Wolmirstedt l Christina Laqua kann es kaum fassen. Ganz allein blühte eine gelbe Primel Montagfrüh im Blumenkasten vorm Bürgerhaus. Nur eine. Dabei haben die Mitglieder des Schranke-Vereins erst am Sonnabend im Rahmen der Frühjahrsputzaktion alles bunt bepflanzt. Diebe hatten die Blumen aus den Kästen gerissen und die Erde im Anschluss wieder glatt gestrichen. Es wirkte so, als wären niemals Blumen darin gewesen.

Und noch etwa grämte die Schranke-Chefin: Der Container, in den viele Dinge des Bürgerhauses entsorgt wurden, war offensichtlich durchwühlt worden. Alte Einrichtungsgegenstände, die aus dem Bürgerhaus dort hinein geworfen worden waren, lagen wild daneben. Im Container befanden sich stattdessen Dinge, die nie ins Bürgerhaus gehört haben.

Gut 70 fleißige Helfer

Dieser Blumenklau und Sperrmüllärger steht im Gegensatz zu dem, was Rathausmitarbeiterin Kerstin Pallmann am Sonnabend beim Frühjahrsputz erlebt hatte. Die Organisatorin freute sich über die vielen fleißigen Helfer, die gekommen waren. An verschiedenen Orten der Stadt haben sich zusammen mit Bürgermeisterin Marlies Cassuhn etwa 60 Erwachsene und zwölf Kinder um die Ordnung und Sauberkeit bemüht, haben im Laufe des Vormittags insgesamt 31 Säcke mit Müll, dazu 32 Säcke und fünf Autoanhänger mit Laub gefüllt.

Bilder

Besonders erstaunt war Kerstin Pallmann allerdings über die große Menge Sperrmüll, der vorwiegend aus dem Küchenhorn geräumt wurde. Ein großer Teppich, Biotoiletten, Bürostühle und Autoscheinwerfer gehörten dazu.

Vier Runden sind die Mitarbeiter des Wolmirstedter Wirtschaftshofes gefahren, dann hatten sie jeglichen gesammelten Müll und das Laub von den Frühjahrsputzaktionsstellen entsorgt.

Schlossdomäne war voller Unrat

Geärgert hatte sich am Morgen nach dem Frühjahrsputz auch Museumsleiterin Anette Pilz. Als sie am Sonntag ihren Museumsdienst antreten wollte, fand sie auf der Schlossdomäne ein übles Chaos vor. Besonders im Bereich vor der Schlosskapelle lagen Flaschen, Zigarettenkippen, Deoroller und mehr.

Am Montagvormittag war von diesem Unrat nichts mehr zu sehen. Die Wirtschaftshofmitarbeiter haben den Platz schnell gereinigt. Wirtschaftshofchef Wilfried Frenkel bestätigt jedoch die Angaben von Anette Pilz. „Es war besonders schlimm.“ In den vergangenen Wochen hatte sich der Müll in Grenzen gehalten, vermutlich, weil es zu kalt war, niemand draußen gesessen hatte. Sowie es wärmer wird, dient das Plateau besonders an den Wochenenden als Jugendtreff. In den Abendstunden sitzen dort junge Erwachsene und beschallen die Domäne mit lauter Musik. „Kann man mit den Jugendlichen nicht mal reden“ fragt die Museumsleiterin. „Sollten solche Gespräche nicht fruchten, wäre ein Platzverweis vielleicht hilfreich.“

Stadt plant Sicherheitskonzept

Anette Pilz fordert die Konsequenz besonders vor dem Hintergrund, dass die Schlossdomäne ein denkmalgeschützter Bereich ist und deshalb besondere Aufmerksamkeit erfordert. Die Stadt plant derzeit ein Sicherheitskonzept für diesen Bereich. In einer der nächsten Beratungsfolgen werden Stadträte darüber debattieren, ob es eine regelmäßige Kontrolle durch Ordnungsbehörden oder eine Videoüberwachung geben könnte.

Wilfried Frenkel wäre vorerst froh, wenn der Müll nicht auf der Domäne, sondern in den zahlreichen Papierkörben landen würde. Traurig sei der Anblick besonders vor dem Hintergrund des Frühjahrsputzes gewesen. „Dort haben sich so viele Leute engagiert.“

Diejenigen, die sich Sonnabend daran beteiligt haben, kamen am Ende auf der Freilichtbühne zusammen und wurden dort von Guido Schulze mit Leckerem vom Grill versorgt.

Montag setzten die Wirtschaftshofmitarbeiter weitere Frühblüher in die Blumenkästen der Stadt. Kerstin Pallmann freute sich besonders, dass sich auch die Kindereinrichtungen der Stadt im Laufe der Woche am Frühjahrsputz beteiligt hatten. „Wir haben elf öffentliche Einrichtungen mit Primeln beliefert und alle haben mitgepflanzt.“