Zerbst l „Wir haben ein Interesse daran, dass unsere Abrissflächen einer vernünftigen Nutzung zugeführt werden und nicht brach liegen“, sagt Daniela Kock. Als ein positives Beispiel nennt die Geschäftsführerin der Bau- und Wohnungsgesellschaft (BWZ) das Anhalt-Hospiz am Zerbster Breitestein.

Nur wenige Gehminuten weiter soll nun ein Garagenhof entstehen. „Dort stand mal ein Wohnblock“, erinnert sie an den mehrgeschossigen Plattenbau. 2006 wurde das Gebäude mit den Hausnummern 30 bis 36 abgerissen. Seither lag das Grundstück brach, für das sich nun ein Investor interessiert.

23 Garagen sind geplant

Knut Winter möchte die rund 1100 Quadratmeter große mit Rasen bewachsene Grünfläche in einen gepflasterten Hof verwandeln. „23 Garagen mit einer Grundfläche von jeweils drei mal sechs Metern sind geplant“, erzählt er. Genügend Abstellplatz für Autos, Mopeds, Fahrräder oder auch ein Boot, wie er bemerkt.

Projekt fügt sich in vorhandene Bebauung ein

Die Umsetzung des Vorhabens hänge davon ab, wie schnell der Verkauf jetzt abgewickelt werde und alle notariellen Dinge erledigt seien, erläutert der Investor. Er hofft allerdings auf einen Baubeginn im Spätherbst und einer Fertigstellung im Frühjahr 2021.

Daniela Kock begrüßt das Projekt, das Knut Winter unlängst im Zerbster Bau- und Stadtentwicklungsausschuss vorstellte. „Eine Garage hat einen anderen Stellenwert als ein Parkplatz“, denkt die Geschäftsführerin der BWZ an den Aspekt der Sicherheit. Zumal sich der angedachte Komplex „wunderbar“ in die bestehende Bebauung einfügen würde. Auch dies ist für sie ein wesentliches Kriterium, wenn es um die Veräußerung einer Abrissfläche geht.

Keine teure Pflege der Grünflächen mehr

Selbst in solche Grundstücke zu investieren, stellt für die BWZ indes keine Option dar, wie Daniela Kock erklärt. „Wir sehen unsere Aktivitäten eher in der Erhaltung und Aufwertung unserer Bestände“, begründet sie. Der Verkauf hingegen beschert der kommunalen Gesellschaft nicht nur Einnahmen. Wie die BWZ-Chefin anmerkt, fällt auch die „teure Pflege“ der Grünflächen mit einer Veräußerung weg.

Im konkreten Fall weiß sie zudem um den durchaus vorhandenen Bedarf an Garagen in Zerbst. Daniela Kock berichtet von „vereinzelten Nachfragen“. Diese könnten noch steigen. Denn im nächsten Jahr werden gleich mehrere Garagenkomplexe aus dem Stadtbild verschwinden.

Zum einen betreffen die Abrisspläne die aus DDR-Zeiten stammende Anlage in der Güterglücker Straße. Rund 140 Garagen reihen sich dort noch aneinander, von denen momentan jedoch bereits etwa die Hälfte leersteht. Zukünftig sollen auf der Fläche dann Wohnhäuser entstehen. Deutlich kleiner ist der Komplex an der Breiten Straße, der ebenfalls 2021 abgerissen werden soll. Hier handelt es sich um zwölf Garagen, deren Gebäudesubstanz inzwischen recht marode ist.

Mietgaragen aus DDR-Zeiten verschwinden

Den Mietern der einzelnen Garagen wurde inzwischen schriftlich gekündigt. Zum 31. Oktober 2020 läuft ihr Vertrag mit der Stadt Zerbst aus. Bis dahin können sie die Gebäude noch nutzen. Manch einer ist da schon zum wiederholten Mal betroffen. Denn erst vor wenigen Jahren wurden im Vorfeld der städtebaulichen Entwicklung des Quartiers „Jüdenstraße“ die dortigen Garagen abgerissen.

Der Garagenhof könnte für manch einen vielleicht eine Alternative darstellen. Die Pläne für das Projekt am Breitestein seien allerdings unabhängig von den vorgesehenen Garagenabrissen erfolgt, erklärt Daniela Kock. In diesem Fall liegt das ursächliche Interesse darin, die Brachfläche zukünftig wieder sinnvoll zu nutzen.