Die Freiwillige Feuerwehr des Zerbster Ortsteils Grimme erweckt zu neuem Leben. Die Wehr hatte sehr gereizt und medienwirksam reagiert, als die Stadt vor Wochen am Gerätehaus die Schlösser wechselte. Nunmehr herrscht einvernehmen: 17 Grimmer Einwohner haben sich zur Wehr und den damit verbundenen Aufgaben bekannt.

Zerbst/Grimme. "Wir haben uns zusammengesetzt und über die Probleme gesprochen. Ohne nachzukarten. Die alten Vorwürfe haben wir links liegen gelassen. Es soll aufwärts gehen." Ordnungsdezernent Andreas Fischer ist vorsichtig optimistisch, was die Ortswehr Grimme angeht. Vorigen Sonnabend, schildert er diese Woche, habe eine Versammlung im Grimmer Bürgerhaus stattgefunden. 17 Kameradinnen und Kameraden seien gekommen, hätten sich klar zur Wehr und ihren Aufgaben bekannt. Und Fischer hatte in großer Runde die Möglichkeit, über Zwänge und Notwendigkeiten zu reden.

Das erste Problem ist die im Prinzip tatsächlich gerade nicht vorhandene Wehrleitung. Der großartige Einsatz des in drei Schichten bei München tätigen Detlef Kracht in allen Ehren, doch er ist weder berufener Wehrleiter noch könnte er die Aufgabe aus der Ferne komplett ausfüllen", so Fischer. Detlef Kracht nickt dazu. Also wurde vereinbart, die Bereitschaft von Matthias Freitag zu nutzen. Er ist ausgebildeter Gruppenführer und hat zugestimmt, binnen zwei Jahren den "Feuerwehr-Leiter-Lehrgang" zu absolvieren. Folglich kann er unmittelbar als kommissarischer Ortswehrleiter eingesetzt werden, neben ihm Detlef Kracht als Stellvertreter. Schlägt die Wehr Freitag regulär vor, könnte er vielleicht zum Jahresbeginn 2011 vom Zerbster Bürgermeister zum Ortswehrleiter berufen werden.

Es gibt ein weiteres erfreuliches Signal. Es kommt von Marcus Körprich, der sich bereit erklärte, sämtliche drei nötigen Ausbildungen (Truppführer, Gruppenführer, Leiter einer Feuerwehr) schnellstens zu absolvieren, um dann die Wehrleitung entsprechend ausgebildet zu verstärken.

Neben dem Führungsproblem hatte die Wehr auch ein Ausbildungsproblem unter den Kameraden. War in früheren Jahren beispielsweise ein Bedien-Lehrgang für die in der Wehr eingesetzte TS-8 ausreichend, braucht ein heutiger aktiver Feuerwehrmann die Qualifikation zum "Maschinisten". Die hat in Grimme niemand. Dezernent Fischer und Stadtwehrleiter Jürgen Dornblut zerschlagen diesen gordischen Knoten durch eine "Nutzungsvereinbarung für das Feuerwehrfahrzeug zu Ausbildungszwecken". Parallel soll schnellstens ein Maschinistenlehrgang vorbereitet werden. Sechs Grimmer Kameraden haben zugesagt, den Lehrgang zu absolvieren. Sie wären anschließend berechtigt, das Einsatzfahrzeug zu bewegen und zu bedienen.

Das Auto bleibt im Übrigen genau dort, wo es ist. Gerade hierzu hatte es wilde Spekulationen gegeben. Fischer: "Wir haben, wenn das alles so aufgeht, eine einsatzfähige Wehr. Es gibt also im Moment keinen Grund, das Fahrzeug umzusetzen." Allerdings gelte diese Aussage nicht für immer. Wie jedes andere Fahrzeug jeder anderen Wehr auch werde nach Vorliegen der Risikoanalyse zu prüfen sein, ob alle Technik optimal verteilt und eingesetzt wird. "Das ist auch solch ein Punkt. Wir brauchen zur Erstellung der Risikoanalyse auch die Zuarbeit aus Grimme." Kamerad Kracht hat die Unterlagen in dieser Woche erneut erhalten. Zudem bekam er vier Schlüssel für das Gerätehaus, und er bekam einen Ausbildungsplan für die Brand- und Katastrophenschutzschule Heyrothsberge. Zu guter Letzt: Auch eine neue Tankkarte für das Feuerwehrfahrzeug wurde übergeben. "Wir schauen jetzt alle nach vorn. Keiner sollte nachtragend sein", meinte auch Detlef Kracht.