Reuden l Zwei Bilder waren es, die das Interesse und die Sammelleidenschaft bei Elard Schmidt auslösten. Die fanden sich beim Aufräumen. Das war 1979, als Schmidt und seine Frau das Haus ihrer Großeltern übernahmen. „Die Bilder habe ich mir dann genauer angeschaut“, erzählt der 64-Jährige.

Der Vorfahre auf den Bildern hat im Anhaltischen Infanterie-Regiment Nr. 93 gedient. „Das interessierte mich“, so Schmidt, und er wollte mehr über das Regiment wissen. Inzwischen hat er eine recht umfangreiche Sammlung. Da stehen akkurat gekleidete Herren beziehungsweise Modelle in schmucken Uniformen beieinander. Da zieren diverse Pickelhauben und andere militärische Kopfbedeckungen die Wände. Vitrinen sind gefüllt mit Schulterstücken, Knöpfen, Orden und anderen Utensilien. Auch Übersichtstafeln und Dokumente finden sich in dem kleinen Privatmuseum.

Gutes Angebot online

Das Infanterie-Regiment Nr. 93 gehörte zum IV. Armee-Korps Magdeburg. Eine Informationstafel gibt bei Elard Schmidt umfassend Auskunft über die Zusammensetzung. Seine Sammlung erweiterte sich unweigerlich. In Sammlerläden und bei Auktionen wurde er fündig. Im Internet gab es zunehmend Plattformen, und online ist einiges im Angebot.

Vor 15, 20 Jahren sei das Sammelgebiet noch nicht so bekannt gewesen, so Schmidt. Inzwischen sind Angebot, Nachfrage und auch Preise gestiegen. „Meine erste Pickelhaube habe ich in Frankreich erstanden“, erinnert sich Elard Schmidt. Vor rund 20 Jahren.

Frankreich einiges zu bieten, was das geschichtliche Interesse angeht. Die Eiserbecks aus Dobritz, die das Grab eines Familienmitglieds besuchen wollten, nahmen den Reudener damals mit. Zwei- oder dreimal im Jahr zog es die Sammler nach Frankreich, zu den Gedenkstätten der ehemaligen Schlachtfelder. „Am Anfang waren wir da relativ alleine“, so Schmidt. Die Franzosen hätten sich gefreut über die deutschen Gäste. Zuletzt waren die Plätze überlaufen, zunehmend Jahrmärkte mit Buden für die Touristen.

Besuche in Frankreich

„Wir haben versucht, Spuren zu finden“, erzählt der gebürtige Thüringer. Nicht nur die touristischen Highlights wurden angefahren: „Wir sind auch quer über den Acker gelaufen“. 2010 war Elard Schmidt das letzte Mal in Frankreich. Um einige Dinge hat er seine Sammlung jedes Mal ergänzt.

Es ist nicht so, dass er einfach nur die Objekte angehäuft hat. Der Reudener Ortsbürgermeister – das Amt bekleidet er seit 19 Jahren – kann auch erklären und zu jedem Stück Ausführungen machen. Er beschreibt die Besonderheiten der Pickelhauben und verweist in seiner Ecke zum Ersten Weltkrieg darauf, wie sich – wohl wegen Geldmangels – die Kopfbe- deckungen mit Verlauf des Krieges veränderten.

Mit der Zeit von 1806, man hatte festgelegt, dass das Regiment in dem Jahr gegründet wurde, bis 1918, wo es aufgelöst wurde, beschäftigt sich der Reudener intensiv. „Das fasziniert mich einfach“, sagt er. Einige Dinge hat Schmidt auch nachbauen oder nachnähen lassen.

Uniformen waren Teil einer Ausstellung

Vor ein paar Jahren waren seine Uniformierten auch schon im Zerbster Museum zu sehen als Teil einer Ausstellung zum Ersten Weltkrieg. Ansonsten zeigt der Reudener seine Sammlung schon mal Interessenten aus dem Bekanntenkreis. Dazu gehören unter anderem auch befreundete Schützen. Elard Schmidt, der vor fünf Jahren als Polizeirat und Leiter des Polizeireviers in Zerbst in den Ruhestand ging, ist auch noch erster Vorsitzender des Schützenvereins Dobritz. Auch da gibt es geschichtliche Verknüpfungen. 2006 wurde das „Erste Herzöglich Anhaltische Artillerieregiment 93“ gegründet. Da schlüpft Elard Schmidt selber in seine historische Uniform und setzt die Pickelhaube auf.

Wo andere sich eine neue Angelausrüstung kaufen, investiert Schmidt gerne in ein weiteres Objekt für seine Sammlung. Für ihn müssen es nicht die 1A-Stücke sein. Vielmehr sind es die Gebrauchsspuren, die ein Stück ausmachen. „Die haben Geschichte erlebt“, so Schmidt. Vieles wird heute leichtfertig weggeschmissen, bedauert der Ortsbürgermeister, der am liebsten alles aufheben und erhalten würde. „Das Alte darf nicht verschwinden“, findet er.

Ein Lieblingsstück hat er eigentlich nicht. Zum Geburtstag hat er sich einen neuen Orden geleistet. „Ich finde alles gut“, sagt er und mag besonders auch den Zweispitz, der zwischen den Pickelhauben hervorsticht, der von einem Anhaltischen Forstbeamten stammt. Einmal im Jahr wird abgestaubt in der Schmidtchen Sammlung, und wenn Gäste kommen, werden fürs Foto auch mal die Schutzüberzüge von den Uniformen abgezogen ...