Zerbst l „Es ist korrekt, dass wir derzeit keine stationäre Versorgung in der Palliativmedizin anbieten können“, antwortet Martin Wachter, Pressesprecher der Zerbster Helios Klinik auf Volksstimme Nachfrage. Eine Schließung der Abteilung hingegen sei weder erfolgt noch geplant. Auch in Zerbst ist also der Fachkräftemangel in den Pflegeeinrichtungen und im Zerbster Krankenhaus angekommen und deutlich zu spüren.

Zehn Stellen unbesetzt

„Aktuell sind zwei Stellen im Pflegedienst, die eine spezielle palliativmedizinische Ausbildung voraussetzen, leider unbesetzt“, erklärt Wachter die Situation. Erschwerend seien ungeplante Krankheitsausfälle hinzugekommen. „An einer schnellen Neubesetzung arbeiten wir mit Hochdruck - wir haben hier jedoch in der Tat einen regional deutlich spürbaren Engpass, da nur wenige Fachkräfte mit einer palliativmedizinischen Zusatzausbildung verfügbar sind“, macht der Pressesprecher deutlich. Die Gründe der derzeit ausgesetzten stationären Betreuung palliativmedizinischer Patienten hätten nichts mit fehlender Wirtschaftlichkeit zu tun, sagt Wachter.

Patienten die derzeit eine stationäre palliativmedizinische Versorgung benötigten, können zum einen in der Helios Klinik in Neindorf aufgenommen werden. Zum anderen gibt es eine Kooperation mit dem Anhalt-Hospiz in Zerbst, so Martin Wachter. Sobald das personelle Problem gelöst ist, werden auch in Zerbst wieder Palliativ-Patienten stationär aufgenommen.

Derzeit gibt es in der Helios Klinik Zerbst insgesamt zehn offene Stellen im Bereich der Pflege. An einer schnellen Neubesetzung werde intensiv gearbeitet, es gäbe aber auch hier regionale, spürbare Engpässe, da nur wenige qualifizierte Pflegefachkräfte verfügbar seien. „Die unbesetzten Stellen haben keinen Einfluss auf die pflegerische Betreuung in unserer Klinik“, macht Martin Wachter deutlich und fügt an: „Wir danken unseren Pflegekräften für ihren engagierten Einsatz, zu jeder Zeit für unsere Patienten zu sorgen.“

Intensive Ausbildung

Die Zerbster Klinik wartet aber nicht auf Wunder, sie sorgt auch selbst für Nachwuchs. Insgesamt acht junge Frauen und ein junger Mann haben gestern ihre Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger in der Zerbster Klinik begonnen. „Insgesamt 2500 Stunden praktischer Einsatz auf unseren Stationen sowie 2100 Stunden theoretischer Unterricht liegen vor den angehenden Gesundheits- und Krankenpflegern“, sagt Christiane Meister, Pflegedirektorin der Zerbster Helios Klinik.

„Natürlich ist es immer schwierig, wenn medizinische oder pflegerische Leistungen in einer Region nicht mehr angeboten werden können, weil das dafür notwendige Fachpersonal nicht mehr zur Verfügung steht“, sagt Silvia Dähne, Einrichtungsleiterin des AWO-Seniorenzentrums am Frauentorplatz. Ihre Einrichtung verfügt über eine Mitarbeiterin, die in der „Palliativ Care“ ausgebildet ist. Im Haus werden Fortbildungen zu den Grundlagen der Pflege, Versorgung und Begleitung schwerstkranker, sterbender Menschen angeboten. „Wir nutzen außerdem ein Netzwerk, bestehend aus dem Malteser Hilfsdienst e.V. und dem SAPV Team (spezialisierte ambulante Palliativversorgung)“, erklärt Silvia Dähne.

„Die Personalsituation insgesamt ist auch bei uns ein schwieriges Thema“, schätzt die Einrichtungsleiterin ein. Die physische und psychische Belastung ihrer Mitarbeiter habe in den letzten Jahren erheblich zugenommen, so dass die derzeitige Fachkräftesituation eher schwierig als entspannt angesehen werden muss. „Es wird zunehmend schwerer, gute examinierte Altenpfleger zu finden“, sagt auch Silvia Dähne.

Thema ist sehr präsent

Rund um die Bundestagswahl habe es erhebliche Diskussionen zum Thema Pflege gegeben. Für Schlagzeilen sorgte ein angehender Krankenpfleger, der Kanzlerin Angela Merkel vorwarf, dass in Kliniken und Pflegeheimen die Würde des Menschen verletzt werde. Das erwecke den Eindruck, die Pflege in Deutschland sei generell schlecht. „Das stimmt so nicht, die Mitarbeiter in der Pflege geben täglich ihr Bestes“, weiß Dähne aus ihrer täglichen Arbeit. Die Arbeitsbedingungen würden jedoch durch zum Teil hohe Ausfallquoten oft zu extremer Belastung. „Hier bedarf es dringend Regelungen, um den Pflegeschlüssel weiter zu verbessern und den Beruf des Altenpflegers attraktiver zu machen“, meint auch Silvia Dähne. „Die AWO als Träger unserer Einrichtung arbeitet intensiv daran, die gesetzlichen Bedingungen weiter auszugestalten, um die Pflege und Betreuung weiterhin zu verbessern“, fügt sie an.