Großer Bahnhof für eine große Sache und ein eher kleines Jubiläum: Der Naturpark Fläming/Sachsen-Anhalt feiert sein fünfjähriges Bestehen. Gleichzeitig wurde in einem Festakt auch der Verein Fläming-Flandern gewürdigt, den es seit acht Jahren gibt.

Wittenberg/Zerbst. Keine Frage: Der Naturpark Fläming/Sachsen-Anhalt, zu dem auch Teile des Landkreises Anhalt-Bitterfeld gehören, ist ein landschaftlicher Diamant unseres Bundeslandes. Romantische Bachtäler, der Wechsel von Äckern, Wiesen und Wäldern geben ihm sein Gepräge. Hier können Einheimische und Besucher Natur pur genießen, einfach durchatmen. In den Kirchen, Museen, Burgen und Schlössern gehen Interessierte auf ganz unterschiedliche, aber immer spannende Zeitreisen.

Gemeinsame Geschichte seit rund 850 Jahren

Diesen Diamanten stärker zum Funkeln zu bringen, das hat sich der Naturpark Fläming e. V. bei seiner Gründung im Juli 2003 auf seine Fahne geschrieben. Er übernahm seinerzeit die Trägerschaft über den künftigen Naturpark "Fläming/Sachsen-Anhalt". Der wurde am 18. Dezember 2005 aus der Taufe gehoben. Ein guter Grund also, um in einem Festakt in der Leucorea in der Lutherstadt Wittenberg diesem Ereignis Rechnung zu zollen.

Und das taten dann auch viele Politiker Sachsen-Anhalts: Onko Aeikens, Minister für Landwirtschaft und Umwelt, Reiner Haseloff, Minister für Wirtschaft und Arbeit, und Innenminister Holger Hövelmann, der aus der Fläming-Region stammt. Uwe Schulze, Landrat des Landkreises Anhalt-Bitterfeld, und viele Abgeordnete waren ebenfalls zu Gast. Dr. Michael Arndt, Präsident des Verbandes Deutscher Naturparks e. V., ließ es sich nicht nehmen, am Geburtstag des jüngsten Kindes der Naturparks in Deutschland dabei zu sein.

In seiner Begrüßungsrede machte Jürgen Danneberg, Vorsitzender des Naturpark Fläming e. V., vor allem auf den demografischen Wandel und die sich daraus ergebenen Aufgaben aufmerksam. "Die Generation, die Eltern werden kann, schrumpft in unserer Region besonders stark", stellte er das Ergebnis einer aktuellen Bertelsmann-Studie, vor und er stellte die Frage: "Was ist zu tun?" Als eine Aufgabe sieht er den Erhalt der Natur auch für kommende Generationen. Er weiß, dass sich Menschen dort wohlfühlen, wo sie ein attraktives Umfeld haben, wo sie sich zu Hause fühlen. Aber er sagt auch, dass es um die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Region geht, wenn junge Leute einen weiteren Grund haben sollen, um in ihrer Heimat zu bleiben, nicht abzuwandern.

Auf den demografischen Wandel ging dann auch Wirtschaftsminister Reiner Haseloff in seinem Grußwort ein. "Wir leben in einem offenen System voller Dynamik", sagte er. "Es gibt Ausgleichsprozesse innerhalb Europas. Wir erleben momentan eine Anpassung der Bevölkerung an das Arbeitsvolumen. Wir alle müssen daran arbeiten, dass das erhöht wird." Einen Zuzug von Menschen habe es immer dort gegeben, wo sie eine private Zukunft sahen. Er erinnerte an die Flamen, die vor 850 Jahren in die Region kamen, weil sie hier für sich und ihre Familien eine Perspektive sahen.

Mit dem kurzen Exkurs in die Geschichte der Flamen, die dem heutigen Fläming bekanntlich den Namen gaben, schlug er eine Brücke zum Verein Fläming-Flandern, den es seit acht Jahren gibt und der deshalb gemeinsam mit dem Naturpark Fläming/Sachsen-Anhalt zum Festakt eingeladen hatte.

Der Vorsitzende des Vereins, Ulrich Höhne, erinnerte an die Geschichte der Flamen in der Region, die im 12. Jahrhundert im Zuge der Ostexpansion von Albrecht dem Bären gemeinsam mit Holländern, Friesen und Westfalen in diesen Landstrich kamen, das sumpfige Gebiet urbar machten und ihre Kultur mitbrachten. Gerade durch die Arbeit des Vereins sind die Kontakte nach Flandern gut. "Wir waren dort auf Werbetour für den Fläming/Sachsen-Anhalt, organisieren Kulturveranstaltungen, haben Praktikanten zu Gast", nennt Höhne nur einige Aktivitäten des sehr regen Vereins.

Mitreißende Rede der Fläming-Königin

Auch weitere Redner, wie beispielsweise Anne-Marie De Jonghe, Repräsentantin in Deutschland von "Vlamingen in de wered" (Flamen in der Welt), machten auf gemeinsame Geschichte und Wurzeln aufmerksam, lobten das bisher Erreichte und freuen sich auf eine gemeinsame Zukunft.

Den emotionalsten Teil des Festveranstaltung trug die amtierende Fläming-Königin Ines Gärtner bei.

Mit dem, was sie sagte, sprach sie wohl allen Anwesenden aus dem Herzen. "Fläming ist für mich meine Heimat, ich bin hier aufgewachsen, meine Kinder wachsen hier auf. Wir haben eine reiche Geschichte und eine wunderbare Natur. Fläming ist nicht die Asche, die langsam abkühlt, sondern das Feuer, das immer brennt."

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