Ronney l Ebenso ruhig, wie das vergangene Jahr geendet ist, läuft es bislang. Kaum mal ein Anruf eines Pilzsammlers oder ein Beratungsbedarf. Im vergangenen Jahr waren die Pilzsachverständigen wenig gefragt. Die Dürre war dafür die Ursache. Die Trockenheit ließ nicht nur die Ackerpflanzen und die Bäume in den Wäldern leiden. Auch die Pilze, jene Wesen, weder Pflanze noch Tier, litten unter der Trockenheit.

Dürre noch spürbar

Das Regendefizit macht sich immer noch bemerkbar, sagt Elke Tantzen. Die Pilzsachverständige aus Gerwisch ist jährlich in Ronney am Umweltzentrum zu Gast und bietet dort Pilzwanderungen an, um den Bürgern am praktischen Beispiel zu zeigen, worauf beim Sammeln der beliebten und leckeren Schwammerl geachtet werden sollte. Auch in diesem Oktober steht Elke Tantzen bereits im Kalender mit der obligatorischen Pilzwanderung. Ob es sich überhaupt lohnt, im Herbst mit Messer und Korb ausgerüstet, durch den Wald zu laufen, ist allerdings noch offen, sagt sie.

Die Gewitter und der damit verbundene Regen am vergangenen Wochenende seien grundsätzlich positiv zu bewerten. Denn die Pilze seien noch vom vergangenen Sommer geschwächt, weiß sie. Wie viele Pilze die Dürre im vergangenen Jahr überlebt haben, muss dabei die Zeit zeigen. Zu sehen sein wird dies erst in den kommenden Jahren, wenn sich der fehlende Regen wieder ausgeglichen hat und die Pilze an der Oberfläche zu sehen sind. Dabei handelt es sich im biologischen Sinn nicht um den eigentlichen Pilz, sondern um die Frucht. „Der Pilz ist eigentlich nicht sichtbar im Boden“, sagt Elke Tantzen.

Im Herbst ist Saison

Der Mensch sammelt nur den Fruchtkörper, den der Pilz zur Vermehrung ausbildet. Der vergangene Regen könnte nun dafür sorgen, dass einige Pilze zu sehen sind. In diesen Tagen könnten sie sichtbar sein. Es dauere nach einem kräftigen Regen immer erst einige Tage, bis sich etwas im Boden tue. An diesem Wochenende könnten Pilzsammler aber Glück haben und Champignons oder auch schon Steinpilze finden. Es gibt eine sommerliche Variante der Steinpilze. Ihren Namen verdanken die leckeren Steinpilze übrigens ihrem Aussehen. Meist wachsen sie auch sandigen Böden. Wenn sich dann der Pilzkopf durch die Sandschicht an die Oberfläche schiebt, sieht der Pilz meist wie ein Stein aus.

Bei den Champignons ist dies anders. Ihre weißen Köpfe sind meist schon aus größerer Entfernung zu entdecken. Doch Vorsicht ist bei Champignons geboten, weist die Pilzsachverständige hin. Es gebe rund 40 Arten, die sich sehr ähnlich sehen und alle mit den Wiesenchampignons verwechselt werden könnten. Eine der giftigsten Vertreter, der einem Champignons sehr ähnlich sieht, ist der grüne Knollenblätterpilz. Fast jedes Jahr kommt es zu fatalen Verwechslungen.

Dabei ist der Giftpilz anhand seines charakteristischen Stiels eigentlich leicht zu bestimmen. Trotzdem wird er immer wieder gesammelt und für einen genießbaren Pilz gehalten, weiß sie. Dabei könnten die Pilzsachverständigen diese Verwechslungen verhindern, wenn unsichere Pilzsammler sie fragen würden.

Kontakt zu Experten

Nimmt jemand Pilze mit und ist sich nicht sicher, ob sie auch genießbar sind, empfiehlt sich immer der Kontakt zu einem der vielen Pilzsachverständigen, die flächendeckend vertreten sind. Die Sachverständigen können die Pilze dann sicher bestimmen. Wichtig ist es dafür allerdings, den ganzen Pilz mitzunehmen. Nur anhand mehrere Merkmale gelingt die sichere Bestimmung. Ist sich auch der Sachverständige nicht sicher, rät er immer die Pilze nicht zu verzehren. Die Gefahr ist zu groß, doch einen ungenießbaren oder giftigen Pilz mit dabei zu haben.

Noch ist nicht sicher, ob es in diesem Herbst mehr Pilze geben wird als noch im vergangenen Jahr. Daran erinnert sich Elke Tantzen nicht gern. Öfter war sie damals unterwegs. Doch Pilze hat sie so gut wie nie gefunden. Auch an den Stellen, an denen sonst immer welche wachsen. Noch gibt sie die Saison nicht verloren, obwohl es immer noch relativ trocken ist in den tieferen Bodenschichten. Noch ist vieles möglich, auch eine reiche Pilzernte, will sie den Herbst noch lange nicht aufgeben. In den kommenden Wochen wird sie schon mal durch den Wald gehen und schauen, ob sich der ein oder andere Vertreter der Pilze schon in den Wäldern zeigt. Das lässt dann auf den Herbst schließen.