Rogätz l Mehr als 20 Leute machten sich am Sonnabend, 22. April, von Rogätz aus auf den Weg nach Angern. „Nur zwei wackere Herren waren mit dem Fahrrad unterwegs. Denn die eiskalten Schauer wollten sich die meisten Ausflügler nicht antun. Sie fuhren mit dem Auto“, berichtete die Vereinsvorsitzende Margitta Häusler.

Bei Dorothee Brich in der Friedensstraße auf dem ehemaligen Bauernhof Neubauer/Harm stand schon das Hoftor weit offen. Im kleinen aber feinen Privatmuseum der Familie – untergebracht in den ehemaligen Stallungen – war der Kaminofen schon tüchtig angeheizt.

Ausflug in ein Privatmuseum

Das hübsche Rundherum mit allerhand alten Bauern- und Haushaltsgeräten und die liebevoll gedeckten Tische sorgten sofort für eine wohlige Atmosphäre. Die Rogätzer Heimat- und Kulturfreunde, unter die sich auch einige Loitscher und Wolmirstedter gemischt hatten, fühlten sich herzlich willkommen. Da konnte die Reise in die gemeinsame Vergangenheit ja beginnen.

Bilder

„Unsere ersten Ahnen kamen aus dem Land der Flamen...“ trug Margitta Häusler vor und berichtete von Andreas Harm aus Rogätz, der vor über 200 Jahren seinen „Ausflug“ mit der Napoleonischen Armee gen Osten kurzerhand abbrach und klammheimlich auf die heimische Scholle zurückkehrte. Da war auch die Rede von der Schulenburgschen Lindenallee, die einst von Schloss zu Schloss reichte und später durch Birnen ersetzt wurde.

Verbindung der Orte im Mittelpunkt

Dorothee Brich trug vor, wie zwei Söhne Harm vom Brink in Rogätz sich in zwei Angersche Mädchen von der Trift verguckten und heirateten. Sie hatte diese Geschichten aus der Geschichte zu Gedichten geformt und alte Fotos hinzugefügt. Sehr zur Freude der Gäste. Auch eine Silberhochzeit von 1903 kam zu Ehren und alte Glückwunschkarten, gehütet wie ein Schatz.

Mal stimmten die Brichschen Sprüche fröhlich, mal traurig und nachdenklich. Abwechselnd erzählten Dorothee Brich und Margitta Häusler über Verbindendes und Trennendes zwischen Angern und Rogätz. Ihnen selbst ist gemeinsam, dass einige ihrer Vorfahren aus beiden Orten kamen, es sogar mit der Familie Nicolai vom alten Mannlehnkrug eine familiäre Verbindung gab.

Wer mit wem, das spielte dann auch im Austausch mit den Gästen eine Rolle. Und der Fakt, dass es Zeiten gab, in denen Liebesverbindungen zwischen den Orten gar nicht gern gesehen waren. Anekdoten machten die Runde, und es wurde über die Unterschiede zwischen den Orten diskutiert, über die angeblich reicheren Rogätzer und die besser harmonierenden Angerschen.

Selbsgereimtes über die Geschichte

Lilli Abel und Ortschronistin Brigitte Kofahl aus Angern konnten zu derlei Geschichten noch einiges beisteuern. Lilli Abel, die bei der Ortsgruppe der Volkssolidarität den Vorsitz hat, trug ebenfalls Selbstgereimtes über die Entwicklung in Angern vor.

Die Querelen mit den Schulen nach der Wende und dem Verwaltungssitz kamen zur Sprache. Was einst ernst und bitter umstritten war, jetzt wurde darüber gelacht. Nach einem kurzen Rundgang durch das Familienmuseum, gingen alle zum Eis-Café Krull, wo Kaffee und Kuchen warteten.

Lange saß man noch angeregt beisammen und freute sich über den gelungenen Nachmittag der Rogätzer in Angern. Eine schon vor Jahren geborene Idee und ein lang besprochenes Vorhaben ging damit für Dorothee Brich und Margitta Häusler in Erfüllung. Der Beleg für eine alte Weisheit: Warum in die Ferne schweifen, sieh‘, das Gute liegt so nah.