Das Theaterklavier ist alt, bald kostet das Stimmen mehr als eine Neuanschaffung. Der TdA-Förderverein hat nun eine kreative Spendenaktion ins Leben gerufen.

Stendal l "Ein Klavier, ein Klavier..." wird wieder und wieder in einem Loriot-Sketch tonlos-geleiert, in dem Mutti und die Kinder x-mal die Begeisterung vor laufender Familienkamera üben, als das Instrument ins eigene Heim geliefert wird. Begeisterung üben, das müssten die Theaterleute und die Mitglieder des Fördervereins wohl nicht, wenn das neue Wunsch-Instrument endlich in Stendal eintrifft.

Und diesen Moment sehnen sie sich wahrlich herbei. Schließlich ist das alte Klavier, das mal im Großen, mal im Kleinen Haus bei Aufführungen, Proben und Konzerten zum Einsatz kommt, wirklich alt. Wie alt, das kann nicht mal mehr irgendjemand so genau sagen. Fest steht nur: "Es ist anfällig, alt und schättrig", formuliert Fördervereinsvorsitzende Daniela Frankenberg etwas flapsig, aber treffend. "Und irgendwann ist das Stimmen teurer als eine Neuanschaffung."

Darum hat der Theaterförderverein eine Spendenaktion namens "Schöne Töne" initiiert, um ein neues Piano fürs Theater der Altmark anzuschaffen. Und die sieht so aus: Für die 88 Tasten werden Paten gesucht. Eine Taste kostet 100 Euro, als "Gegenleistung" bekommt der Spender ein Zertifikat, auf dem der Ton der gekauften Taste steht. Wer abseits dessen trotzdem und auch kleinere Beträge spenden will, kann das natürlich auch gern tun (siehe Infokasten).

Nicoline Helfrich war die Erste, die Patin für eine Taste geworden ist. "Musik ist wichtiger Bestandteil des Lebens, und ich möchte ein Zeichen setzen, dass Stendal ein Theater braucht. Denn ein Theater ist ein Grund, warum es sich lohnt, in Stendal zu leben." Frau Helfrich und ihre Familie sind nun "Besitzer" des zweigestrichenen h des neuen Klaviers. Diesen Ton haben ihre Kinder ausgesucht. Und irgendwie passt er ja auch - h wie Helfrich.

Gebaut wird das neue Theaterpiano in der Wilhelm-Steinberg-Manufaktur in Thüringen, 12550 Euro soll es kosten. Acht Tasten à 100 Euro wurden schon verkauft, dazu kamen schon einige weitere Spenden. Außerdem rechnet der Theaterförderverein mit einer Lotto-Förderung. "Es ist nicht irgendein Klavier", sagt Frankenberg, "sondern eines, das gut zum Theater und den verschiedenen Zwecken passt. Es ist robust, transportabel, hat eine matte Oberfläche, damit es im Scheinwerferlicht nicht reflektiert." Dass es gut wird, darauf vertrauen die Theaterleute. Gero Wiest, der Musikalische Leiter des TdA, hat ein solches Exemplar schon probegepielt.

Die Gefahr, mit dieser Spendenaktion Aufmerksamkeit vom noch bestehenden Spendenprojekt für einen neuen Theaterbus abzulenken, sehen die Fördervereinsmitglieder nicht. "Der Bus ist eine langfristige Sache und verlangt einen Riesenbatzen Geld, aber deswegen ist das Projekt nicht vergessen", sagt Frankenberg. Der kurzfristigen Finanzierung eines neuen Klaviers räumt sie einfach größere Chancen ein. "Ein Klavier ist eine emotionalere Sache, da kitzelt man eher an den Bedürfnissen der Menschen."