Unter dem Titel "Sterben die Dörfer?" hatte der Kuhlhausener Herbert Dierkes Kandidaten zur Bundestagswahl aus der Region zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Viele Einwohner, darunter auch Kommunalpolitiker, aus der Elb-Havel-Region nutzten die Gelegenheit, die Ansichten der Kandidaten zu hören.

Kuhlhausen l Der Weidendom am Karpfenteich in Kuhlhausen ist zwar noch nicht komplett. Der ersten Veranstaltung, die dort stattgefunden hat, gab er aber bereits ein angenehmes Ambiente. Eingerahmt im dichten Grün und indirekt beleuchtet, könnte man sich dort etwa auch ein Konzert vorstellen. Ein solches gaben am Dienstagabend aber nur die Stare mit lautem Gezwitscher. Ansonsten stand die Politik im Mittelpunkt.

Rollende Arztpraxis

Die demografische Entwicklung auf dem Land liegt Herbert Dierkes am Herzen. Die bevorstehende Bundestagswahl nutzte er, die Kandidaten der Region zu einer Podiumsdiskussion zu bitten. Christian Franke (Bündnis 90/Die Grünen) hatte abgesagt. Dafür bekam René Schernikau von den Piraten kurzfristig einen Platz im Podium. Er war interessehalber nach Kuhlhausen gefahren. Nach einer kurzen persönlichen Vorstellung der Kandidaten gab Herbert Dierkes als Moderator die Themen vor und jedem genau zwei Minuten Zeit für seine Antwort. Wer überzog, bekam ein Tütchen Gummibärchen - die Kandidaten bewiesen sich nicht als die großen Naschkatzen, sondern antworteten in den meisten Fällen kurz und konkret.

Die medizinische Versorgung war das erste Thema. Katrin Kunert (Die Linke), die Mitglied des Bundestages ist, sagte, dass ihre Partei das "Schwester-Agnes-Modell" unterstützt. Marcus Faber (FDP) sprach von einer positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt für Ärzte und davon, dass die Notfalldienste für Ärzte auf dem Land besser vergütet werden. Marina Kermer (SPD) ist es unter anderem wichtig, dass die Rettungsleitstellen mit gut qualifiziertem und ortskundigem Personal ausgestattet sind, damit auch auf dem Land schnelle Hilfe möglich ist. René Schernikau ging auf das Thema Sozialversicherung als Gesamtkasse für alle ein, was für eine gesunde Finanzlage sorgen und junge Ärzte auch aufs Land bringen würde. Jörg Hellmuth (CDU) nannte das Modell des Krankenhauses Havelberg als kleine Einrichtung zur Grundversorgung in einem Klinikenverbund als gutes Beispiel. Der Überalterung von Hausärzten entgegenzuwirken, sieht er als Herausforderung für die Politiker. Mit dem Vorschlag, ähnlich dem Bücherbus des Landkreises künftig eine rollende Arztpraxis über die Dörfer zu schicken, wandte sich Ursula Rensmann an die Kandidaten.

Bildung als Bundessache

Stellung bezogen die Kandidaten im Verlaufe des Abends in der von Herbert Dierkes straff geführten Diskussion auch zu kommunalen Finanzen und Strukturen und der Frage, wie der Bund zur einer besseren Finanzausstattung beitragen kann, zur Bedeutung der Landwirtschaft als Wirtschaftsfaktor sowie zu Bildung und Jugend. Bei letzterem spielte die Frage der Schulschließungen eine große Rolle. Da diese ebenso wie die Anerkennung etwa des Abiturs Ländersache ist, ging die Diskussion auch dahin, dass Bildung Bundessache werden sollte.

Für Gastgeber Herbert Dierkes, der sich bei allen bedankte, die ihm bei der Vorbereitung des Abends geholfen haben, war diese Diskussion der Anfang einer Reihe von Gesprächen, bei denen nach Lösungen gesucht werden soll, damit die Dörfer nicht sterben.

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