Dass Menschen wieder Menschen werden." Dafür hat Carl Lampert aus ganzem Herzen gebetet, bevor er 1944 in Halle durch das Fallbeil hingerichtet wurde. Papst Benedikt hat den österreichischen Priester kürzlich selig gesprochen. Über Jahre erlebte Carl Lampert, wie die Nationalsozialisten die menschliche Würde mit Füßen traten und zu welchen Gräueltaten Menschen fähig sind. Das hatte er nicht schweigend hinnehmen können.

"Dass Menschen wieder Menschen werden." Das ist auch eine flehentliche Bitte unserer Tage - im Blick auf so viele Länder, in denen Gewalt und Unrecht herrschen, aber auch hinsichtlich unserer Gesellschaft, die nicht frei ist von Hass und Brutalität. Konrad Lorenz, ein berühmter Verhaltensforscher des 20. Jahrhunderts, hat dazu einmal kritisch bemerkt: "Wenn ich den Menschen für das endgültige Ebenbild Gottes halten müsste, würde ich an Gott irre werden." Seiner Meinung nach sind wir eher "das lange gesuchte Zwischenglied zwischen dem Tiere und dem wahrhaft humanen Menschen". Tatsächlich kann man oftmals darüber erschrecken, welches Unheil Menschen über sich und andere bringen können, auf banale oder dramatische Weise, bewusst oder unbewusst, durch Egoismus und Neid, Lug und Trug, Mord und Totschlag. "Selbst im gütigsten Herzen" hält sich - wie es Alexander Solschenizyn einmal formulierte - "ein uneinnehmbarer Schlupfwinkel des Bösen."

"Dass Menschen wieder Menschen werden". Darum ging es Gott, als er - wie wir Christen glauben - vor etwa 2000 Jahren in Jesus von Nazareth Mensch wurde und sich in unsere Verhältnisse hineinbegab. Auf diese Weise hat er besonders deutlich gemacht, dass sich in jedem Menschen das Antlitz Gottes widerspiegelt, dass jeder Mensch eine Würde hat, die ihm niemand nehmen kann. Dieser Würde gilt es aber auch zu entsprechen. Ein Leben lang sind wir uns selbst zur Aufgabe gegeben und haben die Chance, immer noch mehr Mensch zu werden: vernünftiger und liebevoller, gerechter und barmherziger, selbstloser und aufgeschlossener.

Darum lädt uns Weihnachten ein, sich nicht nur innig und festlich der Mensch-Werdung Gottes zu erinnern, sondern fantasiereich und tatkräftig auch unsere eigene Mensch-Werdung voranzutreiben. Gott will auch in und durch uns Menschen in der Welt ankommen. Wem das zu Herzen geht, den lässt das Schicksal der anderen Menschen nicht mehr kalt, der mischt sich ein, wenn Unrecht geschieht, und übernimmt auch sonst Verantwortung für das Gemeinwohl. Achtung, Ehrfurcht und Liebe aber bringen Licht und Wärme in die Welt.