Magdeburg/Halle (dpa) l Die meisten schweren Verbrechen klärt die Polizei rasch auf – einige Fälle beschäftigen sie aber über lange Zeiträume. Aufwendige Ermittlungen bringen oft Erfolge, manchmal führen sie dennoch nicht zum Täter. Ein paar Fälle aus dem Aktenschrank der Ermittler, die die Öffentlichkeit besonders beschäftigt haben: 

KRAWALLE NACH AUFSTIEGSFEIER: Auf dem Hasselbachplatz zünden Randalierer am 21. April 2018 Böller, zerstören Überwachungskameras, entfachen Feuer auf der Straße und greifen Feuerwehr und Polizei an. Dabei werden 30 Menschen verletzt. Die Polizei bildet die Ermittlungsgruppe "Aufstieg", angelehnt an den Anlass – den Aufstieg des 1.FC Magdeburg in die Zweite Bundesliga. Bislang gibt es 143 Ermittlungsverfahren, wie die Polizei mitteilte. 46 Verdächtige konnten identifiziert werden. Zu 25 Menschen gab die Polizei Fahndungen heraus. Und sie geht davon aus, dass das Amtsgericht weitere Beschlüsse erlässt.

DER TOTE AUS DER KISTE: Vor fast zweieinhalb Jahren, am 5. Juli 2016, findet ein Paddler in der Elbe bei Vockerode eine Metallkiste mit einer Leiche darin. Die Polizei geht von einem Verbrechen aus. Mit viel Aufwand wird das Gesicht des Mannes rekonstruiert. Eine spezielle Analyse ergibt, dass er wahrscheinlich aus Südosteuropa stammt, aber viele Jahre in Deutschland lebte. Bis heute ist trotz aufwendiger Suche nicht geklärt, wer der athletische Mann von rund 1,80 Meter Größe ist. Polizei und Staatsanwaltschaft in Dessau-Roßlau schweigen zu den Ermittlungen. Die Belohnung von 2500 Euro für den entscheidenden Hinweis, der zum Täter führt, steht noch.

DAS TOTE BABY VON WEIßENFELS: Ende April 2017 wird in Weißenfels ein Baby gefunden, das gewaltsam getötet wurde. Die Polizei sucht unter anderem mit Hilfe von Gentests die Mutter. Seit Mai läuft der zweite Testdurchgang, an der mehr als 2000 Frauen teilnehmen müssen. Anfangs waren es nur 200 Frauen. Nun ist die Zahl nicht nur größer, sondern auch der Aufwand – es gebe mehr Verweigerinnen und mehr polizeiliche Nachprüfungen, wie Jürgen Neufang von der Staatsanwaltschaft Weißenfels sagte. Die zweite Testreihe wird laut Neufang wohl frühestens im Frühjahr 2019 abgeschlossen.

HINRICHTUNG?: Weihnachten 2015 wird in einem Gebüsch am Freibad Stillinge in Dessau-Roßlau die Leiche eines 29-jährigen Mannes gefunden. Die Polizei spricht bei dem brutalen Verbrechen von einer Hinrichtung. Vor seinem Tod soll der Mann eine größere Menge Bargeld dabei gehabt haben. 10 000 Euro Belohnung sind ausgesetzt für Hinweise, die zum Täter führen. Polizei und Staatsanwaltschaft wollten sich zuletzt nicht zum Stand der Ermittlungen äußern.

GETÖTETE BULGARISCHE STUDENTIN: Am 7. Februar 2014 wird in Halle die Leiche einer 29 Jahre alten Studentin aus Bulgarien gefunden. Die Polizei geht von einem Sexualverbrechen aus. Obwohl viele Hinweise eingingen und die Polizei aufwendig ermittelte, wurde bis heute kein Täter gefunden. "Es ist natürlich höchst unbefriedigend für die Polizei und für uns", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Halle, Klaus Wiechmann. Wenn Zeit sei, setze sich ein Kollege an die Akten, um den Fall mit einem neuen Blickwinkel zu betrachten. "Das lässt einen nicht in Ruhe", sagte Wiechmann. Bei lange ungeklärten Mordfällen fehle häufig die Beziehung zwischen Täter und Opfer. Es sei eben nicht der verschmähte Liebhaber. Auch im Fall der bulgarischen Studentin geht die Kripo davon aus, dass der Täter kurz entschlossen handelte.

BRANDANSCHLAG AUF POLIZEIAUTOS: Noch immer ist ungeklärt, wer in einer Nacht Anfang September 2016 am Magdeburger Hauptbahnhof 18 Autos anzündete. Der Sachschaden an den Polizeifahrzeugen lag bei 750 000 Euro. Es gab eine Videoüberwachung, Zeugen konnten identifiziert werden – bislang hat sich aber kein Hinweis auf die Täter ergeben. Ein im Internet veröffentlichtes Bekennerschreiben brachte die Ermittler auch nicht weiter. Sie vermuten die Täter im linksextremen Spektrum. Es sind nach wie vor 20.000 Euro ausgelobt für den entscheidenden Tipp.

BRANDANSCHLAG ELB-HAVEL-KASERNE: Ähnlich steht es um den Brandanschlag auf die Bundeswehr-Kaserne in Havelberg vom 27. Juli 2013. Unbekannte zerstörten dabei 16 Bundeswehrfahrzeuge, darunter Lastwagen, Spezialfahrzeuge und Radpanzer. Sie richten damit einen Millionenschaden an. Auch hier gehen die Ermittler von linksextremen Tätern aus, in solchen Fällen gebe es nur wenige Hinweise, sagte ein LKA-Sprecher.