Frau Riedl, als Psychotherapeutin haben Sie täglich mit der Psyche der Menschen zu tun, helfen, wo Menschen sich mit Problemen konfrontiert sehen und allein nicht weiterkommen. Was hat der Ausbruch der Corona-Pandemie in Ihrem Tätigkeitsfeld geändert?

Katrin Riedl:
In meiner Praxis­tätigkeit hat sich nicht viel geändert. Zu Beginn zeigten sich Verunsicherung und Ängste, niemand wusste, wie verhalte ich mich jetzt richtig, die Angst vor der Erkrankung, also selber zu erkranken oder jemanden anzustecken, stand im Vordergrund bei den Menschen.

 

Das Virus hat soziale Nebenwirkungen, die sich durch viele Beschränkungen äußern, mit denen die Menschen nun leben müssen. Was konnten Sie beobachten, was das mit den Menschen macht?
Im weiteren Verlauf verlor sich die Angst vor einer Infektion, vielmehr rückten nun die Folgen des Lockdowns in den Blickpunkt, Befürchtungen vor den sozialen und wirtschaftlichen Folgen. Das Hauptproblem im Lockdown war hier in der Praxis die soziale Isolation, insbesondere bei älteren allein lebenden Menschen, die an und für sich ein gut funktionierendes soziales Umfeld haben, sich in der Sport- oder Tanzgruppe regelmäßig treffen, sich im Heimatverein oder Chor engagieren. Alles brach plötzlich weg, Einsamkeit machte sich breit und führte zu depressiven Symptomen.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, greift dieser seelische Mechanismus auch im Falle der Corona-Beschränkungen?

Im weiteren Verlauf verlor sich die Angst vor einer Infektion, vielmehr rückten nun die Folgen des Lockdowns in den Blickpunkt, Befürchtungen vor den sozialen und wirtschaftlichen Folgen. Das Hauptproblem im Lockdown war hier in der Praxis die soziale Isolation, insbesondere bei älteren allein lebenden Menschen, die an und für sich ein gut funktionierendes soziales Umfeld haben, sich in der Sport- oder Tanzgruppe regelmäßig treffen, sich im Heimatverein oder Chor engagieren. Alles brach plötzlich weg, Einsamkeit machte sich breit und führte zu depressiven Symptomen.

Die zunehmenden Lockerungsmaßnahmen erweckten nach ein paar Wochen den Anschein, die Bedrohung durch Corona geht zurück, die meisten Menschen konnten in eine gewisse, wenn auch veränderte Normalität zurückkehren. Da Vertrautes und Gewohntes ein Gefühl von Sicherheit gibt, reduzierten sich die Ängste.

 

Wenn wir jetzt auf die aktuellen Zahlen schauen, ist nicht zu leugnen, dass sich die Lage nicht entspannt, im Gegenteil, die Infektionszahlen nehmen wieder zu und damit gibt es auch wieder mehr Einschränkungen. Entwickelt sich die Stimmung der Menschen proportional zum Geschehen, welche Tendenzen beobachten Sie?

Die aktuelle Zunahme der Corona-Fälle in diesen Tagen in Deutschland und die damit verbundenen erneuten Beschränkungen, wie beispielsweise das Beherbergungsverbot, erneut begrenzte Personenzahl bei Feiern, rücken das Thema Corona auch bei den Wolmirstedtern wieder mehr in den Fokus, selbst wenn die Zahlen hier weiterhin sehr gering sind. Verunsicherung wird erneut spürbar und die Menschen leiden zunehmend darunter, nicht wirklich planen zu können.

Das Virus und die damit verbundenen Einschränkungen werden uns noch lange Zeit begleiten. Können Sie aus fachlicher Sicht Tipps geben, wie sich Menschen trotz der Einschränkungen das Leben lebenswert machen können, wie diese Zeit mit Abstand und fehlenden Kontakten am besten und möglichst ohne seelische Schäden überstanden werden kann?

Aus der Resilienzforschung, die die psychische Widerstandsfähigkeit untersucht, wissen wir, dass es gerade in diesen Zeiten wichtig ist, sich der eigenen Resilienz bewusst zu werden und diese zu stärken. Hilfreich ist, den eigenen Ressourcen nachzuspüren, was hat mir in der Vergangenheit geholfen, Kraft gegeben um Krisen zu bewältigen.

Wenn gewohnte Abläufe nicht möglich sind, können neue positive Rituale, neue Routinen geschaffen werden, beispielsweise gemeinsame Spiele in der Familie, die Lieblingsserie schauen, regelmäßige Spaziergänge. Negative Gedanken und Gefühle sollten mit vertrauten Personen besprochen werden.

Wichtig ist es, sich nicht ständig mit den negativen Auswirkungen der Pandemie zu beschäftigen, sondern sich immer wieder darauf zu besinnen, was auch aktuell weiterhin positiv im Leben des Einzelnen ist.