Blankenburg l „In der Stadt gibt es viel Resignation. Wir fühlen uns mittlerweile veralbert“, sagt Dieter Baumbach und bringt die Sache kurz und bündig auf den Punkt. Baumbach ist Sprecher der Ende 2015 gegründeten Bürgerinitiative „Ortsumfahrung Blankenburg“, welcher derzeit rund 20 Mitglieder angehören. „Bemühungen für eine Ortsumfahrung gibt es aber schon seit Anfang 2000. Und die Überlegungen hierzu gehen noch weiter zurück“, ergänzt Peter Wegener. Der rüstige Rentner ist ältester Mitstreiter dieser Initiative und war anfangs ihr Sprecher.

Da bisher sämtliche Bemühungen ins Leere liefen, findet eine große Veranstaltung im Blankenburger Rathaus statt. Termin hierfür ist Mittwoch, 7. November, um 18 Uhr. „Bei dieser Beratung zur Einreichnung eines Schreibens an den Petitionsausschuss des Bundestages werden auch Stadträte sowie Mitglieder des Kreis- und Landtages von Sachsen-Anhalt eingeladen. Sie sollen die Unterschriftenaktion unterstützen. Denn die Ortsumfahrung ist dringend nötig“, betont Baumbach.

Peter Wegener fügt hinzu: „Ein weiteres Thema an diesem Tag, das jedoch nicht in der Petition enthalten ist, ist eine Tempo-30er-Zone. Diese geht in Blankenburg derzeit von der Mauer- bis zur Thiestraße und soll bis zur Friedensstraße verlängert werden. Grund ist der Verkehrslärm.“

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Mehr als 65 Dezibel gemessen

Die Mitstreiter der Bürgerinitiative berufen sich zum Beispiel auf ein Gutachten des Schönebecker Ingenieurbüros für Arbeitsplatz- und Umweltanalyse „öko-control GmbH“ aus dem Jahr 2012. „Verkehr ist wegen Abgasen, Lärm und Erschütterungen, vor allem durch Lkw, gesundheitsschädigend. Aber solche Gutachten haben leider keinen gesetzlichen Charakter“, klagt Dieter Baumbach. Außerdem weist er darauf hin, dass bereits Lärm von 60 Dezibel die Gesundheit schädigt. Laut Schönebecker Gutachten wurden in Blankenburg 65 bis 70 Dezibel gemessen.

Ein weiterer Knackpunkt, welcher der Initiative schwer im Magen liegt, ist der Bundesverkehrswegeplan. Sprecher Baumbach: „Der Bundesverkehrswegeplan 2003 geht von einem vordringlichen Bedarf für die Ortsumfahrung in Blankenburg aus. Alles war fertig, doch dann fehlten in Berlin Unterschrift und Stempel. Somit wurde die Sache unter den Tisch gekehrt."

Pkw-Zahlen als Knackpunkt

Der Plan 2030 geht hingegen nicht mehr von einem vordriglichen Bedarf für Blankenburg aus. Den Grund für diesen Wandel vermutet die Bürgerinitiative bei den Pkw-Zahlen. „Das Verkehrsministerium geht von 5000 Autos aus, die werktags durch unsere Stadt fahren. Laut einer Erhebung der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt von 2017 sind es jedoch 15.000, also dreimal so viel“, betonen Baumbach und Wegener.

Auch eine Unterschriftenaktion vor zwei Jahren, an der sich rund 2500 Einwohner Blankenburgs samt weiterer Ortsteile beteiligten, brachte keinen Erfolg. Diese Liste für den schnelleren Fortgang der Planungen und den Bau einer Umfahrung auf der B 27 sowie B 81 um Blankenburg ging an das Bundesverkehrsministerium. Trotz der Ernüchterung, das Duo der Bürgerinitiative ist sich einig: „Die Petition ist ein neuer Funken Hoffnung.“