Mit wenigen Handgriffen ist der Schlauch am Dieselmotor eines Lkw angebracht. Ein Knopfdruck und langsam wird das Altöl mit Unterdruck abgesaugt. Dennis Schönhoff achtet auf das kleinste Geräusch, kontrolliert den Vorgang penibel. Der Qualitätsprüfer ist zufrieden. Alles verläuft nach Plan. Nach einer guten halben Stunde läuft das Öl komplett gereinigt zurück. Obwohl es schwarz wie zuvor aussieht, sei es völlig sauber, sagt er.

Dessau-Roßlau (dapd). "Unsere Anlage entfernt durch ein ausgeklügeltes Filtersystem Rußpartikel, Abrieb und andere Fremdstoffe", versichert der Spezialist der Innovative Maschinen Technologie GmbH (IMT) aus Dessau-Roßlau. Fünf Prozent bleiben als Abfall zurück. Lediglich der normale Verbrauch müsse nun nachgefüllt werden, dann könne das Fahrzeug wieder auf die Straße.

Die Öldialyse ist bislang in dieser Form weltweit einmalig und damit auch zum Patent angemeldet. Gespräche mit einem Arzt hatten Geschäftsführer Markus Kemper zu seiner Entwicklung angeregt. "Was bei der Reinigung des Bluts möglich ist, müsste doch auch bei Öl zu machen sein", ging es ihm vor drei Jahren immer wieder durch den Kopf.

Schon lange hatte er Versuche zur Reinigung des sensiblen Materials unternommen. Kemper war regelrecht besessen von der Idee, tüftelte und suchte nach Lösungen. Partner für viele Details habe er im Roßlauer Wissenschaftlich-Technischen Zentrum für Motoren- und Maschinenforschung (WTZ) gefunden. Es betätigt sich bereits seit 60 Jahren unter anderem in der Motorenforschung.

Mit der transportablen Maschine will der 41-Jährige zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. "Die Ölreserven der Welt sind endlich, da gilt es mit Ressourcen sorgsam umzugehen", wiederholt er stets aufs Neue. Und er verweist auf den Spareffekt beim Dialyseverfahren. Das Ganze gehe für die Anwender unkompliziert, es falle mindestens viermal seltener Altöl an. Bislang lasse die Reinigung eine Laufleistung von 400 000 Kilometern statt 100 000 zu. "Wir sind sicher, dass sich dieser Zyklus noch ausdehnen lässt", zeigt sich Kemper zuversichtlich.

Sein junges Unternehmen ist auf Wachstum ausgelegt. 700 000 Euro investierte er in Technik und die Sanierung eines alten Firmengebäudes. Seit September werden dort die hellblauen Dialysemaschinen in einer blitzsauberen Halle montiert. Die ersten 25 befinden sich im Einsatz bei der Hagener Firma Europart, die unter anderem mit Werkstattbedarf für Lkw handelt. Sie ist langfristiger Partner. Über dieses strategische Bündnis sind die ersten Geräte bereits in Polen und Rußland dabei, Motorenöl zu reinigen.

Bedienfehler und andere Probleme kann der Geschäftsführer fast vom Schreibtisch aus lösen. In jede Anlage sind ein GPS-Sender und eine direkte Datenverbindung via Telefonfunknetz integriert. Auf diese Weise sichere man den Service.

Nun hat IMT sich die Öldialyse für Autos vorgenommen. Die ersten Geräte für den Einsatz an Pkw – Austauschdauer gerade einmal sechs Minuten – sind im Versuchsstadium. Ab 2011 sollen sie in die Serie gehen. Die Firma verhandelt nach eigenen Angaben bereits mit Autowerkstätten. Doch sei der Markt sensibel, sagt der Tüftler und schweigt zu möglichen Partnern. Es werde ein Stück Arbeit kosten, bis die Neuheit auf dem Markt Akzeptanz findet.

Kemper zeigt sich als Kämpfertyp und Optimist. Eine Firmengründung auf einem anderen Gebiet habe ihm vor Jahren keinen Erfolg gebracht. Aus den Fehlern gab es neue Erfahrungen. IMT fahre seit dem ersten Tag an schwarze Zahlen ein, versichert er. Das stimme optimistisch. Die Zahl der Beschäftigten soll von gegenwärtig zehn auf mindestens 50 bis 2015 wachsen.