Nahezu jede Woche registriert die Polizei im Jerichower Land Diebstähle in und aus Kfz, wie es dort im Amtsdeutsch heißt. In den vergangenen Tagen blieb selbst ein Fahrschulauto in Burg nicht verschont. Gerade auf Kita-Parkplätzen ist Vorsicht geboten.

Burg l Es dauert nur wenige Sekunden und plötzlich sind alle wichtigen Dokumente weg: EC-Karte und Personalausweis, dazu Handy und Wohnungsschlüssel. Die Tat: Einbruch in ein Auto. Tatort: ein Parkplatz vor einer Kita oder an einem Friedhof, manchmal auch eine abgelegene Straße.

"Wenige Minuten reichen den Tätern aus, um einen ordentlichen Schaden anzurichten", berichtet Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch. Es ist genau jene Zeit, die Mütter und Väter benötigen, um ihr Kind in der Kita abzugeben, oder Angehörige, um kurz auf dem Friedhof Blumen am Grab eines verstorbenen Verwandten abzulegen.

Leichtsinn: Fahrer lassen Handy und Geldbörse sichtbar liegen

Sind Ausweis, Kreditkarten und Telefon weg, beginnt der Ärger. Karten müssen gesperrt und Dokumente neu beantragt werden. In manchen Fällen plünderten die Diebe innerhalb einer Stunde dank erbeuteter EC-Karte fremde Konten. Nicht zu vergessen ist die Reparatur der zerstörten Scheibe. Das kostet Zeit und Nerven.

Diesen Ärger könnten sich viele Geschädigte sparen. Allzuhäufig erleichtern sie Dieben das Spiel.

Eine Beobachtung von Volksstimme und Polizei an einem Nachmittag vor zwei Kitas im Kreis offenbart: Handtaschen und Rucksäcke liegen oft gut sichtbar hinter Sitzen, Telefone und Tablet-Computer sind in einigen Wagen sogar noch angeschlossen und eingeschaltet. Manchmal verdecken nur ein paar Jacken die Wertgegenstände. In jedem zweiten Wagen würden Diebe fündig werden.

Ein junger Vater lässt sein Auto sogar unverschlossen vor der Kita in Lostau stehen, Handy und andere elektronische Geräte liegen ungesichert in der Mittelkonsole. Purer Leichtsinn, der in solchen Fällen möglicherweise den Versicherungsschutz kosten könnte.

"Aber ich war doch nur kurz weg", sagt die junge Mutti Nadine Zimmermann aus Lostau. Auch sie hatte ihre Handtasche in den vorderen Fußraum geschoben, während sie ihr Kind aus der Kita holte. "Heute muss bei mir alles sehr schnell gehen, mein anderes Kind ist zuhause geblieben. Deshalb will ich schnell wieder zurück", berichtet sie.

Täter nutzen Eile ihrer Opfer für ihren Beutezug aus

Insbesondere diese Eile ist es, welche die Täter gnadenlos ausnutzen.

"Das beste ist, alle Wertgegenstände aus dem Auto zu nehmen", rät Kriebitzsch. "Es reicht nicht, die Tasche unter den Sitz oder in den Fußraum zu schieben oder gar eine Jacke darüber zu werfen." Diese Tricks kennen die Gauner nur zu gut. Und manchmal reicht ihnen schon der Verdacht auf fette Beute, um eine Autoscheibe zu zerschlagen.

Auch im Kofferraum sind wichtige Dinge nicht sicher aufgehoben, schon gar nicht, wenn diese erst auf dem Parkplatz umgepackt werden. "In einigen Fällen beobachten die Täter ihre Opfer und die Fahrzeuge sehr genau", erklärt der Polizeisprecher. "Ihnen entgeht dann nicht, welche Wertgegenstände in den Kofferraum gelegt werden."

Wie viele Handtaschen in diesem Jahr aus Fahrzeugen gestohlen wurden, kann Polizeisprecher Kriebitzsch nicht sagen. So genau sei die Statistik nicht aufgeschlüsselt. "Fest steht aber, dass wir in diesem Jahr bis Ende September etwa 260 Diebstähle in und aus Autos hatten. Dazu zählen jedoch Dieseldiebstähle und Kennzeichenklau ebenso wie der abmontierte Scheibenwischer. Im vergangenen Jahr lag die Zahl im gleichen Zeitraum bei rund 150."

EC- und Kreditkarten werden häufiger gestohlen

Gestiegen ist auch die Zahl der Diebstähle von EC- und Kreditkarten. "Bis Ende September hatten wir in diesem Jahr etwa 90, im Jahr zuvor waren es im gleichen Zeitraum rund 70", so Kriebitzsch. Dazu zählen auch die gestohlenen Karten aus einer Handtasche im Supermarkt.

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