Burg/Weißenfels (dpa) l Das Jerichower Land ist Sachsen-Anhalts erstes Corona-Risikogebiet. Die landesgrößten Städte Magdeburg und Halle hatten in den vergangenen Tagen einen deutlichen Anstieg verzeichnet. Der Burgenlandkreis im Süden des Landes hatte am Mittwoch mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 47 die Risiko-Marke von 50 nur knapp verpasst. Spätestens, wenn ein Landkreis diesen Wert erreicht, muss die Verwaltung die Corona-Regeln verschärfen.

Der Landrat vom Burgenlandkreis, Götz Ulrich, wollte nicht warten, bis sein Landkreis als Risikogebiet gilt, und verschärfte die Beschränkungen bereits am vergangenen Freitag und am Mittwoch erneut. "Wir versuchen schon seit einigen Tagen, mit gezielten Maßnahmen gegenzusteuern", sagte der CDU-Politiker, der selbst wochenlang wegen einer Corona-Infektion unter Quarantäne gestanden hatte, der Deutschen Presse-Agentur. Das Infektionsgeschehen müsse diese Maßnahmen aber auch decken, sonst würden sie die Leute nicht akzeptieren. "Die Menschen sind seit Frühling sensibler geworden, was das angeht".

Im Burgenlandkreis etwa würden rund 30 Prozent der Infektionen auf private Feiern zurückgehen. Die Regeln für private Feiern wurden daher weiter verschärft, nun dürfen im Burgenlandkreis drinnen nur noch 15 Menschen feiern, draußen 25. Außerdem weitete Ulrich die Maskenpflicht aus, sie gilt nun auch in Außenbereichen von Geschäften, auf Marktplätzen und bei Sportveranstaltungen.

Außerdem rief Ulrich den Fleischkonzern Tönnies auf, die Ermittlungen zu Infektionen der Firma im Umfeld ihres Standortes in Weißenfels zu unterstützen. Tönnies teste zwar viel, bei positiven Ergebnissen seien die Infektionen aber oft nicht nachvollziehbar.

Das Jerichower Land will handeln

Ulrichs Kollege aus dem Jerichower Land, Steffen Burchhardt (SPD), hatte am Mittwoch ebenfalls die Corona-Regeln verschärft, nachdem sein Landkreis die 50er-Marke mit gut 68,68 Infektionen pro 100.000 Einwohner und Woche überschritten hatte. "Die Bevölkerung muss wissen, dass das Risiko sich anzustecken aktuell im Landkreis so hoch ist wie noch nie", warnte Burchhardt.

Auch er konzentrierte sich bei der Verschärfung der Corona-Regeln zunächst auf die Vorschriften für Feiern. So sind im Jerichower Land ab sofort private Feiern auf 20 Teilnehmer begrenzt, unabhängig von Ort und Anlass. Zu fachkundig organisierten Feiern dürfen in geschlossenen Räumen 100 Menschen und draußen 150 Menschen kommen.

Ein Schwerpunkt der Pandemie in Sachsen-Anhalt ist von Beginn an Halle. Auch die Saalestadt verschärfte die Regeln, nachdem sie nach eigenen Zahlen auf eine Sieben-Tages-Inzidenz von 38,25 gekommen war. So müssen die Menschen in Halle ab sofort grundsätzlich in der Innenstadt einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Magdeburg hatte bislang geringere Infektionswerte gehabt, lag am Mittwoch in der Statistik des Gesundheitsministeriums aber mit 31 Neuinfektionen vor allen anderen Kreisen. Da die Sieben-Tage-Inzidenz immer die Infektionen pro 100.000 Einwohner beschreibt, fallen hohe Infektionszahlen hier zwar nicht so schnell ins Gewicht wie in dünner besiedelten Kreisen wie dem Jerichower Land. Sollte sich das Virus in Magdeburg jedoch weiter auf diesem Niveau ausbreiten, wäre auch die Landeshauptstadt noch in dieser Woche ein Risiko-Gebiet. Am Donnerstag wollte die Stadt in einer Pressekonferenz (14.00 Uhr) über die Lage informieren.