Rund 70 Prozent Energieeinsparung im Gegensatz zum aktuellen Verbrauch will die Tangerhütter SWG mit einem neuen Projekt in der Industriestraße erreichen. Eine Investition von rund 520 000 Euro steht dort 2012 an. Darüber hinaus soll sich auch im Geschosswohnungsbau aus DDR-Beständen energietechnisch einiges ändern.

Tangerhütte l Das Projekt Industriestraße ist eines, das im Zusammenhang mit der Erarbeitung eines energetischen Stadtentwicklungskonzeptes mit Unterstützung von Professor Uwe Zischkale entstand. Auch wenn zunächst daran gedacht war, aus den Objekten in der Industriestraße Passivhäuser zu machen, die praktisch keine Energie mehr verbrauchen, musste man auch im Auge behalten, "was im sozialen Wohnungsbau finanziell verantwortbar ist", erklärt SWG-Geschäftsführer Gerd Wetzig. Und so entstehen nun Niedrigenergiehäuser. Einige Ideen wie Wärmepumpen oder Solarthermie wurden zunächst gestrichen. Immerhin ist jeder vierte Euro, den die SWG an Kreditverpflichtungen hat, einer, der aus DDR-Altschulden stammt.

Dass in den einstigen Fabrikarbeiterwohnungen in der Industriestraße energetischer Handlungsbedarf besteht, weiß SWG-Geschäftsführer Gerd Wetzig schon lange. Gemeinsam mit Vorstandsmitglied und Ortsbürgermeister Gerhard Borstell stellte er jetzt das Projekt vor. Auch im Bundesbauministerium wurde dieses Projekt im Rahmen des Modellvorhabens "Experimenteller Wohnungs- und Städtebau" (EXWOS) präsentiert. Die SWG erhält ein gefördertes Darlehen der Landesinvestitionsbank für Projekte zur energetischen Sanierung.

Geplant ist, 28 Wohneinheiten in sieben historischen Wohnhäusern komplett von außen zu dämmen. Eine Zustimmung der unteren Denkmalbehörde liegt inzwischen vor. Und dafür ist er auch dankbar, denn der Spagat zwischen Energieeinsparung und Denkmalschutz ist oft ein schwieriger, weiß Gerd Wetzig.

Außerdem sollen die vor etlichen Jahren erneuerten Fenster überarbeitet werden, die Kellerfenster ausgetauscht und die Keller zusätzlich abgedichtet werden. Neue Heizungsanlagen sollen die jetzige Technik ersetzen. Und es wird eine elektronisch gesteuerte Be- und Entlüftungsanlage in den Wohnungen eingebaut, die auch eine Wärmerückgewinnung beinhaltet. Mindesttemperaturen sollen helfen, trotz der zusätzlichen Isolierung ein gesundes Raumklima zu erhalten. "Mit dem Maßnahmenpaket soll eine Energieeinsparung gegenüber dem aktuellen Standard für Neubauten von gut 30 Prozent erreicht werden", betont Gerd Wetzig.

Im Gegensatz zum jetzigen Energieverbrauch werden es rund 70 Prozent Einsparung sein. Dafür wird allerdings auch die Investition von rund 520 000 Euro umgelegt werden, erklärt er weiter. "Für die Mieter wird es insgesamt keine höheren Belastungen geben. Langfristig wird sich die Energieeinsparung zugunsten der Bewohner auszahlen und es ist ein Beitrag zur Senkung der CO2-Bilanz", sagt er. Und auch Gerhard Borstell steht voll hinter dem Vorhaben: "Wir wollen die Wohnungen energetisch auf den neuesten Stand bringen", sagt er.

Im kommenden Jahr ist außerdem an die Umstellung der Heizungsanlagen im Geschosswohnungsbau rund um den Neustädter Ring gedacht. Dort soll der Verbrauch von 330 Wohnungen mit einem Energiebedarf von einst 1,4 Gigawatt dank Umstellung von der bisher zentralen Energieversorgung auf Blockheizkraftwerke auf rund 700 Megawatt pro Jahr gesenkt werden. Eine Investition von rund 350 000 Euro ist dort vorgesehen, zum Beginn der Heizperiode Ende 2012 soll alles fertig sein.

Verhandlungen mit dem Energieversorger und die Diskussionen um das energetische Stadtentwicklungskonzept hatten dazu geführt, dass bestehende Fernwärmeversorgungsverträge vorzeitig gelöst und die Umstellung nun beschleunigt werden konnte. "Insgesamt betreut die SWG Tangerhütte 450 eigene Wohnungen und verwaltet im Auftrag der Eigentümer weitere 350", fasst Wetzig zusammen.

Tangerhütte bewirbt sich nach seiner erfolgreichen Teilnahme an dem ausgelaufenen Modellprojekt "Stadt-Region mit neuer Energie", aus dem das energetische Stadtentwicklungskonzept entstanden ist, auch für eine weitere Teilnahme als Modellstadt. "Wir wollen auf Grundlage des vorhandenen Konzeptes weitermachen", sagt Borstell. Er blickt auch auf weitere Projekte zurück: "Wir sind auch im Programm Stadtumbau Ost dabei. Was wir in dem Rahmen schon für Tangerhütte erreicht haben, kann sich sehen lassen."