Zerbst/Grimme l Am Wochenende war es wieder soweit: Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Zerbst absolvierten ihr jährliches Ausbildungs-Camp in Grimme. Der Fokus lag in diesem Jahr auf der technischen Hilfeleistung – konkret die Rettung von Personen nach schweren Verkehrsunfällen.

Die Polizei im Landkreis Anhalt-Bitterfeld hat von Januar bis Dezember 2018 insgesamt 5110 Unfälle aufgenommen, 166 Unfälle weniger als im Jahr 2017. Das entspricht einem Rückgang von 3,14 Prozent. Bei diesen Unfällen wurden 837 Personen verletzt, 30 mehr als im Jahr zuvor – ein Abstieg von 3,7 Prozent.

Feuerwehr muss bei Unfällen ausrücken

Die Anzahl von zirka 5000 Verkehrsunfällen ist seit 2014 in etwa konstant und scheint für den Landkreis Anhalt-Bitterfeld zur festen Größe zu werden. Die Zahl der Unfälle schwankt im genannten Zeitraum zwischen 4893 als niedrigste 2014 und 5276 als höchste Anzahl im Jahr 2017.

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Nicht selten muss die Feuerwehr zu einer Vielzahl dieser Unfälle mit ausrücken, um beispielsweise eingeklemmte Personen zu befreien oder um auslaufende Betriebsstoffe, wie Benzin oder Öl zu beseitigen. Und in den meisten Fällen zählt dabei natürlich jede Sekunde. „Da sollte jeder Handgriff sitzen“, sagt René Borkowitz, stellvertretender Wehrleiter in Zerbst.

Reaktion testen

Bei der Ausbildung werde getestet, welche Geräte und Hilfsmittel zum Trennen der verschiedenen Werkstoffe in Frage kommen. Kommt beim Trennen von Stahl oder Beton ein Trennschleifer, ein Plasmaschweißgerät oder ein anderes Gerät in Frage? Hier gelte es zu testen, wie die verschiedenen Materialien auf das auf die unterschiedlichen Werkzeuge reagieren.

„Im Einsatz haben wir fast immer die Zeit im Nacken. Die eingeklemmten und gegebenenfalls schwer verletzten Fahrzeuginsassen sollten nicht warten müssen, bis wir ein passendes Gerät gefunden haben, um sie zu befreien. Deshalb werden diese Rettungsszenarien mit den uns zur Verfügung stehen Gerätschaften erprobt und vor allem auch geprobt“, erläutert Borkowitz. Der Gruppenführer entscheide dann, gelingt zum Beispiel die Befreiung oder wird Hilfe benötigt.

Durchschnittlich jeden zweiten Tag ein Einsat

Neben verschiedenen Bränden kam es im vergangenen Jahr zu 49 Alarmierungen zur technischen Hilfeleistung, darunter 15 Türöffnungen, 15 Verkehrsunfälle beziehungsweise auslaufende Flüssigkeiten und 16 Unwettereinsätze.

Die Anzahl der Einsätze insgesamt änderte sich im 2018 Jahr im Vergleich zu 2017 nur unwesentlich. Im vorigen Jahr rückten die Zerbster Kameraden zu 160 Einsätzen aus, 2017 waren es 165. So hat die Zerbster Ortswehr 2018 – wie auch schon 2017 – im Durchschnitt jeden zweiten Tag die Wache zu einem Einsatz verlassen.

Mehr als nur Einsätze

Wie sich schon jetzt heraus kristallisiert, wird sich dieser Durchschnitt auch 2019 nicht wesentlich ändern. Dazu kommen eineinhalb Stunden Ausbildung pro Woche. Noch nicht inbegriffen seien Zeiten für Jugend- und Öffentlichkeitsarbeit, Aus- und Weiterbildungen auf Kreis- oder Landesebene oder Fachbereichs- oder Arbeitsgruppenbetätigungen.

Positives hatte Ortswehrleiter Steffen Schneider bei der letzten Jahreshauptversammlung im März von der Rüstzeit zu berichten. Die lag im Durchschnitt bei beachtlichen 11,39 Minuten. Heißt: Durchschnittlich 11,39 Minuten brauchten die Zerbster Kameraden von der Alarmierung bis sie am jeweiligen Einsatzort eintrafen – und das im gesamten Stadtgebiet, also auch in den Ortschaften.

Jede Minute zählt

Und Schneider kam gleich mit einer nicht weniger beeindruckenden Zahl hinterher: „Es dauert im Schnitt fünf Minuten ab der Alarmierung bis die Einsatzfahrzeuge die Wache verlassen“, betonte Schneider.

„Hier machen sich nicht zuletzt die permanenten und regelmäßigen Ausbildungseinheiten bemerkbar“, betont René Borkowitz, der das Ausbildungswochenende in diesem Jahr geleitet hat.

Zerbster Wehr insgesamt gut aufgestellt

Insgesamt 52 wöchendliche Ausbildungsdienste hat die Zerbster Ortswehr 2018 absolviert. Das sind auf alle Kameraden gerechnet rund 1350 Stunden – inklusive des Ausbildungswochenendes in Grimme. Sonderveranstaltungen und beispielsweise Lehrgänge auf Kreisebene sind in diese Zahlen noch nicht eingerechnet.

„Im Durchschnitt sind 23 Kameraden an den Ausbildungsdiensten beteiligt“, so Borkowitz. Das sei eine höchst erfreuliche Zahl, denn die Ausbildungseinheiten laufen neben Job, Familie, Freunde und dem Einsatzgeschehen.

Bürger verlassen sich auf Kameraden

Gefreut hat sich die Zerbster Ortswehr auch über zwei neue Einsatzfahrzeuge. So wurden im April vergangenen Jahres fünf neue Mannschaftstransportfahrzeuge (MTF) für die Wehren der Einheitsgemeinde in Dienst gestellt. Einer davon ging nach Zerbst. Im Oktober dann kam das lang ersehnte neue Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF).

„Insgesamt ist die Zerbster Ortswehr gut aufgestellt und wir leisten sehr viel für die Allgemeinheit. Die regelmäßige Ausbildung und die zahlreichen Übungen tun ihr Übriges dazu“, so Borkowitz. Die Bürger würden sich auch in Zukunft auf die Kameraden und ihren ehrenamtlichen Einsatz verlassen können.