Hermsdorf/Irxleben l Trotz hitziger Temperaturen und schönstem Sonnenschein trugen die Kinder und Erwachsenen, die sich Anfang der Woche vor dem Rathaus in Irxleben versammelten, alle einen Schirm. Und das hatte einen Grund: Diese etwa 170 Personen demonstrierten gemeinsam für einen vernünftigen Sonnenschutz auf dem Schulhof der im vergangenen August bezogenen Hermsdorfer Grundschule.

Bereits bei der Eröffnung der Schule – damals war es ähnlich warm wie jetzt – hatte Torsten Rohde als Elternratsvorsitzender auf den Mangel hingewiesen und auf eine baldige Lösung gehofft. Doch auch im Frühjahr 2019 war nach seiner Aussage noch nichts von Sonnenschutz auf dem Schulhof zu erahnen. Die Antwort, die er seitens der Gemeindeverwaltung auf seine Anfrage erhielt, war für ihn sehr unbefriedigend, die zwei vorgeschlagenen Varianten der Sonnensegel inakzeptabel. „Ich habe diese im Namen der Eltern abgelehnt“, erklärt er mit dem Verweis darauf, dass doch eine längerfristige Lösung gebraucht wird, da die schattenspendenden Bäume noch einige Zeit brauchen werden, um zu wachsen.

Nachdem dann wieder mehrere Wochen für ihn keine Reaktion aus Richtung Rathaus ersichtlich war, mobilisierte der Elternratsvorsitzende, der bereits in der alten Schule erfolgreich für das Anbringen von Sonnenschutzrollos gekämpft hat, die Elternschaft. Und auch die Kinder stiegen mit ins Boot – und sie wussten nach Torsten Rohdes Aussage genau, wofür sie kämpfen, nachdem sie über das Problem aufgeklärt worden waren. „Sie wissen, dass sie nicht nur für ihren Sonnenschutz kämpfen, sondern auch für die Grundschüler, die nach ihnen kommen“, so Rohde.

Entsprechend lautstark waren die Sprechchöre vor dem Rathaus. Parolen wie „Wir wollen Sonnenschutz“, „Wir wollen Schatten“ oder „Wir sind keine Hähnchen“ war zu hören. Großformatige Bilder, auf denen gebratene Hähnchen abgebildet waren, hatten die Kinder und Erwachsenen mitgebracht und ließen sie hinterher im Rathausfoyer.

Stellungnahme bleibt verwehrt

Enttäuscht zeigte sich Torsten Rohde, der die Demonstration für den Sonnenschutz zwei Tage zuvor im Rathaus bekanntgegeben hatte, dass sich niemand der Rathausmitarbeiter zeigte. „Es wäre schön gewesen, wenn sich Frau Trittel als Bürgermeisterin oder Herr Schmidt als Bauamtsleiter den Kindern gegenüber verantwortet hätten und gesagt hätten, warum sie versagt haben“, sagte Torsten Rohde gegenüber der Volksstimme.

Auf Nachfrage im Rathaus wurde bestätigt, dass Gemeindebürgermeisterin Steffi Trittel einen Außer-Haus-Termin hatte. Gegenüber der Volksstimme bezog sie aber Stellung zu der Problematik.

Demnach hat die Gemeinde als Zwischenlösung zwei Sonnenschirme mit einem Durchmesser von etwa drei Metern angeschafft. Diese drohen allerdings, bei sehr starkem Wind umzufallen. Weitere Lösungsansätze in Form eines Kostenvoranschlages seien mit der Begründung „zu klein und zu teuer“ vom Elternrat abgelehnt worden.

Den Vorwurf einer Fehlplanung möchte die Gemeinde zurückweisen. Steffi Trittel begründet das damit, dass es für die Beschattung von Schulhöfen keine baurechtlichen Vorschriften gibt und auch bei der Planung des Schulneubaus und des Schulhofes Vertreter der Grundschule und des Hortes beteiligt gewesen sind. „Niemand hat eine Beschattungsmöglichkeit vorgeschlagen“, heißt es in einer Mitteilung aus dem Rathaus.

Seitens der Gemeinde seien Bemühungen erfolgt und würden nach wie vor erfolgen. So seien aktuell vier regionale Firmen angeschrieben worden, von denen zwei Firmen demnächst mit der Verwaltung Möglichkeiten für eine nachhaltige Beschattung ausloten. Vorsorglich sei Geld in den Haushaltsplan 2020 eingestellt worden.

Die Gemeindeverwaltung teilt aufgrund des aktuellen Anlasses mit, dass sich demnächst alle betroffenen Ratsauschüsse mit dem Thema „Beschattung von Schulhöfen an allen Schulstandorten“ auseinandersetzen werden. Bei der Entscheidungsfindung müssen Mehrheitsbeschlüsse gefasst werden, bei denen auch Kriterien wie Zweckmäßigkeit, Verhältnismäßigkeit, Sparsamkeit und Gleichbehandlung eine Rolle spielen. Für der nächste Sitzung des Hermsdorfer Elternrates kündigt die Bürgermeisterin ihre Teilnahme an.