Wolmirstedt. Gestern Vormittag, 9.35 Uhr: Schulleiter Uwe Claus, Erich Thiede, Präsident der Landesverkehrswacht, und Hans-Dieter Frinken, Vorsitzender des Kreisverkehrswacht, "stören" für einen Moment den Unterricht der Klasse 9a der Leibnizschule.

"Nicht wirklich", verrät Lehrerin Bärbel Pfeiffer. "Zum einen hat die Klasse die schriftliche Französisch-Leistungskontrolle beendet, zum anderen war der Besuch auch angemeldet."

Der Grund für die kurze "Auszeit": Schüler Nico Knackmuss, seit vier Jahren Schülerlotse, startete am Wochenende in Düsseldorf beim Bundesausscheid der Verkehrshelfer, wie es offiziell in Deutschland heißt, und belegte unter den 15 Startern (jedes Bundesland schickte seinen Landessieger) einen hervorragenden siebenten Platz.

"Diese Platzierung gewinnt noch an Bedeutung, wenn man weiß, dass die drei Erstplatzierten bereits 18 beziehungsweise 19 Jahre alt sind." Was Hans-Dieter Frinken, der Vater des Erfolgs, damit sagen wollte: Unter den 15-Jährigen war Nico in Düsseldorf klar die Nummer eins.

Bescheiden winkt der Schüler ab: "Natürlich freue ich mich über so viel öffentliches Interesse. Doch meinen Platz als Schülerlotse sehe ich vor allem auf der Kreuzung Geschwister-Scholl-Straße/Gipfelstraße, damit die Mädchen und Jungen sicher zur Schule kommen. Dass wir aber letztlich unsere Aufgaben hier so überzeugend bewältigen, liegt allein daran, dass wir sehr gründlich und bestens ausgebildet werden. Ohne Herrn Frinken stünde ich nicht auf der Kreuzung und wäre in Düsseldorf am Start. Zudem stehe ich nicht allein. Für die gute Breitenarbeit der Schülerlotsen an unserer Schule spricht auch die Tatsache, dass wir die Plätze eins bis drei beim Landeswettbewerb belegten."

Erich Thiede lobte das außergewöhnliche Engagement an der Leibnizschule, wo 28 Schülerlotsen tätig sind, und betonte, dass dieser siebente Platz von Nico Knackmuss noch Glanz gewinnt, wenn man weiß, dass bundesweit nicht weniger als 50 000 Schülerlotsen tätig sind.

Der Präsident der Landesverkehrswacht verwies schließlich noch darauf, dass es sich bei den Schülerlotsen in der Regel um ältere Schüler handelt, die für ihre jüngeren und unerfahrenen Mitschüler an gefährlichen Stellen den Schulweg sichern. "Ihr Einatz ist freiwillig, erfolgt ehrenamtlich, unentgeltlich und kann daher gar nicht hoch genug gewürdigt werden." Das vernahm auch Schulleiter Uwe Claus mit Wohlwollen: "Natürlich unterstützt das Kollegium die Arbeit der Lotsen. Denn so wissen wir all unsere Schüler auf dem Weg zur Schule auf der sicheren Seite. Es erfüllt mich aber auch darüber hinaus mit Stolz, dass die besten Schülerlotsen Sachsen-Anhalts aus der Leibnizschule kommen."