Zerbst l Nein, eingefangen ist weder der Auftritt eines Chores, noch stammt das Foto aus den Zwanzigern. Vielmehr handelt es sich um eine recht junge Aufnahme vom Hof des Francisceums. „Das ist unser letzter Schultag. Wenn ich mich nicht irre, bin ich die Zweite von links“, meldet sich Ramona Schondorf. „Die Haare sind im Laufe des Alters immer kürzer gewurden“, erklärt die Zerbsterin schmunzelnd. Dass das Bild jetzt erscheint, freut sie besonders. Immerhin feierte der abgebildete Abschlussjahrgang von 1995 bei den diesjährigen Schulfesttagen ein rundes Jubiläum. Nach 20 Jahren trafen sich die einstigen Mitschüler wieder. „Du siehst die Leute von damals und fühlst dich in der Zeit zurückversetzt“, erinnert sich Ramona Schondorf beim Blick auf die Schwarz-Weiß-Szenerie an die schöne Begegnung.

Mit Doktorhut und Talar die B 184 blockiert

Das abgedruckte Motiv gehört zu mehreren, die ein Fotograf für die Volksstimme geschossen hatte. „92 Francisceer feierten ihren letzten Schultag“, titelte die Zerbster Lokalzeitung am 28. April 1995. Mit Doktorhüten und Talaren zogen die jungen Frauen und Männer durch die Stadt, wo sie in Höhe des Marktes für kurze Zeit die B 184 blockierten, als sie sich im Halbkreis auf die Straße setzten.

„Meine Tochter Dorit hat in dem Jahr ebenfalls Abitur gemacht“, erzählt Helga Schulze, die noch aus einem anderen Grund einen engen Bezug zum gesuchten Ort hat. „Ich bin 31 Jahre lang Lehrerin der Schule gewesen.“ Dort unterrichtete sie Deutsch und Russisch. „An dem Pult, das da steht, habe ich selber gestanden“, bemerkt die Pädagogin. Wie sie berichtet, hat sich jede Klasse zum Abschluss immer wieder etwas Neues einfallen lassen. Der Jahrgang `95 sorgte mit seiner Kostümierung übrigens dafür, „dass in Zerbst die schwarze Farbe ausgegangen ist“, entsinnt sich Helga Schulze. Sie erinnert sich ebenfalls an die Spiele und Aufgaben, welche die Lehrer am letzten Schultag stets absolvieren mussten. „Da hatte ich schon etwas Angst, was sie mit uns anstellen“, gesteht sie rückblickend. „Die Lehrer mussten bei uns Sport machen, Eierlauf glaube ich, und einen Parcour“, ist sich Ramona Schondorf allerdings nicht mehr ganz sicher.

Bilder

Auch Gudrun Reinbothe schildert ihre nahe Verbindung zum Francisceum. Während sie selbst von 1979 bis 1983 die damalige Erweiterte Oberschule besuchte, befindet sich ihr Sohn jetzt gerade in der Abiturphase am heutigen Gymnasium. „Zudem engagieren wir uns im Förderverein der Schule und tun das gern“, erklärt sie.

Ursula Hackemesser kennt das einstige Kloster des Franziskanerordens aus den fünfziger Jahren, als darin die Berufsschule untergebracht war. Dass das Francisceum seinen Namen nicht von den Mönchen, sondern zu Ehren von Fürst Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau erhielt, weiß Charlotte Sauer zu berichten. Sie selbst besuchte das Gymnasium jedoch nicht. Viele andere aber schon wie beispielsweise Heike Thiem, die das Heimatfotorätsel genauso richtig löst wie Detlef Teßmann, Andreas Indenbirken, Helmut Lehmann, Sophie Sommer, Birgit Herrmann, Siegfried Schellin und Lothar Platte.

Während die Örtlichkeit sofort allen Anrufern klar gewesen ist, sind sich viele bei der zeitlichen Einordnung des Bildes unsicher. Die historisch anmutende Kostümierung der Abiturienten bringt so manchen auf die falsche Fährte, zumal die Art der Bekleidung so gar nicht zu dem modernen Lautsprecher im Vordergrund zu passen scheint...

Unter allen Teilnehmern am Heimatfotorätsel wurde wieder ein Sachpreis verlost. Über eine Sporttasche darf sich Ursula Hackemesser aus Zerbst freuen. Der Gewinn kann werktags zwischen 9 und 17 Uhr in der Lokalredaktion auf der Alten Brücke 45 abgeholt werden.