Zerbst l Im Zerbster Schloss gibt es wieder viele neue Dinge zu entdecken. Und aus diesem Grund besteht für Besucher am Montag die Möglichkeit, durch das Fürstenappartement zu wandeln und das zu außergewöhnlicher Stunde, um 20 Uhr.

„Wir haben vier Räume neu gestaltet“, erzählt Dirk Herrmann, Vorsitzender des Fördervereins Schloss Zerbst. Zwanglos kann sich ab 20 Uhr in den Räumen der Fürstin Johanna Elisabeth von Holstein-Gottorf bewegt werden. Die Mutter der russischen Zarin Katharina II. bewohnte ab 1753 für fünf Jahre das Zerbster Schloss.

Nachdem die historische Decke im Fürstenappartement eingezogen wurde, hat es sich der Förderverin zum Ziel gemacht, die historische Struktur, welche einst dort vorhanden war, nachzustellen. „Wir schaffen Möbel und andere Objekte an, die dem ursprünglichen Stand sehr nahe kommen“, sagt Dirk Herrmann. Wie die Räume wohl damals ausgesehen haben, wie das Leben damals abgelaufen ist, können sich Besucher am Montagabend anschauen.

Tapisserie-Drucke schmücken Wände

Von den vier neuen Räumen wurden zwei komplett neu hergerichtet, zwei wurden massiv ergänzt. Zum Appartement gehört nun das Zimmer der Kammerzofe von Fürstin Johanna Elisabeth. „Rund um die Uhr stand der Fürstin eine Bedienstete zur Seite, die auch ihren Bereich zum Schlafen und Aufhalten hatte“, sagt Dirk Herrmann. Dem schließe sich das Vorzimmer der Fürstin an. „Es wurde als Wohnbereich und als Aufenthaltsraum genutzt.“ Interessantes gibt es im Schlafzimmer der Fürstin zu bestaunen. Vorzimmer und Schlafzimmer sind bestückt mit den nun fertiggestellten originalgroßen Tapisserie-Drucken. „Seit 1753 schmückten die Webteppiche die Wände des Fürstenappartements“, erzählt Dirk Herrmann. Die Originale befinden sich heute im Deutschen Historischen Museum in Berlin.

Im Schlafzimmer der Fürstin steht seit Anfang des Jahres ein Rokoko-Bett, welches nun um die Tapisserie-Drucke erweitert wurde. Auch das Gelbe Kabinett, das Ankleidezimmer der Fürstin, biete eine Besonderheit. „Wir haben dort eine Wandbespannung mit barocken Stoff nachgestellt.“ Eine versteckte Tür verschwinde so im Muster der Tapete.

Zur Schlossöffnung hat sich unter anderem Uwe Hippe, Amtsleiter des Wirtschafts,- Kultur- und Tourismusamtes des Landkreises, angemeldet. Um das Projekt der Tapisserie-Drucke, welches seit Oktober vergangenen Jahres begonnen wurde, zu verwirklichen, war Unterstützung nötig. Diese kam vom Wirtschaftsförderungsamt des Landkreises.

Gute Zusammenarbeit

Eingeladen ist auch Brigitte Mang, Nachfolgerin von Thomas Weiß, ehemaliger Direktor der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz. „Ich bin sehr glücklich, dass sich die gute Zusammenarbeit mit der Kulturstiftung auch in Zukunft durch Direktorin Brigitte Mang fortsetzt“, sagt Dirk Herrmann. Rathauschef Andreas Dittmann (SPD) hat sich ebenfalls angekündigt.

Neben der vielen neuen Objekte werde auch ergänzend die Ausstellung der historischen Postkarten geöffnet sein. „Wir laden dieses Mal zu einer außergewöhnlichen Stunde ein, weil eine Besichtigung am Abend bei Kronenleuchterschein ein besonderes Ambiente bietet.“ Der Eintritt ist frei, für die weitere Arbeit des Fördervereins sind Spenden willkommen, so Dirk Herrmann.