Die kommunalen und genossenschaftlichen wohnungswirtschaftlichen Verbände in Sachsen-Anhalt haben für dieses Jahr eine "überwiegend positive" Jahresbilanz gezogen. Auch 2012 soll das Tempo etwa bei Investitionen hochgehalten werden.

Magdeburg l "Wir können mit Selbstbewusstsein sagen, dass wir auch 2011 einen weiteren Schritt nach vorn gemacht haben." Mit diesem Satz attestierten die Direktoren der kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsverbände in Sachsen-Anhalt, Jost Riecke und Ronald Meißner, den 205 Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften in Sachsen-Anhalt, auch in diesem Jahr wieder "einen wesentlichen Beitrag für gutes und sicheres Wohnen für mehr als 700000 Mieter" geleistet und "solide gewirtschaftet" zu haben.

Dies sei die Bedingung dafür gewesen, dass die Wohnungsunternehmen ihre Investitionen auf hohem Niveau haben fortführen können, sagten Riecke und Meißner gestern in Magdeburg. Konkret habe die Wohnungswirtschaft in diesem Jahr insgesamt rund 400 Millionen Euro für die weitere Sanierung und Modernisierung der Wohnungsbestände ausgegeben. Diese Summe soll auch nächstes Jahr fließen.

Von den in Sachsen-Anhalt insgesamt 371000 kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungen sind nach Angaben beider Verbände nur noch zirka 34000 unsaniert. Viele davon seien für den Abriss vorgesehen. In diesem Jahr waren landesweit 4000 Wohnungen vom Markt genommen worden.

Die Wohnungsverbände beklagten in diesem Zusammenhang, dass der Stadtumbau in der Einheit aus Abriss und Aufwertung des Wohnumfeldes an Dynamik verloren habe. Riecke und Meißner führten dies unter anderem auf die erneute politische Debatte zur Höhe unter anderem der Städtebauförderung sowie ausbleibende Regelungen zur endgültigen Entlastung von auf Wohnungen liegenden Altschulden aus DDR-Zeiten zurück. Leerstehende Häuser könnten aus Geldmangel teilweise nicht mehr abgerissen werden und verschandelten Straßenbilder. Riecke: "Wir fordern, dass für jede vom Markt genommene Wohnung die Altschulden gestrichen werden."

Mit Blick auf den "weiter notwendigen Stadtumbau" sagte Meißner: "Wir wären froh, wenn sich private Eigentümer am Thema Abriss beteiligen würden." Allerdings seien die finanziellen Anreize, dies zu tun, gering, räumte er ein.

Negativ wirkt sich aus Sicht der Wohnungsverbände auch die in Sachsen-Anhalt für 2012 geplante Erhöhung der Grunderwerbssteuer aus. Eine Erhöhung von derzeit 4,5 auf künftig 5 Prozent behindere unter anderem aus wirtschaftlichen Gründen notwendig werdende Fusionen von Wohnungsunternehmen, betonten Riecke und Meißner. Es sei "irrational", dass Zusammenschlüsse von Unternehmen der Branche gestört würden, die im Zuge der Kommunalstrukturreform zusammengehen wollten.

Für das nächste Jahr erwartet die Wohnungswirtschaft einen Bevölkerungsrückgang von bis zu 20000 Menschen in Sachsen-Anhalt, bis 2025 würde es 125000 Haushalte weniger geben. Dieser demografische Wandel müsse "ressortübergreifend" bewältigt werden. Meinung

 

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