Zerbst l Das große, historische Haus ist festlich geschmückt. Schon auf dem Hof steht ein geschmückter Tannenbaum. Lichter erhellen die Räume. Im Esszimmer türmen sich liebevoll verpackte Geschenke. Auch Dank Spendern können den Kindern und Jugendlichen gemeinsam mit der Einrichtung einige ihrer Wünsche erfüllt werden, die sie schon am Anfang der Adventszeit zu Papier gebracht haben.

Herzenswünsche

Da war aber Eile angesagt, denn die liebevoll gestalteten Zettel mit den Herzenswünschen musste bis zum Nikolaustag an dem eigens dafür aufgehängten Brett angepinnt werden. Wenn der Bärtige in der Nacht kommt und leckere Sachen in den Stiefeln verteilt, würde er die Zettel einsammeln, hatten mir die Kinder bei meinem ersten Besuch ganz aufgeregt und mit leuchtenden Augen erzählt.

Es gibt allerdings auch Wünsche, die kann man mit keinem Geld der Welt bezahlen. Alle hier vermissen ihre Eltern. Doch auf den ersten Blick kann man die Traurigkeit nicht erkennen.

Alle rücken zusammen

Als ich das Esszimmer betrete, kommt gleich ein Mädchen auf mich zu: „Heute holt mich meine Mama noch ab“, erzählt sie mir freudestrahlend. Allerdings nur für ein paar Stunden – immerhin. Die Kinder, die nach Hause können, sind natürlich über Weihnachten bei ihren Familien. Insgesamt acht Kinder aus beiden Wohngruppen sind es, die auch die Feiertage gemeinsam im Scholl-Heim verbringen werden. Die sind jetzt näher zusammengerückt.

Auch für Kinder in Kinderheim bedeutet Weihnachten wie für alle andere Menschen: lecker Essen, Geschenke, gemeinsam Spielen und Fernsehen, Besinnlichkeit.

Und dann klopft es auch schon an der Tür und gleich zwei Weihnachtsmänner betreten den Raum. Jetzt ist die Aufregung und natürlich die Freude groß.

Gedichte und Lieder

Jonas Döhring und Paul Hanke holen einen nach dem anderen nach vorn und überreichen die Pakete, nicht ohne vorher nach einem Gedicht oder Lied verlangt zu haben. Seit einigen Jahren erfüllen die Familien Chris Döhring und Gerald Anders Weihnachtswünsche der Kinder und bringen sie persönlich an Heiligabend ins Scholl-Heim.

Auch die beiden jungen Männer strahlen bei so vielen Kinderaugen, die sie mit ihren Päckchen zum Leuchten bringen. „Es ist einfach eine riesen Freude, die Kinder und Jugendlichen beim Auspacken zuzusehen, ihnen ihre Wünsche zu erfüllen“, sind sich Jonas und Paul einig.

Essen, Spielen, Fernsehen

Und plötzlich ist der Raum fast leer. Alle haben ihre Geschenke geschnappt und sind auf ihren Zimmern verschwunden. Alles muss natürlich sofort ausprobiert werden. Währenddessen lassen sich Jonas und Paul das Haus zeigen, denn Jonas ist zum ersten Mal hier, Paul bereits das zweite Mal.

„Wir lassen es uns heute so richtig gut gehen“, erzählt uns Erzieherin Peggy Müller-Pryg und ergänzt: „Zu den Ritualen gehören Essen beim Griechen auf dem Markt bestellen und ein ausgedehnter Spaziergang am Nachmittag“, zählt sie auf.

Ersatzfamilie

Und abends stehen gemeinsames Spielen und Fernsehen auf dem Programm. Familiär geht es zu, auch wenn es – in Anführungszeichen – nur die Ersatzfamilie ist. Ich gehe einmal mehr nachdenklich und mit der Erkenntnis nach Hause: Weihnachten ist mehr, als nur Geschenke.