Zerbst l Die Situation an der Schwimmhalle ist für eine Zerbsterin und Sauna-Nutzerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte (Name ist der Redaktion bekannt), kaum mehr tragbar. „Wir nutzen regelmäßig die Sauna der Schwimmhalle und parken unsere Autos auch dort“, erzählt die Zerbsterin.

Unverständnis bei Sauna-Besuchern

Was sie und ihre Sauna-Freunde jedoch nicht einsehen, dass sie für den vermüllten und teilweise mit Scherben übersäten Parkplatz auch noch Gebühren zahlen sollen. „Wir haben nichts gegen die Parkgebühren, die in jeder Stadt erhoben werden. Aber dass man Gefahr läuft, sich die Reifen kaputt zu fahren oder dass die Autos zerkratzt werden, und wir dafür auch noch bezahlen sollen, dafür hält sich unser Verständnis in Grenzen“, ärgert sich die Sauna-Nutzerin.

Das sei nicht nur abends so, auch am frühen Nachmittag, wenn die Schule zu Ende ist und die Kinder und Jugendlichen auf ihre Busse warten, gehe es an der Schwimmhalle drunter und drüber. Sie fragt, ob nicht auch die Schule einen Teil der Verantwortung trägt und dort ein wenig für Ordnung sorgen kann, beispielsweise mit größeren Schülern, die eine Aufsichtsfunktion haben, ähnlich wie die Schülerlotsen oder Streitschlichter.

Jugendclubs sind zu wenig

„Wenn die Jugendlichen mehr beschäftigt wären, würden sie nicht auf solche Gedanken kommen“, meint eine andere Zerbsterin, die ebenfalls lieber anonym bleiben möchte. Kino, Disco – all das gebe es nicht mehr. Auch die beiden Jugendclubs seien zu wenig. Sie schlägt die Schaffung eines Jugendzentrums vor.

Mit der Arbeit des Zerbster Stadtrates ist sie zufrieden. Zumal dessen Handlungsmöglichkeiten mitunter beschränkt seien – beispielsweise durch Gesetze, aber auch durch Erbengemeinschaften. Durch solche komplizierten Eigentumsverhältnisse würde manch ein Gebäude zunehmend verfallen, anstatt dass eine Lösung gefunden werden kann. Sie denkt dabei an die Ankuhnsche Mühle. „Schade“, bemerkt die Zerbsterin, während sie den Coupon zur Volksstimme-Aktion „Ihre Stimme zählt!“ ausfüllt.

Bürger sagen ihre Meinung

Nicht die Parteien mit ihrer Wahlwerbung, sondern die Leser sollen die Schwerpunkte setzen, über welche die Volksstimme im Vorfeld der Kommunalwahl am 26. Mai berichtet. Zu sechs Fragen sollen Sie ihre Meinung sagen, bevor Sie gern ergänzen können, was Sie noch bewegt. Die vier wichtigsten Themen werden aufgegriffen, näher beleuchtet und die Politiker mit ihnen konfrontiert, die derzeit Verantwortung tragen und auch jene, die künftig die Entwicklung von Zerbst und seinem Ortschaften mitgestalten wollen. Und in der Einheitsgemeinde gibt es nicht nur die illegale Müllentsorgung, die ein Problem ist.

„Der Markt ist tot“, erklärt Bettina Weber, dass ihr Zerbst überhaupt nicht mehr gefalle. Wenn sie hier nicht so viele Leute kennen würde, wäre sie längst weggezogen, gesteht sie. Auch die Diskussionen um den Standort des Wochenmarktes kann sie nicht nachvollziehen. Ihrer Ansicht nach sollen die Händler auf die Alte Brücke umziehen.

Schilderwald

Über den Schilderwald an der Kreuzung Fuhrstraße/Wolfsbrücke kann Ute Reinsdorf nur den Kopf schütteln. Vielmehr jedoch beschäftigt die Zerbsterin das Schild, das am Weinberg das Parken vor ihrem Grundstück verbietet. Über Garagen verfügen die dortigen Hausbesitzer nicht, bleibt nur das Parken auf der Straße. Das allerdings sei nicht mehr erlaubt, seit damals mit der Sanierung des Wohnblocks am Weinberg begonnen wurde, erinnert sich Ute Reinsdorf. „Vielleicht könnte man das Schild wieder entfernen?“, sagt sie und hofft auf Verständnis bei der Stadt.

Zumal sich die Straße seither zur Rennstrecke entwickelt habe, wie sie schildert. „Das ist eine Katastrophe. Die fahren wie die Kaputten.“ Mit hohem Tempo werde über die lockeren Gullydeckel gerast, die richtig schön klapperten, beschreibt Ute Reinsdorf.

Lothar Brandtner reißt indes gleich mehrere Themen an. Die vielen Krähen und Tauben in der Stadt beispielsweise, gegen die kaum etwas getan werde. „Die Tiere werden geschützt, die Menschen nicht. Der Mensch steht doch eigentlich im Vordergrund“, meint der Zerbster.

Vermüllung und Vandalismus

Auch auf die Vermüllung und den Vandalismus an der Schwimmhalle kommt er zu sprechen. Die Stadt gebe sich Mühe, bezog er sich auf den Bauhof, der dort regelmäßig im Einsatz ist. Doch was nütze dies, wenn es am nächsten Tag wieder so aussehe? Die Eltern der Jugendlichen, die dort Flaschen kaputt schmeißen und randalieren, sollten seiner Ansicht nach für die Schäden und den Aufwand, alles zu beseitigen, bezahlen.

Lothar Brandtner ruft zudem jeden auf, zur Wahl zu gehen. Wer etwas verändern wolle, müsse seine Stimme abgeben, findet er. Allerdings täten das viele nicht. „Die Menschen werden gleichgültig“, bedauert er.

„Das einzige, worüber ich mich ärgere, ist, dass Autofahrer an der Marktampel noch bei Rot über die Kreuzung fahren“, erklärt derweil ein anderer Zerbster. „Dass da noch nichts passiert ist“, wundert sich der Rentner, der sonst eigentlich zufrieden ist.