Magdeburg l Die Meldungen von Impfverstößen in Sachsen-Anhalt reißen nicht ab: Nach vorgezogenen Impfungen in Halle, Stendal, Wittenberg und dem Saalekreis räumte am Donnerstag nun auch das Altmarkklinikum in Gardelegen und Salzwedel Impfungen abseits der vorgeschriebenen Reihenfolge (Über-80-Jährige und Medizinpersonal zuerst) ein.

Im Klinikum wurden demnach 490 Mitarbeiter bereits gegen Corona geimpft, darunter knapp 7 Prozent Verwaltungsmitarbeiter (das entspricht mehr als 30 Personen). Auch Geschäftsführer Hans-Joachim Fietz-Mahlow gehört zu den Geimpften. Pikant: Das Almarkklinikum wird von der Salus Altmark Holding betrieben. Die befindet sich zu gut 80 Prozent in Landeshand. Mit Blick auf Impfverstöße unter anderem in Halle hatte Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) erst am Donnerstag das Landesverwaltungsamt um Prüfung von disziplinar- und kommunalrechtlichen Konsequenzen gebeten.

Das Klinikum begründet das Vorgehen damit, dass vermieden werden sollte, dass Restimpfstoff verfällt. Dabei habe man sich bemüht, zunächst Impfberechtigte der obersten Priorität zu berücksichtigen, teilte das Haus mit. Das aber gelinge nicht immer. Zudem seien auch Verwaltungsmitarbeiter und Geschäftsführung etwa beim Begehen von Stationen einem hohen „Expositionsrisiko“ ausgesetzt. Die Geschäftsführung nehme zudem eine besondere Führungverantwortung wahr.

"Inzwischen hat uns die öffentliche Diskussion um die nicht regelkonforme Verwendung von Corona-Impfstoff sensibilisiert. Selbstkritisch räumen wir ein, dass der pragmatische Umgang mit übrig gebliebenen Vakzinen das Vertrauen in die Impfstrategie gefährden kann", räumte das Klinikum ein.

Zuletzt hatte der MDR berichtet, dass auch im Johanniter-Krankenhaus Stendal bereits Mitarbeiter der Verwaltung vorzeitig geimpft wurden. Die Klinik dementierte das nicht, verwies auf Volksstimme-Anfrage aber auf den Datenschutz.

Am Freitag will sich der Sozialausschuss im Landtag in einer Sondersitzung mit vorgezogenen Impfungen für den halleschen Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) und zehn seiner Stadträte befassen. Auch eine vorgezogene Impfaktion für 330 Polizisten im Landkreis Stendal sowie Impfungen für die Landräte von Wittenberg und dem Saalekreis sollen thematisiert werden.