Wer aufmerksam durch Hecklingen geht, wird seine "Handschrift" kennen. Auf Häusern und Gebäuden hat er sich im Auftrag der Besitzer gern mit seinen Kunstwerken verewigt. Auch Vereinen hat er gestalterisch unter die Arme gegriffen. Heute zeichnet Dekorations- und Bühnenmaler Hans Marquart zwar nicht mehr im großen Stil. Für sich selbst hält der 87-Jähriges Pinsel und Papier nach wie vor die Treue. Im Volksstimme-Gespräch wurden Erinnerungen aufgefrischt. Außerdem lüftete Marquart das Geheimnis um eine Kiste mit historischen Dokumenten, die ihm jetzt wieder in die Hände fiel.

Hecklingen. Fragt man Hans Marquart, wo er überall gemalt hat, sprudelt es aus ihm heraus. Die Ereignisse überschlagen sich. Begeistert erzählt er von unzähligen Begebenheiten früherer Tage. Die Zeit auf dem Campingplatz in Reinsberg, dort wo er mit seiner Familie jedes Jahr Urlaub machte, sind für ihn mit vielen schönen Erinnerungen verbunden. Dort ging es ihm gut, dort malte er.

Inspiration in der Heimat gefunden

Inspiration fand Marquart auch in seiner Heimat, den Masuren. Regelmäßig reiste er nach Polen, zusammen mit seiner Frau oder allein. Für Schlesien schlägt sein Herz nach wie vor. Die Bilder an der Wohnzimmerwand sprechen dafür. Die Kirche, eine Brücke, die Landschaft - Eindrücke hat Marquart in seinen Werken eingefangen. Auch, weil dies der Ort ist, an dem er die Leidenschaft zum Zeichnen für sich entdeckte. Kein Wunder also, dass er für das Pressefoto ein Bild zeigt, auf dem ein Sakralbau in seiner Heimat gezeichnet ist.

Schon als Kind ließ ihn das Hobby in der Schulzeit nicht mehr los. Wettbewerbe und die Zusammenarbeit mit einem ausgebildeten Maler steigerten das Interesse, förderten sein Talent. Nach dem Krieg konnte er nicht wieder zurück nach Schlesien.

Über eine Bekanntschaft beim Militär kam er nach Hecklingen. Das war vor 65 Jahren. Er fühlte sich wohl, lebte sich ein, machte das Hobby zum Beruf.

Der gelernte Dekorations- und Bühnenmaler arbeitete als Schrift- und Figurenmaler im früheren Blechpackungswerk in Staßfurt. Karikaturen, Sprüche, Betriebswerbung, ob auf Wandzeitungen oder in Publikationen – Marquart nutzte sein Talent. Auch privat für die Vereine in der neuen Wahlheimat. "Für den ersten Karnevalsumzug in Staßfurt habe ich die Dekoration gemalt", erinnert er sich darüber hinaus an die Entstehung weiterer Requisiten. Damals als der Männerchor Hecklingen den Karneval im Ort vor rund 40 Jahren aus der Taufe hob.

Den Fundus der Jecken stockte der ortsansässige Künstler auf. Themen der fünften Jahreszeit setzte er mit seinen knall-bunten Bildern um, fand kreative Motivideen mit Sprüchen zum Schmunzeln. Im großen Stil stattete er damit die Bühne aus. Zudem gab Marquart der "Blauen Partei", einer Formation mit singenden Jecken, ihre gestalterische Identität.

Ein ruhiges Händchen stellte er darüber hinaus bei der Wiederaufarbeitung von Oldtimern unter Beweis, zeichnete Linien wie im Original detailgetreu nach.

Sprüche auf Häusern im historischen Schriftzug entstammen ebenfalls seiner Feder. Die Inhalte zum Teil selbst verfasst. "Der Mensch braucht ein Plätzchen von dem er sagen kann, sieh dies ist hier mein, hier leb ich, hier ruhe ich aus, dies ist meine Heimat, hier ist mein Zuhaus." Nicht nur mit Worten dieser Art hat der Hecklinger ein Zeichen gesetzt. Auch für die Freiwillige Feuerwehr hat er das Image in Wort und Bild am Depot verewigt. "Zu helfen in Not ist unser Gebot", steht auf einer Gebäudewand geschrieben.

Kleiner "Schatz" jetzt wieder aufgetaucht

Über die Erinnerungen an die Zeit der Entstehung spricht Marquart gern. Auch über die Inhalte einer Kiste, die ihm jüngst in die Hände fiel, möchte er reden. Zwar rückt die Malerei dabei in den Hintergrund.

Die Dokumente wegzuschmeißen sei trotzdem zu schade. "Vielleicht findet sich ja noch der ein oder andere, der Interesse hat", hofft der Hecklinger, dass sich jemand meldet. Er schätzt, dass das Bergbaumuseum in Staßfurt vielleicht Interesse haben könnte. Er bietet seine Kiste kostenfrei auch für private Sammler und interessierte Geschichtsfans an.

Darin enthalten sind unzählige Schriften und Fotos. Unter anderem eine historische Informationsbroschüre vom Schwiegervater. Dieser bekam das Heft, als er nach dem ersten Weltkrieg in die Schweiz musste.

Ferner gibt es ein Fachbuch "Der kleine Ziegenhalter" aus dem Jahr 1948, Urkunden oder Postkarten mit historischen Ansichten sind ebenfalls erhalten geblieben.

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