Ohreclassic

Wolmirstedt: Oldies sollen wieder rollen

2020 musste die Ohreclassic in Wolmirstedt abgesagt werden. Dieses Jahr hoffen die Veranstalter noch.

Von Von Steffi Pretz

Wolmirstedt l Begonnen hat alles 2009 zur 1000-Jahr-Feier in Wolmirstedt mit der ersten „Ohre Classic“. Seitdem versammeln sich die Fahrer mit ihren Oldtimern Jahr um Jahr auf der Schlossdomäne, um dann gemeinsam durch die Region auf Tour zu gehen. Im Hinterkopf haben sie dabei auch immer einen sozialen Aspekt, denn die Oldiefans sammeln dabei für einen guten Zweck Spendengelder.

Es sollte die 12. Tour werden am 6. Juni des nun vergangenen Jahres 2020. „Alles war geplant und die Strecke war bis ins Detail mit allen Stopps durchorganisiert“, erinnert sich Michael Wesemann, Vorstandsvorsitzender des Vereins Ohre Classic. Beginnend vom Start auf der Schlossdomäne in Wolmirstedt sollte es über Oschersleben in die Motorsportarena gehen und zurück durch die Westbörde. Auf der Strecke hätte es wie in den Jahren davor auch, Stopps gegeben, bei denen von den Fahrern immer kleine Aufgaben zu erfüllen sind.

"Die kleinen Quizfragen beziehen sich auf die jeweilige Region“, berichtet Michael Wesemann. Im sogenannten Roadbook, was jeder Fahrer zu Beginn der Tour erhält, sind diese Fragen zu finden und ihre richtige Beantwortung entscheidet über den Sieger der Tour. Mit diesen Hinweisen zu Sehenswürdigkeiten und geschichtlichen Aspekten soll erreicht werden, dass die Fahrer mit den Menschen aus der Region in Kontakt und ins Gespräch kommen, dass auf herkömmliche, ja analoge Weise in Erfahrung gebracht wird, was Google vielleicht verborgen geblieben ist. Durch diese direkten Kontakte, werden die Oldtimer-Fans auch immer zu Botschaftern in der Region. „Es war nicht möglich, die Auflagen aufgrund von Corona einhalten zu können, also mussten wir schweren Herzens alles absagen“, so Wesemann.

Ein Hoffnungsschimmer glimmte dann aber noch einmal kurz im September auf, wo als Plan B zur großen „Ohre Classic“ eine abgespeckte Standveranstaltung am 5. September geplant war. „Aber nicht mal das konnten wir umsetzen“, berichtet Andreas Telge, ebenfalls Vorstandsmitglied des Vereines, traurig. So bleiben die Hoffnung und das Engagement auf die 12. Ohre Classic in diesem Jahr. Die ersten Anmeldungen seien sogar schon eingetroffen und auch der Termin am 5. Juni stehe schon fest, so Wesemann.

Die Strecke würde man einfach aus den Planungen vom vergangenen Jahr übernehmen. Im Vorstand des Vereins sind sich alle einig, dass diese große Veranstaltung – die in diesem Ausmaß in Sachsen Anhalt ihresgleichen sucht– nur möglich ist, weil all die vielen Helfer immer wieder treu mit dabei sind. Ohne ihre Arbeit wäre das nicht möglich, allein beim Einweisen der rund 100 mitfahrenden schon historischen Autos auf öffentlichen Plätzen, bei den Stopps und auch auf der Schlossdomäne beim Start würde es sonst einfach chaotisch zugehen.

Andreas Telge betont noch einmal die mittlerweile schöne Tradition, dass zu den Treffen immer für eine gemeinnützige Sache gesammelt wird. So konnte nach der letzten Tour 2019 eine beträchtliche Summe der Stiftung der Mitteldeutschen Kinderkrebsforschung übergeben werden, welche die gesammelte Geldmenge sogar noch versechsfachte.

Die Vorstandsmitglieder sprechen stellvertretend für alle Mitglieder und wohl auch für alle Besucher der beliebten Veranstaltung die Hoffnung aus, dass die Räder der Oldtimer in diesem Jahr wieder rollen dürfen. Bis dahin werden die Schätze auf vier Rädern geputzt und poliert, bis es wieder auf Tour gehen kann und die große Gemeinschaft der Oldtimer-Fans durch die Straßen der Region rollend Nostalgie für den guten Zweck verbreitet.

Automobile aller Marken werden bis dahin auf Hochglanz gewienert und mit viel Herzblut präsentiert. Mindestens 30 Jahre müssen sie auf dem Karosserie Buckel haben – das ist das Merkmal, was ein Auto zu einem Oldtimer macht. Allen Fans dieser alten Gefährte gemein ist der Wunsch, die Liebe zu den alten Autos zu pflegen und zu erhalten.

Michael Wesemann sagt: „Ein Automobil ist ein Kulturgut und es ist wichtig, dass es erhalten wird.“

Ganz sicher war es eine andere Kultur, als die alten Modelle über die Straßen rollten. Hochmoderne Technik gab es damals ebenso wenig wie durchgestylten Komfort, über den Automobile der heutigen Zeit verfügen. Dagegen haben aber all diese betagten Schätzchen eines gemeinsam, was den Hightech Modellen von heute fehlt: sie verbreiten die Nostalgie einer vergangenen Zeit, in der das Reisen mit einem Automobil noch individueller und von mehr Zeitgeist geprägt war und bei dem die Reisenden auch noch Zeit hatten, die heute den allermeisten Menschen zu fehlen scheint.

Markus Schröder, ebenfalls Mitglied des Vorstandes des Vereins, beschreibt es gern so: „Für jeden bedeutet sie etwas anderes, diese Liebe zu den alten Autos. Aber für alle ist die Faszination an den Oldtimern als Zeitzeugen gemeinsam, es ist auch eine gewisse Hommage an die damalige Technik in der Automobilbranche.“