Ob Apfeltag, Kino oder Bildungsbus - das Projekt "ZukunftsWerkStadt" hat in Osterwieck zur Halbzeit bereits Spuren hinterlassen. Noch bis Ende März sollen modellhafte Vorhaben angeschoben werden, die das Leben hier lebenswerter machen.

Stadt Osterwieck l "Es sind die vielen kleinen Faktoren, die die Leute in ihrer Heimat halten", sagt Elke Selke aus dem Projektteam, das in Osterwieck arbeitet. Und dazu gehören Vereine, Kino, Einkaufsmöglichkeiten. Rezepte gegen den demografischen Wandel sind der Schwerpunkt in der Arbeit des Projektteams aus Wissenschaftlern, Verwaltern und Praktikern. "Die Ergebnisse sind wie kleine Machbarkeitsstudien", schätzt Wirtschaftsförderer Peter Eisemann aus der Stadtverwaltung ein.

Am Anfang schien das Projekt der "ZukunftsWerkStadt" etwas sehr Abstraktes zu werden. Der Landkreis Harz bekam die Chance, mithilfe einer Förderung ein nachhaltiges Konzept für das künftige Leben auf dem Land zu entwickeln. Nach dem guten Zusammenspiel bei der Organisation eines "Tages der Regionen" wählte er die Stadt Osterwieck dafür aus.

Vereinsbörse zur Mitgliederwerbung

Dass das Ganze recht praktisch und greifbar wird, zeigte sich schnell. "Von den Bürgern kamen so viele Ideen", freut sich Elke Selke, die damit alle Skeptiker widerlegte, die fürchteten, dass die Bürger für so ein Projekt kaum hinter dem Ofen hervor zu locken wären. Was das Projektteam bisher auch anfasste - es wurde ein Erfolg. Davor zieht auch Andreas Jahn, der Marketingchef der Halberstadtwerke, den Hut. Sein Unternehmen gehört ebenso wie das Energieberatungszentrum zu den Projektpartnern.

"Wer in Vereinen engagiert ist, der ist mit der Region verbunden", sagt Franziska Hillmer, die gemeinsam mit Sophie Rudolph über die Hochschule Harz das Projekt wissenschaftlich begleitet. Deshalb steht als eines der nächsten Vorhaben eine Vereinsbörse auf dem Plan. "Die Vereine können sich bei dem Aktionstag vorstellen und neue Mitglieder werben", beschreibt Elke Selke das Vorhaben. Mit Gabi Jachade und Andreas Röcklebe seien zwei Personen eingestellt worden, die sich bis zum Projektende speziell mit den weit über 100 Vereinen im Stadtgebiet beschäftigen werden. Dabei geht es auch darum, einfache Wege aufzuzeigen, wie man die Bevölkerung erreicht. Zum Beispiel mit einer Internetpräsentation. Das gilt übrigens ebenso für die Feuerwehren. "Es haben doch alle die gleichen Personalprobleme", sagt Selke.

Umdenken zur Sicherung des Brandschutzes nötig

Die Feuerwehren sind aber noch ein ganz spezieller Projektpunkt, mit dem Stadtwehrleiter Frank Kenzig betraut ist. Die Tageseinsatzbereitschaft der Wehren ist heute schon ein heikles Thema. "Wir werden für die Zukunft um unpopuläre Dinge nicht herumkommen", sagt Kenzig. Beispielsweise indem Mitarbeiter von Bauhof oder Stadtverwaltung zu Löscheinsätzen ausrücken müssen. Oder die Unternehmen mehr gefordert sind. "Sie erwarten von uns einen Rundumschutz. Dann müssen sie aber auch Leute zum Einsatz gehen lassen. Da ist ein Umdenken nötig." Schließung oder Zusammenlegung von Feuerwehren sind für Kenzig indes ausgeschlossen. "Dann würden viele austreten. Feuerwehrleute sind in ihren Orten verwurzelt." Angesichts der geforderten zwölfminütigen Hilfsfrist brauche man alle drei bis vier Kilometer eine Feuerwehr.

Voraussichtlich im Februar soll es eine Themenkonferenz geben zur Zukunft der Feuerwehren. So wie es im Oktober schon eine Konferenz zu ländlichen Einkaufsmöglichkeiten gab. In der Folge wird nun versucht, für die Deersheimer wieder einen Dorfladen einzurichten. "Uns ist es sehr wichtig, dass wir in dem Projekt die Dörfer nicht vergessen", betont Selke.

Am 13. November steht eine Konferenz zur Mobilität bevor. Da geht es beispielsweise um einen Bürgerbus. "Die Themenkonferenzen sind grundsätzlich öffentlich", erklärt Selke.

Bürgerbeteiligungsmodell für Energieanlagen

Einen Bus anderer Art hat das Energieberatungszentrum bereitgestellt, den Bildungsbus. Erstmals nahmen dadurch Grundschüler aus Osterwieck an einer Veranstaltung der "Kinderhochschule" an der Hochschule Harz teil. Dieser Bus soll noch auf die Generationenhochschule ausgeweitet werden. Für Selke ein Beispiel, dass die häufige Aussage, "dafür haben wir kein Geld", gar nicht zutreffen muss, wenn man sich starke Partner sucht. "Unser Anliegen ist es, etwas anzustoßen", fügt Franziska Hillmer hinzu.

Das Fahrrad neu erfinden muss man in dem Projekt indes auch nicht. Gerade das Energieberatungszentrum selbst ist für sich ja schon eine modellhafte Einrichtung. Und natürlich auch deren vielfältigen Aktivitäten wie jüngst erst die Hausmeisterschulung. "Im Dezember planen wir einen Vortrag über das Passivhaus", blickt Hannes Deicke voraus.

Die Energie wird am 20. November eine Themenkonferenz bestimmen. Die Halberstadtwerke beabsichtigen in Osterwieck Solarstromanlagen zu installieren. "Als Bürgerbeteiligungsmodell", wie Andreas Jahn hervorhebt. Renditen der Anlagen sollen den beteiligten Bürgern zufließen. Dahinter steht freilich die spannende Frage, wie die Bürger solch Modell annehmen.

Das Projektteam hat viel zu tun. Am Ende steht ein Abschlussbericht für das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das das Projekt auch fördert.

Parallel dazu sollen ein Leitfaden und ein Nachhaltigkeitskonzept den Kommunen in der Region zur Verfügung gestellt werden. Für Osterwieck jedenfalls wertet nicht nur Wirtschaftsförderer Eisemann die "ZukunftsWerkStadt" jetzt schon als Glücksfall.

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