Bibliotheken

Brandenburgs Bibliotheken wollen wieder mehr Leser locken

Monatelange Schließungen in der Corona-Pandemie haben Brandenburgs Bibliotheken zugesetzt. Zwar ist die „Onleihe“ von elektronischen Medien wichtiger geworden, Nutzerzahlen und Entleihungen waren aber rückläufig. Nun wollen die Einrichtungen die Menschen wieder in die Lesesäle locken.

Von Christian Bark, dpa 25.09.2021, 08:17 • Aktualisiert: 27.09.2021, 14:09
Bibliotheksleiterin Georgia Arndt sortiert im Grünen Salon der Wittstocker Stadtbibliothek die Bücher.
Bibliotheksleiterin Georgia Arndt sortiert im Grünen Salon der Wittstocker Stadtbibliothek die Bücher. Christian Bark/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Potsdam - Die pandemiebedingten Schließungen der Bibliotheken in Brandenburg haben die Einrichtungen zahlreiche Nutzer gekostet. Laut Deutscher Bibliotheksstatistik hatten die Bibliotheken im vergangenen Jahr 121.000 Stunden geöffnet, 35.000 weniger als noch 2019. Die Zahl aktiver Nutzer ist von 176.000 in 2019 auf 149.000 in 2020 gesunken. Zudem gab es 2020 mit 6,05 Millionen Entleihungen fast 1,7 Millionen weniger gegeben als noch im Jahr davor. „Auch jetzt merken wir noch die Zurückhaltung der Kunden, auch wenn sie seit Frühjahr wieder in den Regalen stöbern dürfen“, sagt Cornelia Stabrodt, Vorsitzende des Landesverbands Brandenburg im Deutschen Bibliotheksverband. Ihm gehören aktuell 144 Einrichtungen im Land an.

Gleichwohl seien die Häuser in der Krise sehr kreativ und sicher nicht untätig gewesen. Vom mobilen Bücherbringdienst bis hin zur Abholung am offenen Fenster - die Bibliotheken hätten die Kunden nicht im Stich gelassen. So auch die Stadtbibliothek in Wittstock (Ostprignitz-Ruppin). Hier hatten Kunden beispielsweise Bücherbeutel mit einer Überraschungsauswahl erhalten. „Unsere „Onleihe“ ist auf jeden Fall verstärkt genutzt worden“, berichtet Bibliotheksleiterin Georgia Arndt. In der Spitze seien im März 2021 über 460 E-Books entliehen worden, sonst seien es monatlich nur immer bis zu 230 gewesen. In der „Onleihe“ werden elektronische Medien über das Internet angeboten.

Ein Plus von 35 Prozent bei der „Onleihe“ konnte auch die Potsdamer Stadt- und Landesbibliothek mit einer Hauptbibliothek sowie zwei Stadtteilbibliotheken verzeichnen. 108.600 „Onleihen“ 2020 stehen 78.700 in 2019 gegenüber, wie Stadtsprecherin Christine Homann informiert. „DVDs und CDs werden noch ausgeliehen, doch die Entleihungen waren schon vor Corona rückläufig - die Konkurrenz stellen hier Streaming-Angebote dar“, sagt die Sprecherin.

Ähnliches berichtet Cottbus Stadtsprecher Jan Gloßmann von der Stadt- und Regionalbibliothek im Lernzentrum Cottbus. „Das Interesse an Hörbüchern ist in den letzten Jahren gleichbleibend hoch. In der Pandemie stieg vor allem die Nachfrage nach Hörbüchern für Kinder. Besonders begehrt sind die „Tonie“-Hörfiguren“, so der Sprecher. Im Vergleich zu 2019 zählte die Einrichtung im vergangenen Jahr 550 Nutzer, 600 Anmeldungen und 26.000 Besucher weniger vor Ort. Allerdings habe es nur 1200 Entleihungen weniger gegeben, weil Kunden die Angebote intensiver genutzt hätten.

Weit weniger Besucher zählte auch die Universitätsbibliothek der Viadrina in Frankfurt(Oder). „Es ist davon auszugehen, dass wesentlich mehr Benutzer die Bibliothek online nutzen“, sagt der stellvertretende Bibliotheksdirektor, Henning Klauß. Das werde sich nicht einfach so wieder vollständig korrigieren lassen. Wer in der Einrichtung nicht an seinem Platz sitzt, muss derzeit noch eine Maske tragen. Immerhin gelten ab 4. Oktober wieder die alten Öffnungszeiten.

Nach Ansicht von Klauß müssten nun Maßnahmen geplant und realisiert werden, um die Attraktivität der Universitätsbibliothek zu steigern. Und nicht nur dieser. Der Bibliotheksverband bereitet gerade eine Imagekampagne für diesen Zweck vor. „Diese soll auf jeden Fall nachhaltig wirken“, kündigt Stabrodt an. Wichtig sei, dass die Bibliotheken nach Arbeitsplatz und Zuhause wieder ein „Dritter Ort“ werden.

„Bibliotheken sind nun mal ein wichtiger Baustein im Kulturleben einer Stadt“, sagt auch Georgia Arndt. Deshalb sei es notwendig, bald wieder Kulturveranstaltungen wie Lesungen und Workshops zu ermöglichen. Wichtige Aufgaben seien zudem die Leseförderung und der soziale Austausch, gern auch über Gelesenes direkt am Bücherregal. Und selbst wenn die „Onleihe“ an Bedeutung gewonnen habe, ersetzten „E-Books und Co.“ bei den meisten Nutzern das klassische Buch doch nicht vollständig.