Kirche

Mit dem Wohnmobil auf Kirchentour

In diesen Tagen ist der Regionalbischof Christoph Hackbeil auf einer sogenannten Gemeindebesuchstour. Die Gemeinden, für die er zuständig ist, dem Probstsprengel, steuert er mit einem Wohnmobil an. Am Donnerstag machte der Theologe Halt an der Werk- und Kulturscheune in Loitsche.

Von Hendrik Reppin
Probst Christoph Hackbeil (2. von rechts) besuchte mit einem Wohnmobil die Werk- und Kulturscheunde in Loitsche.
Probst Christoph Hackbeil (2. von rechts) besuchte mit einem Wohnmobil die Werk- und Kulturscheunde in Loitsche. Foto: Hendrik Reppin

Loitsche - „Ich genieße es, jeden Tag in einer anderen Gemeinde zu sein“, sagte Christoph Hackbeil, kurz nachdem er vor der Werk- und Kulturscheune in Loitsche aus dem Wohnmobil stieg. In Rätzlingen habe er vor wenigen Tagen seine Gemeindebesuchstour gestartet. Aschersleben werde seine letzte Station sein, dann gebe er das Wohnmobil wieder zurück.

Kirche und Kommune arbeiten eng zusammen

Es wird wohl die letzte Tour dieser Art für Christoph Hackbeil sein, denn Ende September geht der Probst in den Ruhestand. „Der Bischof hat mir den Rat gegeben, diese Reise nicht 'Abschiedstour' zu nennen.“ Und auch Christoph Hackbeil ist der Meinung, dass diese Bezeichnung eher zu einem gealterten Rockstar passen würde, der sich auf die Bühne schleppt und von seinen Fans verabschiedet.

Vielmehr sei er unterwegs, um in den Kirchengemeinden interessante Geschichten zu erfahren, ins Gespräch zu kommen. Das Miteinander von Kirche und Kommunen sei ein besonderes Thema. „Sachen die gut laufen, werden viel zu selten erzählt“, so der Theologe.

Für dieses Thema sei der Probst hier an der richtigen Stelle, sagte Gemeindepädagoge Benjamin Otto in der Loitscher Werk- und Kulturscheune. Das kircheneigene Gebäude habe eigentlich schon auf der Abrissliste gestanden. Mit Hilfe von kommunalen Mitteln und Fördergeldern sei daraus schließlich die Werk- und Kulturscheune entstanden. „Benjamin Otto hatte eine Vision von der Zukunft der alten Scheune“, so Andreas Nestler, Pfarrer im Ruhestand. Die Kommune sollte das Projekt nicht nur finanziell unterstützen, sondern auch mit nutzen. Angebote, vor allem für die Jugend in der Region sollten es sein.

Sie sei von diesem Projekt sofort begeistert gewesen, erzählt die Bürgermeisterin der Gemeinde Loitsche-Heinrichsberg, Bettina Roggisch, beim Zusammentreffen mit Christoph Hackbeil. „Damals war es noch kein Problem, ein solches Projekt mitzufinanzieren. Da sprudelten durch das Kaliwerk noch die Gewerbesteuereinnahmen“, erinnert sich die Bürgermeisterin. Im Jahr 2014 habe dann die erste Testveranstaltung in der wieder hergerichteten Pfarrscheune stattgefunden.

Natürlich habe es im Vorfeld viele kritische Stimmen gegeben. „Wer von unseren Kindern soll denn da hingehen“, sei häufig gefragt worden. Nach den Worten von Benjamin Otto seien es nach der Eröffnung die größeren Feste gewesen. Das habe den Menschen gezeigt, dass die Scheune nicht nur Kirche ist. „Es hat nur noch vereinzelt die Anfrage gegeben: Dürfen wir auch kommen, auch wenn wir nicht in der Kirche sind?“ Das habe sich aber längst gegeben. „Wir sind eine mitgliederstarke Kirchengemeinde“, erklärte Andreas Nestler. Viele der Gläubigen seien zudem auch noch in den Vereinen der Gemeinde aktiv. „Vieles hat sich dadurch schnell vernetzt.“

Bildung und Freizeit für junge Leute

„Wir hatten hier vorher eine Ruine“, so Andreas Nestler. „Einem Gebäude kann nichts besseres passieren, als dass es auf diese Weise genutzt wird.“ Mit Bildungsangeboten und Freizeitgestaltung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, koordiniert und organisiert von Kirche und Kommune werde das Haus seitdem lebendig gehalten.

Haupteinnahmequelle sei die Vermietung des Hauses für private Feierlichkeiten gewesen, berichtet Benjamin Otto. Doch die Pandemie habe diese Quelle versiegen lassen. „Zusammen mit der Jugendkoordinatorin der Verbandsgemeinde haben wir nach Ideen gesucht und gefunden.“ Regelmäßig wurden Musikveranstaltungen in der Scheune produziert und live auf die Rechner der Fans geschickt. Zusätzlich sei dabei die Möglichkeit geschaffen worden, für das Haus zu spenden. „Daraus sind inzwischen ziemlich abgedrehte Spiele geworden“, schmunzelt der Gemeindepädagoge. Für eine Spende von 50 Euro habe sich bei der letzten Veranstaltung beispielsweise der DJ die Beine gewachst.

„Es gibt aber immer öfter Leute, die monatlich etwas für das Haus geben“, ist Benjamin Otto froh. Auf diese Weise habe sich schließlich das Haus über den Lockdown gerettet. Im Moment sei der Gemeindepädagoge in Verhandlungen mit dem Kirchenkreis, ob dieser in Zukunft nicht die Nebenkosten übernehmen könnte. „Dann müssen wir nicht jeden Monat bangen, ob wir durch die Vermietung genug Geld zusammenbekommen, um den Strom zu bezahlen.“ Die Gemeinde Loitsche-Heinrichsberg beteilige sich bereits mit Reinigungsleistungen. „Eine professionelle Reinigung können wir mit dem Ehrenamt nicht stemmen“, so Benjamin Otto.

Dass es nicht mehr ohne die Zusammenarbeit von Kirche und Kommune ginge, habe Probst Christoph Hackbeil nun schon in vielen Dörfern gehört. Mit einer Menge toller Eindrücke aus Loitsche setzte sich der 65-Jährige hinter das Steuer des Wohnmobils, um Kurs auf sein nächstes Ziel zu nehmen.