Sanierung

Kircheninventar aus Gersdorf kommt unter den Hammer

Die Kirche in Gersdorf ist von außen ein wahrer Hingucker. Innen leider nicht. Das soll sich perspektivisch ändern. In einem ersten Schritt wird nun ein Großteil des Inventars versteigert. Zukünftig soll sie eine der schönsten Kirchen des Landes werden.

Von Tom Wunderlich 04.07.2021, 17:02
Alt gegen Neu: Unter anderem steht dieses "alte" Kirchenfenster aus den 70er Jahren zum Verkauf. Rund 150 Euro rufen die Gersdorfer als Mindestpreis für das Schmuckstück auf. Für die neuen Fenster werden mehrere Tausend Euro benötigt.
Alt gegen Neu: Unter anderem steht dieses "alte" Kirchenfenster aus den 70er Jahren zum Verkauf. Rund 150 Euro rufen die Gersdorfer als Mindestpreis für das Schmuckstück auf. Für die neuen Fenster werden mehrere Tausend Euro benötigt. Foto: Tom Wunderlich

Gersdorf - Gersdorf ist ein kleines idyllisches Örtchen zwischen Dahlenwarsleben und Hermsdorf. Wer sich doch einmal in das Dorf am Telzgraben verirrt, der findet vor allem eins, viel Ruhe und eine ansehnliche Kirche. Doch der Schein trügt, noch, denn das Innenleben ist alles andere als schön. Das soll sich nun nach und nach ändern. Dafür muss ein Großteil des alten Inventars raus. Mit einer besonderen Aktion will man dieses nun loswerden und damit ein Teilprojekt finanzieren. Auch sonst hat so einiges mit dem Kleinod vor.

Wie alt St. Bartholomäus zu Gersdorf wirklich ist, lässt sich heutzutage nur noch schwer nachvollziehen. Fest steht, dass die Gersdorfer bereits an ihr bauten, als der Magdeburger Dom entstand. Im 17. Jahrhundert wurde das Gotteshaus im großen Stil umgebaut. Für mehrere Hundert Jahre ist es die letzte Sanierung. Nur noch kleinere Arbeiten werden durchgeführt. Das ändert sich nun seit einigen Jahren. Wo einst ein trister Bau stand, in dem die Turmfalken nisteten, steht jetzt ein schönes verputztes Gebäude, welches sich immer mehr zur Augenweide entwickelt. Außen sind die Gersdorfer nun auf der Zielgerade. Doch es fehlt an Geld.

Wenn es allerdings nach Thomas Behringer und den anderen Mitgliedern des Fördervereins Gersdorfer Kessel geht, nicht mehr lange. „Wir sind hier wirklich auf einem guten Weg und das schaffen wir auch noch.“ Man habe gemeinsam mit dem Kirchenkreis Barleben, diesem untersteht die Kirche, einen Plan entwickelt um die letzte Etappe für die Außengestaltung zu meistern. Zwei Fenster müssen nämlich noch eingebaut werden. „Allerdings schlagen die mit 3500 Euro pro Scheibe zu Buche“, zeigt sich Behringer etwas zerknirscht.

Keine Fördermittel für Fenster

Das Problem sei, dass diese speziellen Fenster, welche von einer Studentin für ihre Abschlussarbeit entworfen waren, nicht von den bisher ausgezahlten Fördermitteln finanziert werden können. „Also mussten wir da etwas kreativ werden“, erklärt der Mikrobiologe weiter. Man sei letztendlich auf die Idee gekommen, einen Teil des Inventars zu versteigern. „So wollen wir das fehlende Geld für die Sanierung auftreiben.“ Da für den künftigen Ausbau sowieso einige Teile im Inneren weichen müssten, sei diese Idee auch von der Kirchengemeinde genehmigt worden. So werden unter anderem alte Kirchenfenster, ab 150 Euro pro Stück, Kirchenbänke, ab 40 Euro, oder auch Teile des etwa 320 Jahre alten Chorgestühls, hier liegt das Mindestgebot bei 900 Euro, verkauft. Auch andere Dinge gebe es zu kaufen. „Wir wollen versuchen, so viel wie möglich einzunehmen.“

Denn auch beim zukünftigen Innenausbau werde noch einiges an Geld benötigt. In dem altehrwürdigen Gotteshaus soll nämlich ein sogenanntes Kolumbarium entstehen. Hierbei handelt es sich oberirdische Grabkammern, Urnen, in denen die Asche von verstorbenen aufbewahrt werden soll. „Allerdings wollen wir hier keine Urnen aufstellen, sondern hinter einer Glaswand Urnen in Form von Gerstenkörnern aufhängen.“ Damit wolle man den regionalen Bezug zur Landwirtschaft in der Börde aufrechterhalten. Das Kolumbarium für die Kirche St. Bartholomäus ist ein neuartiger Urnen-Friedhof, der alte Traditionen aufgreift und gleichzeitig den Bedürfnissen einer modernen Trauer- und Bestattungskultur gerecht wird.“ Das Angebot, so sagt Thomas Behringer, Vorsitzender des Fördervereins, sei nicht abhängig von einer Kirchenmitgliedschaft. Es solle allen Bewohnern des Umlandes zur Verfügung stehen. Die Idee habe unter anderem die Architektin Sina Stiebler gehabt.

„Natürlich hoffen wir, dass sich viele Interessenten für unsere Internetauktion finden“, erzählt Thomas Behringer abschließend. Es sei den Gersdorfern ein großes Bedürfnis, bald ihre Kirche wieder nutzen zu können. Einige Bieter hätten sich bereits für das Herzensprojekt gefunden. „Und mal ganz ehrlich. Wer wollte nicht schon immer mal eine Kirchenbank in seiner Wohnung stehen haben“, unkt Behringer abschließend.

Alle Informationen zur Auktion sind auf der Website des Vereins zu finden, unter: www.gersdorfer-kessel.de.