Chefs kleiner Unternehmen können sich nicht um alles allein kümmern: Für professionelle Personalentwicklung bleibt meist keine Zeit. Wirtschaftsverband und Magdeburger Arbeitsagentur wollen deshalb Unterstützung bieten.

Magdeburg l Mit ihren Unterschriften und einem Handschlag haben sie gestern in Magdeburg den Kooperationsvertrag besiegelt: Peter Martini, Leiter der Wirtschafts- region Sachsen-Anhalt Nord des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), und Matthias Kaschte, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Magdeburg.

Ihren bisherigen Austausch wollen die Kooperationspartner vertiefen und die Vermittlungsarbeit beschleunigen. "79 Prozent der Unternehmen im Arbeitsagenturbezirk Magdeburg haben ein bis neun Beschäftigte", informierte Kaschte. Die Unternehmer dieser kleinen Firmen seien auf die Produktion und Produktentwicklung, auf die Kundenpflege und -akquise fokussiert. Die Personalentwicklung professionell und vorausschauend zu organisieren, dazu fehle ihnen im Tagesgeschäft oft die Kraft. Deshalb sollen die Kompetenzen der Arbeitsagenturen und des Arbeitgeberservices gebündelt und gezielt dazu eingesetzt werden, die Wege zur Personalvermittlung zu verkürzen.

Um den direkten Draht zwischen Firmen und Vermittlern herzustellen, soll es Praktika von Vermittlern in Unternehmen sowie gemeinsame Workshops geben. Im ersten Schritt werden Studenten der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität in Firmen gehen, um den aktuellen und perspektivischen Personalbedarf zu ermitteln. "Spätestens Mitte Juli werden die Studenten in den Betrieben sein, bis Ende September sollen Ergebnisse vorliegen", erklärte Martini. "Anschließend werden den Unternehmen konkrete Angebote unterbreitet."

Kaschte nannte dies eine "gemeinsame Operation im Sinne des Wachstums der Betriebe". Es solle präventiv agiert werden, um den Personalbedarf der Unternehmen zu decken. Dabei wolle die Arbeitsagentur die Firmen mit Vorarbeiten zur Auswahl geeigneter Fachkräfte entlasten. "Die beste Personalentwicklungspolitik besteht aber darin, dass Unternehmen selbst junge Leute ausbilden, ihre Fachkräfte im Unternehmen entwickeln und halten. Auch dazu wollen wir in den kleinen Unternehmen verstärkt beratend tätig werden", betonte Kaschte.

Laut Martini zieht die Kooperationsvereinbarung den direkten Draht zwischen Unternehmen und Arbeitsagenturen und ermöglicht deutlich schnellere Entscheidungen. Der Verband vertritt im Norden Sachsen-Anhalts 400 Mitgliedsfirmen. In der Region Dessau sei ebenfalls eine Kooperation zwischen BVMW vereinbart worden. Aufgrund des kurzen Zeitraums liegen laut Martini noch keine Ergebnisse und Erfahrungen vor.