Die Empore der Hohenlangenbecker Kirche wird derzeit restauriert. Fachfrau Corinna Streitz versucht, die verschiedenen Orange-Töne genau nachzuempfinden.

Hohenlangenbeck l Eine gute alte Bekannte ist zurück im kleinen Hohenlangenbecker Gotteshaus: die Restauratorin Corinna Streitz, die im Vorjahr die Decke reinigte und dieser ihr neues altes Aussehen zurückgab. "Ich war überrascht und erfreut, als mich Frau Schäfer anrief, um mir mitzuteilen, dass ich in der Kirche weiterarbeiten darf", sagt die junge Frau, die in Wittenberge zu Hause ist. Petra Schäfer, die dem Förderverein Dorfkirche Hohenlangenbeck vorsteht, und ihren Mitstreitern war es gelungen, private Spenden einzuwerben, aber auch Geld aus dem Kirchenkreis und aus der Marlis-Kressner-Stiftung, die ihren Sitz in Wolfsburg hat. Somit kann die Restaurierung im Inneren des Feldsteinbaus weitergehen.

Für Corinna Streitz ist es erst das dritte Mal, dass sie die Ausstattung eines Gotteshauses fast komplett restaurieren darf. "Nur das Säubern der Wandmalerei haben andere übernommen", merkt sie an und fügt mit einem Lächeln hinzu: "Das ist dann wohl meine Kirche."

Die Empore, die aus Eichenholz besteht, stamme aus dem Barock. Sie weise sehr rustikale Bemalungsspuren aus jener Zeit auf. Es seien nur minimale Reste der ursprünglichen Oberflächengestaltung zu finden. Dann sei Gotthold Mannewitz, ein zu jener Zeit bekannter Künstler, in den 1940er Jahren in dieser Kirche tätig gewesen. "Wir gehen davon aus, dass er nicht nur die Decke restauriert hat, sondern auch die Empore", erzählt Corinna Streitz. Und da die einstigen Zeichnungen sehr filigran gewesen seien, habe er einen Trick angewandt und mit der sogenannten Wickeltechnik die Bemalung ähnlich aussehen lassen. "Das heißt, man taucht ein Fensterleder in Farbe und rollt es über die Fläche. Das ergibt dieses hier vorhandene Bild", schildert die Restauratorin und weist auf die schon bearbeitete Fläche.

Anspruchsvoll sei es schon gewesen, die vier verschiedenen Orange-Töne, die auf der Empore eine Rolle spielen, anzumischen. "Es soll schließlich nicht neu aussehen. Sonst verliert das Innere dieser kleinen knuffeligen Kirche ihren Charme", sagt Corinna Streitz. Auch die Schnitzerei, die 1697 angebracht worden war, wie eine Inschrift verrät, solle wieder zum intensiveren Hinschauen verführen.

An einigen Stellen kämpfe sie mit den Folgen der Feuchtigkeit, die sich einst in dem Gotteshaus breitgemacht hatte. Dadurch sei die Farbe von der Wand gefallen. Zum Glück habe man in Hohenlangenbeck jetzt dieses Problem im Griff. "Ich versuche, die Stellen, die noch gut sind, zu erhalten, und beschädigte auszubessern."

Auch die elf Stützen, die die Empore tragen, sind noch zu restaurieren. Der Untergrund sei hellgrau. Darüber sei braune Farbe gestrichen. Und darüber sei per Leder mit einem dunkleren Braun "drübergewickelt" worden. "Diese Technik ist typisch fürs 20. Jahrhundert", weiß die Wittenbergerin.

Besucher sind willkommen

Und auch die bislang nicht gezählten Baluster seien zu restaurieren. "Ich denke, dass ich Ende des Monats die Empore zu 90 Prozent fertig habe", schätzt sie. Später geht es mit der Kanzel weiter. Und auch das Gestühl soll für die nächsten Jahrzehnte aufgemöbelt werden. "Dort gibt es Feuchtigkeitsflecken, aber auch Abrieb. Ich habe gehört, dass die Farbe am Lappen hängen bleibt, wenn die Bänke abgewischt werden", berichtet Corinna Streitz. Dies solle künftig nicht mehr so sein. Wie dies gelingen könne, darüber grübelt die Fachfrau schon nach.

Doch erstmal möchte sie die Empore zu einem neuen alten Hingucker machen. Besucher, die auf die Arbeit neugierig sind, können gern vorbeischauen, lädt Corinna Streitz ein. Sie nimmt sich gern die Zeit für einen kurzen Plausch. Und dann taucht sie wieder das Fensterleder in die Farbe und wickelt dieses über den nächsten Abschnitt. Die graue Untergrundfarbe wartet schon aufs Verschönern.