Ein brachliegender Vierseitenhof mitten im Ort – und eine Gruppe von Idealisten, die ein ganz besonderes Begegnungszentrum schaffen wollten. So startete vor mittlerweile zehn Jahren das Projekt "Webers Hof". Im Kaminzimmer, in der Scheune und auf dem Hof, wo das Unkraut im Jahr 2000 noch meterhoch stand und viele fleißige Hände Unmengen an Schutt beseitigen mussten, wurde am Sonnabend im großen Rahmen Geburtstag gefeiert.

Farsleben. Wenn Besucher fragen, wie "Webers Hof" vor zehn Jahren ausgesehen hat, dann können sie sich eine Bildergalerie im Hauptgebäude anschauen. Und schütteln meist ungläubig den Kopf.

Eine Gruppe von Farslebern, die sich im Jahr 2000 des brachliegenden Gebäudekomplexes annahm, hatte dagegen eine Vision. Und die ist durch viel Geld und unbezahlbaren ehrenamtlichen Einsatz in zehn Jahren nicht nur wahr geworden. Mittlerweile ist der Hof ein kultureller Anziehungspunkt weit über die Grenzen der Ortschaft und der Stadt hinaus.

Das würdigten am Sonn-abend auch gut 180 Gäste, die sich im zurückliegenden Jahrzehnt auf ganz verschiedene Weise um den Hof verdient gemacht hatten. Bürgermeister Dr. Hans-Jürgen Zander war voller lobender Worte über die Entwicklung des Objektes. "Wenn ich ländliches Kulturzentrum höre, dann denke ich an Strickomis oder ein Holunderkontor", so das Stadtoberhaupt. "Aber Webers Hof ist viel mehr. Hier werden Gäste aus ganz Sachsen-Anhalt und darüber hinaus angelockt. Eine solche Imagepflege kann die Stadt nach Jahren im Dämmerschlaf gebrauchen. Dafür seid Ihr zwar nicht die einzigen, aber ein sehr wichtiger Baustein." Zander wünschte nicht nur wenigstens weitere zehn Jahre, sondern "verneigte sich auch vor den Ehrenamtlichen, die das hier seit 2002 auch mit Leben erfüllen und erhalten."

Klaus Mewes, damals Bürgermeister von Farsleben und heute Vereinsvorsitzender, erinnerte an die Anfänge: "Wir hatten kein Geld, aber eine Idee!" Markus Schröder hatte damals den Vorsitz inne und wusste mit Landrat Thomas Webel, Kreisdenkmalpfleger Erhard Jahn, Hans-Joachim Kraus von der Agrargenossenschaft und Carlo Hinze von der Papenburg-Kiesgrube nicht nur Geldgeber, sondern auch Fürsprecher auf und an seiner Seite. In diesem Jahr, dem Jubiläumsjahr, wurden vorerst die letzten großen Baumaßnahmen getätigt.

"Zwar gibt es immer etwas zu tun, vor allem auch mit der Instandhaltung. Aber eigentlich sind wir – nach dem Decken des Scheunendaches, der Erneuerung der Fenster und dem Fliesen im Erdgeschoss – jetzt erstmal fertig", so Mewes weiter. Von den kontinuierlichen Fortschritten des Hofes haben sich in den zehn Jahren nicht nur fast 80 Vereinsmitglieder, sondern auch rund 21 000 Besucher überzeugen können, welche die gut 70 verschiedenen Konzerte besuchten.

Bilanz: 21 000 Besucher bei rund 70 Konzerten

Neben den Klassikern wie der Irischen Nacht oder dem Blues in der Scheune, wo bisher Musiker aus sechs verschiedenen Ländern auftraten, gab es noch Kabarett, Foto- oder Bilderausstellungen, Sportkurse und vieles mehr. Nicht nur für die Töpferfrauen, die Senioren oder die Jugendlichen des Ortes ist der Hof beliebter Anlaufpunkt. Sondern auch für Nachwuchsmusiker.

Die Mädchenband "Cosmopolitan Rock" probt einmal wöchentlich im Komplex und eröffnete am Sonnabend den musikalischen Teil der Jubiläums- und Dankeschönfeier. Nach einem üppigen Büfett hielt es einige schon bei den ersten Titeln kaum mehr auf dem Stuhl. Die Tanzfläche füllte sich weiter, als "Blues Souls" aus Magdeburg übernahmen.

Die Männer um Sänger Denny Priebe hatten, wie die Mädchenband, schon mehrere Auftritte auf "Webers Hof". Und jedes Mal ein begeistertes Publikum hinterlassen. So auch am Sonnabend. Kaum jemand, der nicht ehrfürchtig erstarrte, als der Sänger den Mund aufmachte und daraus die erste Töne entließ. Auch, wenn Priebe familiäre Bande leugnet – stimmlich ist er auf jeden Fall mit Joe Cocker und Co. verwandt und hat mit seinen Musikern das perfekte Quintett gebildet.

Last but not least eroberten "Charlies Crew" die Bühne und übernahmen das tanzfreudige und ausgelassene Publikum, um es nahtlos weiter bei Laune zu halten. Und das bis in die Nacht hinein. Denn so jung, wie der Hof ist, fühlen sich auch die Mitglieder seines Vereins. Die jetzt aber erstmal bis zum Adventsmarkt am 27. November eine kurze Veranstaltungspause einlegen, bevor sie beweisen, dass "ihr" Hof zu jeder Jahreszeit ein echtes Schmuckstück ist.

   

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