Neue Stolpersteine Gedenktag 27. Januar: Zerbst erinnert an die Opfer des Holocaust
An der Gedenkstunde am Roten Garten nehmen auch Gäste aus Israel teil. Im Anschluss wurden weitere Stolpersteine verlegt.

Zerbst/TR. - Der 27. Januar, der Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee, ist internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Weltweit wird mit Gedenkstunden, dem Verlegen von Stolpersteinen oder Kranzniederlegungen an die Gräueltaten der Nationalsozialisten erinnert. Auch am Roten Garten kamen gestern Stadträte und Zerbster zusammen, um der Millionen Opfer zu gedenken, zu denen auch zahlreiche Zerbster gehörten.
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„Es ist ein Tag der Trauer, der Erinnerung und der Verantwortung. Ein Tag, an dem wir uns bewusst machen, dass die Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur nicht abstrakt, nicht fern und nicht anonym waren. Sie geschahen mitten in Europa, mitten in Deutschland – und auch mitten in unserer Stadt, mitten in Zerbst“, betonte Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) in seiner Ansprache und begrüßte zudem Gäste aus Israel – Frau Daniela Epstein, Familie Hakerem und Familie Schiff.
Andreas Dittmann: Wir geben den Menschen ihren Platz in Zerbst zurück
Das Vernichtungslager Auschwitz stehe stellvertretend für viele weitere Lager, Orte der Hölle. „Aber allein in Auschwitz wurden nach derzeitigem Forschungsstand 1,1 Millionen Menschen ermordet. Eine unfassbare Zahl. In unserer Stadt wurde die jüdische Gemeinde, die über Generationen hinweg ein lebendiger Teil des gesellschaftlichen Lebens war, vollständig vernichtet. Doch das Schlimmste war der Versuch, die Menschen auszulöschen, ihre Namen, ihre Geschichten, ihre Würde. Heute stehen wir hier, weil dieser Versuch gescheitert ist. Denn wir erinnern uns und andere. Wir sprechen die Namen aus. Wir geben den Menschen, die man entrechtet und vernichtet hat, ihren Platz in unserer Stadt zurück“, so der Rathauschef.
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Dittmann: „Umso bedeutender ist es, dass wir heute gemeinsam mit Angehörigen aus Israel an drei weiteren Orten Stolpersteine verlegen. Diese kleinen Messingtafeln im Boden sind Mahnung, Warnung und Verpflichtung zugleich. Sie holen die Geschichte aus den Archiven zurück in unseren Alltag. Sie zwingen uns, hinzusehen – und nicht wegzuschauen. Dass Angehörige aus Israel heute hier sind, erfüllt uns mit besonderer Dankbarkeit. Ihre Anwesenheit ist ein Zeichen des Vertrauens und der Verbundenheit über die dunkelsten Kapitel unserer Geschichte hinweg. Sie erinnert uns daran, dass Erinnerung nicht nur rückwärtsgewandt ist, sondern auch eine Brücke in die Zukunft schlägt.“