Wolmirstedt l Michael Blume-Kühnast ist ein Bär von einem Mann, so ein Biker-Typ. Wären da nicht die Augen, in denen der Schmerz brennt, die Tränen schwimmen. Die gelten seinem Sohn Elias, der im vergangenen Jahr am 30. Oktober gestorben ist. Ein aggressiver Hirntumor hat das Leben des Kleinen beendet. Elias wurde drei Jahre alt.

Michael Blume-Kühnast hat von Januar bis September am Krankenbett des Jungen in der Magdeburger Uniklinik gesessen, seine Frau Angelika hat sich um die anderen Kinder gekümmert und ist zur Arbeit gegangen, in einem Pflegeheim. Bei Michael Blume-Kühnast brach der Job weg, er hätte dafür ohnehin nicht ausreichend Kraft aufbringen können. Er weiß: „So geht es vielen betroffenen Familien.“ Nach neun Monaten kehrte Elias nach Hause zurück, nach Kalbe bei Gardelegen, kam in den Kreis der Familie, zum Sterben. Michael Blume-Kühnast sagt: „Man kämpft und verliert trotzdem.“

Ohne Elternhaus nicht gewusst, wohin

Dennoch: Es gab Kraftquellen. In diesen neun Monaten, in denen er Elias begleitet hat, lebte Michael Blume-Kühnast im Elternhaus krebskranker Kinder. „Wenn wir dieses Elternhaus nicht gehabt hätten, hätten wir nicht gewusst, wohin.“ Ein Hotelzimmer hätte sich die Familie, zu der acht weitere Kinder gehören, nie leisten können.

Wer im Elternhaus unterkommt, wohnt dort kostenlos. Das ist eine große finanzielle Entlastung für Familien, deren Kinder lebensbedrohlich erkrankt sind. „Man muss ohnehin schon überall zuzahlen“, hat Michael Blume-Kühnast erfahren, „außerdem bricht ringsherum alles zusammen.“ Die Arbeit, die Freundeskreise, die finanzielle Sicherheit. Die gesamte Familie lebt im Ausnahmezustand.

Austausch mit anderen gibt Kraft

In der schweren Zeit gibt das Leben im Elternhaus Kraft. Es bietet sieben Zimmer für Angehörige, ein Notzimmer, ein Spielzimmer und einen Snoozelraum zum Entspannen. „Wenn man von 7 bis 20 Uhr auf der Station ist, kann man sich anschließend mit anderen Eltern austauschen, auf andere Gedanken kommen.“ Und auch wenn der schlimmste Fall eingetreten ist, das Kind stirbt, bleibt das Elternhaus, sowie die dazugehörige Stiftung „Elternhaus am Universitätsklinikum Magdeburg“, Hilfsquelle und Ankerpunkt. Das Geld für die Beerdigung des kleinen Elias hat die Stiftung vorgestreckt, die Familie zahlt es in Raten zurück. Das war in der Phase des überwältigenden Schmerzes eine große Entlastung.

Michael Blume-Kühnast fährt immer noch regelmäßig ins Elternhaus, bastelt mit den anderen Eltern für die Kinder, für die Station, es hilft ein Stück weit, das Trauma zu verarbeiten.

Botschafter des Elternhauses

Für all das möchte Michael Blume-Kühnast etwas zurückgeben. Deshalb trägt er manchmal eine blaue Nase. Die besteht aus Schaumstoff und ist das Zeichen für den Verein, der am Sonnabend, 27. Juli, um 18 Uhr in der Wolmirstedter Gitarrenschule Roger Altenburgs in der Friedensstraße 52 gegründet werden soll.

Roger Altenburg ist schon lange Botschafter für das Elternhaus krebskranker Kinder, weist in jedem seiner Liederprogramme darauf hin, erwähnt die Dringlichkeit der Spenden, ganz gleich, auf welcher Bühne Deutschlands er gerade mit seiner Musik an den Herzen rührt.

Kennengelernt haben sich Michael Blume-Kühnast und Roger Altenburg durch Robin Schumann. Er ist der künftige Vereinsvorsitzende, Bindeglied, Motor, Vermittler, extrem kommunikativ.

Rein durch Spenden finanziert

„Ich war beim Sommerfest im Elternhaus krebskranker Kinder und war sehr beeindruckt. Ich habe gesehen, wie dankbar die Eltern sind und gedacht, hier muss man was machen.“ Er hat Roger Altenburg angesprochen, seither wird gemeinsam geplant. Auch mit Professor Uwe Mittler, dem geistigen Vater des Elternhauses und Vorstandsvorsitzenden der Stiftung.

Das Elternhaus und die Arbeit, die dahinter steckt, wird ausschließlich über Spenden finanziert, versiegen sie, ginge es dem Elternhaus an den Kragen. Nun will auch der künftige Verein „Blaue Nase hilft“ für den Weiterbetrieb sorgen. Überall dort, wo sie eingeladen werden, treten Roger Altenburg und der Verein gemeinsam auf. Roger Altenburg wird auf der Bühne die mentale Brücke bauen, der Verein verkauft blaue Nasen, deren Erlös in den Spendentopf für das Elternhaus geht.

Erste Aktionen sind festgezurrt

Die ersten Aktionen sind bereits festgezurrt. Am 6. September werden die „Blauen Nasen“ bei der Aktion „Kinder stark machen“ in der Oschersleber Motorsportarena dabeisein, nachmittags beim Fest der Nachbarn auf dem Wolmirstedter Zentralen Platz, am 21. September beim Weltkindertagsfest an der Haldensleber Kulturfabrik

Am liebsten ist es dem künftigen Blaue-Nase-hilft-Vorsitzenden Robin Schumann, wenn Menschen die blaue Nase kaufen, einen Moment tragen, ein Foto davon schießen und in den sozialen Medien zeigen. „Damit machen wir den Verein bekannt, geben ihm ein Gesicht. Es geht um Spenden, aber auch darum, Familien zu zeigen, dass es dieses Elternhaus gibt.“ Falls sie selbst einmal diese Hilfe benötigen.

Angelehnt an Red-Nose-Day

Die blaue Nase war Robin Schumanns Idee, sie ist angelehnt an den Red-Nose-Day, eine Aktion, die aus Großbritannien stammt, bei der werden rote Nasen zugunsten von Kindern in Not verkauft. „Ich dachte, das ist eine tolle Sache“, erzählt Robin Schumann, „und in Magdeburg, wo das Elternhaus steht, gibt es den FCM, dessen Farbe ist blau, also habe ich mir die Sache mit den blauen Nasen überlegt.“

Schon jetzt wurden viele blaue Nasen verkauft, sind Spenden zusammengekommen. „Doch die Arbeit muss in einen Verein münden“, weiß Robin Schumann, „sonst wächst sie über den Kopf.“

Mit Spenden werden unter anderem auch letzte Wünsche erfüllt, für das Mädchen, das noch einmal ans Mittelmeer reisen wollte, zum Beispiel. Oder es werden Ferienfreizeiten für Geschwisterkinder organisiert. Manchmal braucht das Elternhaus neue Möbel.

Mitstreiter sind willkommen

Michael Blume-Kühnast wird für den Verein einstehen, die blaue Nase tragen. Für Elias und Familien, die sein Schicksal teilen. „Diese Arbeit gibt mir die Kraft, weiterzuleben.“

Wer im Verein mitmachen möchte, kann sich entweder auf der Facebook-Seite über die „Blauen Nasen“ informieren oder zur Gründungsversammlung kommen.