Zerbst l „Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel zur Besetzung der Lehrerstellen an den Zerbster Schulen gelesen. Nachdem sich die Direktoren der Schulen zu Wort gemeldet haben, ist es vielleicht auch von Interesse, mehr über die Situation der betroffenen Bewerber zu erfahren“, schrieb vor einigen Tagen Annegret Schulze an die Redaktion, denn sie ist eine von ihnen.

Der Fall

Sie hat sich für drei Stellen beworben: Als pädagogische Mitarbeiterin an der Förderschule Güterglück sowie als Förderschullehrerin an der gleichen Schule, außerdem als Ethiklehrerin an der Sekundarschule Ciervisti. Keine der Stellen bekam sie.

An der Sekundarschule war sie bis vor kurzem noch als Migrationslehrerin beschäftigt. Der Vertrag war auf zwei Jahre begrenzt und lief aus, ohne dass über mögliche Fortsetzungen in irgend einer Art und Weise geredet wurde.

Annegret Schulze ist Diplomlehrerin für Chemie, hat berufsbegleitend die staatliche Anerkennung als Sozialpädagogin erworben, hat einen Abschluss als Bankkauffrau und verfügt über eine langjährige Berufserfahrung im Bildungsbereich. 13 Jahre war sie an der POS tätig, danach in der Erwachsenbildung, später dann Migrationslehrerin für die deutsche Sprache. Seitdem hat sie sich immer wieder auf Stellenausschreibungen beworben. „Alle meine Bewerbungen für eine unbefristete Einstellung im Schuldienst wurden bisher abgelehnt“, berichtet sie traurig und versteht es nicht, denn die Ablehnungsbegründungen sind für sie nicht nachvollziehbar: Als pädagogische Mitarbeiterin abgelehnt wegen Überqualifizierung, als Förderschullehrerin abgelehnt, weil sie keinen Abschluss als Sonderpädagogin hat und als Ethiklehrerin abgelehnt, weil sie keinen Abschluss in Ethik hat. Auf den Punkt gebracht heißt das, sie erfüllt die Zugangsvoraussetzungen nicht.

„Wie kann das sein? Wenn selbst Seiteneinsteiger eine Einstellungschance haben, frage ich mich, warum werde ich abgelehnt?“, ist sie ratlos.

Schulverwaltungsamt

Die Volksstimme fragte beim Schulverwaltungsamt nach. Hier sagt Sprecherin Silke Stadör, dass das Ergebnis sicherlich manchmal unbefriedigend ist und bei manchen Einzelfällen auch bedauerlich, da sie vielleicht qualifiziert wären, doch es fehle die Zeit, die Bewerber in persönlichen Gesprächen zu prüfen, wegen dem Zeitdruck und der hohen Bewerberzahl. „Wir müssen nach Aktenlage entscheiden“, sagt sie mit Bedauern.

Zur Stelle der pädagogischen Mitarbeiterin an der Förderschule kann sie aber sagen, dass hier konkret Menschen mit Ausbildungen als Erzieher und Heilerziehungspfleger gesucht würden. „Hier gibt es noch keine Not. Die Stellen bekommen wir alle besetzt“, sagt sie. Was die Stelle an der Sekundarschule angeht, weiß sie, dass mit den Migrationslehrern im Nachgang nicht immer gut umgegangen wurde. „Aber wir setzen die Ausschreibung nur um, die Kriterien kommen vom Bildungsministerium. Und wir können das Recht nicht beugen.“

Bildungministerium

Also geht die Nachfrage weiter zum Bildungsministerium. Hier erläutert Sprecher Stefan Thurmann, dass bei den Ausschreibungskriterien schon Abstriche gemacht wurden. „Sonst wurden immer Stellen mit einer bestimmten Fächerkombination ausgeschrieben. Es mussten also beide Fächer in der Ausbildung absolviert worden sein. Nun schreiben wir nur noch ein Fach aus, das Bedarfsfach. Das zweite Fach könnte dann nachgeschult werden. Aber das Bedarfsfach muss in der Lehrerausbildung gewesen sein.“ Alle Lehrer, die bereits Berufserfahrung von mindestens sechs Monaten haben, wo zu auch Migrationslehrer gehören, bekämen einen Bonus bei der Sichtung der Bewerbungen.

Bisher sind von den 220 ausgeschriebenen Stellen etwa 170 besetzt. Um alle zu besetzen, wird es eine zweite Ausschreibungsrunde geben. „Wir hoffen, dass hier viele am Ball bleiben“, sagt Thurmann. Alle, die leer ausgegangen sind, könnten es auch über Vertretungslehrerstellen versuchen oder ortsungebundene Stellen. Das ist eine neue Suchvariante des Ministeriums. Beispielsweise ist für den Landkreis Anhalt-Bitterfeld eine Stelle für einen Chemie-Lehrer ausgeschrieben. Hier kann man sich bewerben. Dann würde - bei Eignung - mit dem Bewerber nach Bedarfsschulen gesucht werden, die für denjenigen auch in zumutbarer Nähe lägen.