Zum Tag des offenen Denkmals werden am Sonntag Führungen durch die Sachsendorfer Bockwindmühle angeboten. An deren Fuß findet zudem ein kleines Volksfest statt. Weht ausreichend Wind, wollen die Mitglieder des Mühlenvereins auch schroten.

Sachsendorf. Beim Pressetermin am vergangenen Mittwoch fällt es Vereinsvize Reinhard Höfflin schwer, die Fragen des neugierigen Pressemanns in Ruhe zu beantworten. Der Wind weht, die Flügel drehen sich energisch, es wird geschrotet. Immer wieder blickt Höfflin zur Bütte, in der die Mahlsteine ihr Werk tun. Plötzlich bricht er mitten im Satz ab und flitzt zum klappernden Rüttelschuh.

"Das Getreide staut sich, obwohl sich die Flügel drehen"

"Das Getreide staut sich, obwohl sich die Flügel drehen", antwortet Dieter Sablottny stellvertretend. Nach einer Minute ist Höfflin wieder zurück. Jetzt klappert wieder alles nach Vorschrift. Der 44-jährige Tischler, der seit Anbeginn dabei ist, erklärt die Mechanik. Alles sind gute, deutsche Worte, die nachvollziehbar sind. Der Rüttelschuh wird von einer Vierkantwelle in Vibration versetzt. Er erzeugt das typische Klappern, wenn gemahlen wird.

Nimmt man die hölzerne Hülle ab, die sogenannte Bütte, werden die Mahl-Steine sichtbar. Ein eiserner "Kran" kann den angetrieben Stein, den sogenannten Läufer, vom festen, unbeweglichen Bodenstein heben. So werden Boden- und Läuferstein zum Schärfen der Mahlfurchten bereitgelegt. Eine Plackerei, die infolge gelegentlichen Mahlens aber nur selten in Sachsendorf geschieht. Höfflin weist auf die Luftfurchen, durch die das Getreide "läuft".

Und warum heißt jener Lagerstein, auf dem der Wellenkopf sich dreht, Katzenstein? "Weil", sagt Höfflin und grinst ein bisschen, "wenn er warm wird, nach Katzenpisse riecht."

Keine weiteren Fragen. Die Ur-Müller waren Gott sei Dank keine Schöngeiste, sondern verbal praktisch veranlagt.

Dinge wie diese wird man am Sonntag mit allen Sinnen erfahren. Die Besucher können dann nachvollziehen, wie genial ausgefeilt sich die mechanischen Prozesse einer Bockwindmühle aufbauen.

Geöffnet ist von 10 bis 18 Uhr. Um 10 Uhr findet ein Preiskegeln auf der automatischen Anlage statt, gegen 14 Uhr führen die Knirpse der Sachsendorfer Kita ein Programm auf.

Kurz darauf sorgen die Lödderitzer Jagdhornbläser für gute Laune. Für Speis und Trank ist natürlich gesorgt.

Wie Reinhard Höfflin sagt, wird es auch eine Ausstellung alter Kaffeemühlen und Haushaltsgegenstände geben.

Wesentlich schwungvoller geht es zu, wenn mit Dreschflegeln das Getreide malträtiert wird. "Das sieht einfacher aus als es ist", gibt Dieter Sablottny zu bedenken. Beim Einsatz mehrerer Drescher ist nämlich eine gewisse "Choreografie" erforderlich, damit sich die Herren mit den Flegeln nicht auf die Köpfe hauen.

Der 1991 gegründete "Freundeskreis Mühle Sachsendorf" e.V. hat heute 26 Mitglieder. Damals bei Vereinsgründung waren es zehn. Gustav Radespiel ist Begründer des Vereins. Sein Stellvertreter ist Reinhard Höfflin.

Der Windmühlenfan Torsten Neitzel gilt als fachlicher Wegbereiter der ersten Stunde.