Der Diebstahl von fünf sogenannten "Stolpersteinen" in Ilsenburg gibt der Polizei Rätsel auf. In die Ermittlungen hat sich der Staatsschutz eingeschaltet. Lokalpolitiker sind über die Tat entsetzt.

Ilsenburg l Empört haben Ilsenburgs Lokalpolitiker auf den Diebstahl der sogenannten Stolpersteine in ihrer Stadt reagiert. Mit diesem Schmuckpflaster wird an ehemalige jüdische Einwohner erinnert, die während der Nazidiktatur vertrieben und ermordet worden sind. Die messingfarbenen Quader mit den persönlichen Daten der einstigen Ilsenburger waren am 30. Oktober 2010 in die Wege eingesetzt worden. In der Nacht zu Mittwoch wurden fünf Stolpersteine ausgegraben und gestohlen. Nach Polizeiangaben fehlen ein Quader aus der Kasta-nienallee und vier Steine, die in der Rudolf-Breitscheid-Straße vor dem Eingang einer Gaststätte aus dem Boden gerissen wurden.

Die Polizei, die sofort Ermittlungen aufgenommen hat, steht vor Rätseln. So sei unklar, ob es die Täter auf den materiellen Wert der Steine abgesehen hatten, oder ob es einen politischen Hintergrund gibt.

Sollte es den Tätern um den Wert des Metalles gegangen sein, so hätte sich die nächtliche Mühe kaum gelohnt, erklärte die Polizei. Denn die messingfarbenen Stolpersteine bestehen nur zu einem sehr geringen Teil aus Messing und sind daher weitgehend wertlos. Da ein politisches Motiv nicht ausgeschlossen wird, wurde der Staatsschutz eingeschaltet.

Die Polizei bittet die Einwohner und Gäste der Ilsestadt um Hinweise. Die Tatzeit liege ersten Ermittlungen zufolge zwischen Dienstag, 22.30 Uhr, und Mittwoch, 6.55 Uhr. Wer Hinweise zu verdächtigen Personen und Fahrzeugen geben kann, wird gebeten, sich unter der Telefonnummer (03941) 674193 im Harzrevier oder in jeder anderen Polizeidienststelle zu melden.

Indessen hat der Diebstahl der Stolpersteine heftige Empörung ausgelöst. Bürgermeister Denis Loeffke (CDU) hofft, dass die Verursacher schnell ermittelt werden. Für den Fall, dass ein Wiederbeschaffen der Originalsteine nicht mehr möglich ist, kündigte er an, neue Steine anfertigen zu lassen. Karl Berke, Fraktionschef der CDU/FDP/Freie Wähler Drübeck, zeigt ebenfalls kein Verständnis. "Was mich vor allem stört, ist die Kulturlosigkeit. Sollte es auch noch einen politischen Hintergrund haben, wäre es doppelt schlimm."

"Diese dreiste Tat kann nicht unbemerkt geblieben sein."

Wilfried Obermüller

Auch Wilfried Obermüller (SPD) verabscheue den Diebstahl. Er vermutet einen politischen Hintergrund, weil die Handlung für Buntmetalldiebe in keinem vernünftigen Verhältnis stehe. "Ich war dabei, als die Steine einbetoniert wurden und weiß daher, dass es sehr viel Mühe bereitet, sie wieder heraus zu bekommen." Vor allem appelliere er an die Anwohner, mit der Polizei zu kooperieren. Obermüller: "Die dreiste Tat kann nicht unbemerkt geblieben sein." Linke-Fraktionschef André Lüderitz befand sich gestern im Landtag und war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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