rückenwind für die Bürgerinitiative, die seit Jahren um eine Ortsumfahrung von B 81 und B 27 um Hüttenrode, Blankenburg und Cattenstedt kämpft. „Mit diesen Zahlen haben wir eine neue Grundlage für unsere Argumentation.“ Hintergrund: Im Bundesverkehrswegeplan 2030 waren die Pläne für einen Tunnel durch die Teufelsmauer zur Entlastung für Cattenstedt und die Blankenburger Innenstadt nicht im „vordringlichen“, sondern lediglich im „weiteren Bedarf“ gelandet. Die Chancen für eine Realisierung des Projekts stehen somit denkbar schlecht – obwohl seit Jahrzehnten an der Trasse geplant und mehr als eine Million Euro dafür ausgegeben wurde.

Greif und viele Einwohner hätten beobachtet, dass weiterhin viel Lkw-Verkehr von der Autobahn 36 über die B81 Richtung Oberharz fließe. „Der Weg durch unser Dorf ist und bleibt ganz einfach der kürzeste von und nach Nordhausen.“ Zudem sei seit Eröffnung der Mega-Hängebrücke an der Rappbodetalsperre ein Zuwachs von Touristen, die durch den Ort fahren, spürbar. „Wir gönnen den Machern von Harzdrenalin diesen Erfolg, aber müssen die Folgen ausbaden, solange die Politik nicht reagiert“, erläutert Greif. Er setze nun auf mehr Unterstützung von den Harzer Vertretern in Bundes- und Landesparlament.

Zudem fürchtet der Cattenstedter Bürgermeister, dass die Belastung für seinen Ort weiter steigen könnte, wenn die Teilortsumfahrung der B27 um Hüttenrode realisiert würde. Dieser Straßenneubau, der von Rübeland aus kommend vor der Ortslage nach rechts Richtung Almsfeld als Zubringer zur B81 dienen soll, wurde 2016 erneut in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen.

Cattenstedts Ortsbürgermeister will unterdessen weiter versuchen, die Verkehrsbelastung im Dorf zu senken – oder zumindest zu dokumentieren: „Es wäre schön, wenn wir im Sommer erneut eine Messtafel aufstellen könnten – als Vergleich zur Wintersaison.“ Zudem überlegen Greif und der Ortschaftsrat, eine ständige Tempo-Anzeige für die Hasselfelder Straße anzuschaffen. „Doch dafür müssen wir zunächst die Finanzierung klären.“ Die Geräte kosteten rund 2500 Euro – vorstellbar sei etwa, die Summe durch Spenden oder die Einnahmen vom Weihnachtsmarkt im Ort zu sammeln.