Berlin (dpa) l Der rechtsnationale Flügel bringt sich vor der anstehenden Wahl des neuen AfD-Bundesvorstandes in Stellung. Einer ihrer führenden Vertreter, der AfD-Fraktionsvorsitzende im Landtag von Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, sagte der Deutschen Presse-Agentur, er würde es nach dem "Kompetenzgerangel" der vergangenen Jahre gerne sehen, wenn Jörg Meuthen die Partei auch in Zukunft alleine führen würde. "Ich finde, unsere Partei sollte künftig möglichst einen Vorsitzenden haben", sagte Poggenburg der Deutschen Presse-Agentur. "Aus meiner Sicht wäre Jörg Meuthen der richtige Mann für diesen Job", weil er verschiedene Strömungen hinter sich vereine. Sollten sich die Delegierten aber für mehr als einen Vorsitzenden aussprechen, wäre eine Dreierspitze besser als ein Duo.

Die AfD will auf einem Delegiertenparteitag in Hannover am nächsten Wochenende eine neue Parteispitze wählen. Seit dem Austritt der früheren Co-Vorsitzenden Frauke Petry vor zwei Monaten ist Meuthen alleiniger Bundesvorsitzender.

Neben dem Thüringer AfD-Chef Björn Höcke sei auch der Vorsitzende der AfD-Landtagsfraktion in Brandenburg, Andreas Kalbitz, ein "geeigneter Kandidat", den er sich gut im Vorstand vorstellen könne, sagte Poggenburg. Er fügte hinzu: "Viele stellen sich natürlich auch die Frage: Ist die Partei bereit, einen Björn Höcke im Bundesvorstand zu haben?"

Er selbst sei noch nicht ganz sicher, ob er erneut für den Vorstand kandidieren werde, sagte Poggenburg, der dem Gremium aktuell als Beisitzer angehört. Sollte er sich für eine Kandidatur entscheiden, werde er sich um den Posten eines stellvertretenden Vorsitzenden bewerben.

Höcke, Poggenburg und Kalbitz gehören alle drei zu den Unterzeichnern der sogenannten Erfurter Resolution von 2015, die in der AfD eine "Widerstandsbewegung gegen die weitere Aushöhlung der Souveränität und der Identität Deutschlands" sieht. Poggenburg stellte fest: "Die Provokation hat uns geholfen, aber bald sind wir bundesweit in allen Parlamenten vertreten." Da stelle sich die Frage, wie viel Bewegung und wie viel Partei die AfD künftig sein wolle. Er sagte: "Bisher hieß es oft, wir gehen bewusst bis an die Grenze, dann kommt der Aufschrei. Doch kann und will man ewig Protestpartei sein?"

Er erwarte vom neuen Bundesvorstand 2018 einen Anstoß für ein schlüssiges Konzept zur Rente. Auch bei Klimapolitik und Umweltschutz habe die Partei noch Lücken.