Zerbst l Einen Menschen loslassen, fällt immer schwer. Wenn wir jemanden verlieren, der uns nahe stand oder den wir geliebt haben, tut das besonders weh. Doch wohin mit seiner Trauer, seinem Schmerz? Oft ziehen sich Menschen, die einem sonst nahestehen hilflos zurück, sie wissen nicht, wie sie auf den Trauernden zugehen sollen, was sie sagen sollen, wie sich verhalten? Das macht es nicht leichter.

Seit Mittwoch gibt es in Zerbst eine Anlaufstelle für Trauernde, die einen geliebten Menschen verloren haben. Der ambulante Hospiz- und Trauerbegleitungsdienst des Malteser Hilfsdienstes in der Zerbster Friedrich-Naumann-Straße 37 (Gelände der katholischen Kirche) öffnet jeden ersten Mittwoch im Monat das Trauercafé „Leben“.

Leben? „Wir haben lange überlegt, wie wir das Café nennen wollen. Das Leben umfasst viele Facetten und zum Leben gehört leider auch der Tod. Die Hinterbliebenen müssen weiterleben, aber eben meist anders, allein“, erklärt Gundula Heyn, Koordinatorin des Trauerbegleitungsdienstes der Malteser.

Weiterleben trotz Trauer

Und genau darum geht es, um das Weiterleben. Nur wie? „Nichts ist mehr wie es war. All das Vertraute, das gemeinsame Aufstehen, Essen, Reden, Einkaufen, einfach weg. Plötzlich ist es so still“, erzählt eine Hinterbliebene, die vor kurzem ihren Mann verloren hat. Und sie ist nicht allein. So stand für viele der Besucher des Trauercafés fest, ich gehe da einfach mal hin, als sie davon in der Zeitung lasen. Sie möchten ihre Namen aus verständlichen Gründen nicht nennen oder gar auf ein Foto, aber erzählen dennoch offen über ihren Verlust.

Mit großen Erwartungen seien sie alle nicht gekommen, einfach mal schauen und sehen, wie viele kommen, unter Menschen sein, vor allem unter Menschen, die dasselbe Schicksal teilen.

Als sie dann dort sitzen, in ganz lockerer Atmosphäre bei Kaffee und selbstgebackenen Kuchen, kostet es dann doch einiges an Überwindung zu reden. Geht es ja letztlich um nicht weniger als das Innerste eines Menschen, die eigenen Gefühle. Aber die Besucherinnen kommen gemeinsam und mit Hilfe der ehrenamtlichen, ausgebildeten Trauerbegleiterinnen ins Gespräch, berichten über Erlebtes, ihre Trauer, ihren Alltag ohne den geliebten Menschen.

Reden hilft schon

Jeder der Hinterbliebenen hat andere Erfahrungen gemacht, geht anders mit der Trauer, dem Verlust um. „Es hilft schon, wenn man offen reden kann, jemand da ist, der zuhört und vor allem, der weiß, wovon man redet. So muss jeder, der einen geliebten Menschen verloren hat, seinen eigenen Weg finden, damit umzugehen“, sagt jemand. Aber in einem sind sich alle Anwesenden einig: Sie empfehlen allen Betroffenen den Besuch des Trauercafés. Der kann sicher keine Wunder bewirken, aber es helfe, unter Leuten zu sein und über seinen Alltag zu sprechen.

„Wir Trauerbegleiter wollen dabei helfen, die Trauer zuzulassen, sie zu durchleben und das Leben nach dem Verlust wieder neu zu definieren“, möchte Gundula Heyn alle Betroffenen einladen. „Das Trauercafé schafft Begegnungs- und Erinnerungsräume, in denen Freude und Leid, Lebendigkeit und Traurigkeit, Stille und Ausgelassenheit, Hoffnungslosigkeit und Hoffnung ausgedrückt werden dürfen“, so Heyn.

 

Das Trauercafé öffnet jeden ersten Mittwoch im Monat von 15 bis 17 Uhr in den Räumen des Malteser Hilfsdienstes. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.