Niederndodeleben l Oft hat Bundesfreiwilligendienstler Steffen Heinrich den kleinen „Börde- rübchen“ in Niederndodeleben in den vergangenen Monaten von Teddy Namenlos erzählt. Und es war keinesfalls eine erfundene Geschichte.

Für Steffen Heinrich nahm sie ihren Anfang, als er in der Zeitung eine Suchanzeige des Polizeireviers Magdeburg las. Die Polizisten suchten die „Eltern“ eines 56 Zentimeter großen „hilflosen“ Teddys, den sie am 2. April dieses Jahres auf dem Magdeburger Ring aus einer misslichen Lage befreit hatten. Wie er auf die Fahrbahn gelangt war, ist bis heute unbekannt. Das bestätigte auch Heidi Winter, im Polizeirevier Magdeburg für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich.

Bürokratische Wege bis zur "Adoption"

Steffen Heinrich aber fragte sich von Anfang an, was passiert, wenn den hellbraunen Teddy mit dem Herz in der Hand niemand vermisst, sich die „Eltern“ nicht finden. Sofort begann er Nägel mit Köpfen zu machen und eine mögliche Adoption vorzubereiten. In der Kindereinrichtung, in der er derzeit seinen Bundesfreiwilligendienst absolviert, gibt es 138 Sprösslinge, die sicherlich Teddy Namenlos gute Freunde sein könnten. Auch Kita-Leiterin Ines Ziemer und der Kollegenkreis waren sofort von der Idee begeistert. Viele Ideen wurden geboren, wie der Teddy in die pädagogische Arbeit in der Einrichtung einbezogen werden könnte. So könnte beispielsweise bei der Verkehrserziehung geklärt werden, wie ein Teddy auf die Straße kommt, oder das Beistehen und Liebe geben in Notsituationen aufgegriffen werden. Unter dem Stichwort „Identität“ könnte „ein oder kein Zuhause haben“ zum Thema werden.

Trotz aller Ideen mussten aber bürokratische Wege eingehalten werden. So sollten bis zur Adoption noch einige Monate ins Land gehen. „Ich hatte Angst, dass sich auch andere melden, die den Teddy aufnehmen wollen“, so Steffen Heinrich, der schließlich endlich den erlösenden Anruf bekam, dass der Teddy jetzt bereit sei für einen Umzug nach Niederndodeleben.

Kinder begrüßten Teddy herzlich

Dort war am 16. Juli alles vorbereitet und die Kinder bereits ganz aufgeregt, als das erste Polizeiauto vorfuhr – ohne Teddy an Bord. Der Teddy traf erst einige Minuten später ein, gemeinsam mit seiner „Kollegin auf Zeit“ Heidi Winter. Bei ihr saß er nämlich drei Monate lang, mit Polizeimütze und Schlips bekleidet, im Büro im Polizeirevier.

Sie war sich sicher, dass der Teddy, der zur Begrüßung gleich ein T-Shirt der „Börderübchen“ erhielt, sich bei seinen neuen Freunden sehr wohl fühlt. Die Begrüßung war herzlich: Für Teddy stand ein Stuhl bereit, es gab Kuchen und auch Bilder und es wurde ein Lied gesungen.

Name wird nun ausgesucht

Schon vor der Ankunft des Bären hatte das Pädagogenteam gemeinsam mit den Kindern beschlossen, dass der Teddy jetzt durch jede Gruppe wandern darf, um dort seine neuen Freunde kennenzulernen. Zudem wird er sicher auch einmal die zweite AWO-Kindereinrichtung in Niederndodeleben besuchen und bei den „Schrotewichteln“ vorbeischauen.

Da er bisher nur „Teddy“ genannt wurde , werden es sich jetzt die „Börderübchen“ zur Aufgabe machen, einen Namen zu finden. „Das Kinderparlament wird dann darüber entscheiden“, so Ines Ziemer.

Foto-Botschaft ist erwünscht

Wenn sie den neuen Namen dann erfahren würde, wäre auch Heidi Winter begeistert. Sie wird nach eigener Aussage jetzt vermutlich etwas einsam in ihrem Büro sein und sich deshalb auch ab und an über eine Foto-Botschaft vom Teddy aus Niederndodeleben freuen, sagte sie gestern.

Für Steffen Heinrich ist es unterdessen die größte Freude, dass seine persönliche Teddy-Geschichte ein Happyend gefunden hat.