Huy l Ausnahmezustand auf der Huysburg: Die beschauliche Klosteranlage nördlich von Halberstadt (Landkreis Harz) ist am Sonntag das Ziel Tausender Menschen geworden. Bei der Bistumswallfahrt, zu der Bischof Gerhard Feige in jedem Jahr einlädt, stand ganz aktuell unter dem Motto „Aus Völkern und Nationen“ der Umgang mit Flüchtlingen im Mittelpunkt.

„Wir wollen damit nicht nur auf die Flüchtlingssituation aufmerksam machen, die uns zurzeit begegnet, sondern diese Menschen bei uns ausdrücklich willkommen heißen“, sagte Gerhard Feige und mahnte, die gegenwärtige Herausforderung nicht kleinzureden. Er verglich die heutige Situation mit der in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und nach 1990. Er begrüßte die Entscheidung der Bundesregierung zur schnellen Hilfe und betonte, dass er außerordentlich stolz auf Deutschland sei. Ein Armutszeugnis stellt er allerdings der Europäischen Union aus. „Der Streit um die Flüchtlinge und die Diskussion um Quoten sind unwürdig.“

Tausende Menschen feierten auf der Wallfahrtswiese der Huysburg die Eucharistiefeier, gemeinsam mit vielen Würdenträgern aus dem Ausland und befreundeter deutscher Bistümer. In seiner Predigt fordert Bischof Feige dazu auf, Hass und Feindschaft gegenüber Fremden entschieden entgegenzutreten. Für Christen sollte es selbstverständlich sein, Flüchtlingen, unabhängig von deren Religion und Weltanschauung, zu helfen. „Wer verlässt seine Heimat schon aus Jux und Tollerei und setzt sich freiwillig den Gefahren von Flucht und Migration aus, koste es, was es wolle, selbst den Tod?“, fragte Feige. Dabei seien nicht nur Terror und Krieg berechtigte Gründe, sondern auch menschenverachtende Systeme und katastrophale Lebensumstände, so der Bischof. In seiner Einladung zur Wallfahrt hatte Feige ausdrücklich dazu aufgefordert, ausländische Menschen aus der Nachbarschaft mit auf die Huysburg einzuladen und gemeinsam diese Wallfahrt zu begehen. Das haben offensichtlich viele Christen gehört, denn etliche Menschen anderer Hautfarbe sind in den Huy gekommen, mischen sich unter die deutschen Wallfahrer und feiern gemeinsam. Zwischen den vielen Angeboten zur Wallfahrt bleibt genügend Zeit für Begegnungen.

Eine Gruppe von 15 jungen Männern mit anderer Hautfarbe beobachtete neugierig das emsige Treiben auf der Huysburg. Sie waren gemeinsam aus Magdeburg gekommen und stehen unter der Obhut der Caritas Tochtergesellschaft ‚ctm‘.

„Wir betreuen in unserer Einrichtung minderjährige Flüchtlinge, die allein nach Deutschland gekommen sind“, sagt Erzieherin Susanne Held und erzählt, dass die (fast ausschließlich) jungen Männer genauso ein Asylverfahren durchlaufen wie alle Erwachsenen. Allerdings bekommen sie bis zur Volljährigkeit einen Vormund an die Seite gestellt.