Halle l Vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht Halle hat der Prozess gegen ein Paar aus Querfurt (Saalekreis) begonnen. Einem 30-Jährigen und seiner 36 Jahre alten Partnerin wird Mord, Kindesmissbrauch und Misshandlung eines Schutzbefohlenen vorgeworfen.

Was Staatsanwalt Hendrik Weber in seiner Anklage verlaß, hörte sich an, wie aus dem Horrokabinett. Die Qualen, die das zwei Jahre alte Opfer zwischen dem 23. Juni und 11. Juli 2020 erleiden musste, sind kaum vorstellbar. Der Lebenspartner der Mutter des kleinen Tims, der in der Wohnung der Mutter wohnte, soll das Kind mehrfach sexuell missbraucht, geschlagen, getreten und zumeist dabei mit dem Handy gefilmt haben, "um sich später daran sexuell zu erregen", wie der Ankläger sagte.

Von Mal zu Mal habe sich die Brutalität des Angeklagten, den Weber als einen Menschen mit "sadistischer Grundeinstellung" bezeichnete, gesteigert. Bis zum 10. Juli. An diesem Tag habe sich der Lebenspartner entschlossen, noch bestialischer vorzugehen. "Er hat dem Kind Betäubungsmittel verabreicht. Bei der Menge hat er da schon billigend den Tod Tims in Kauf genommen." Erneut habe der Angeklagte das Kind missbraucht und es dann mit Schlägen und Tritten malträtiert, "bis es kein Lebenszeichen mehr von sich gab". Weber nennt die Tat einen "Mord, um den Missbrauch zu verdecken".

Tim erlitt unter anderem einen Schädelbruch, Hirnblutungen, Zertrümmerung der Bauchspeicheldrüse und Verletzungen beider Nieren.

Tims Mutter habe spätestens am 29. Juni 2020 Verletzungen am Körper des Kindes festgestellt. Weil sie die Partnerschaft nicht aufs Spiel setzen wollte, sei sie jedoch nicht eingeschritten oder habe Hilfe geholt. "Dadurch konnte er seine Taten fortführen, die zum Tode Tims geführt haben", so Weber. "Die Mutter ist ihrer Pflicht, das Kind zu schützen, nicht nachgekommen."

Beide Angeklagten, wollten sich "zum gegenwärtigen Zeitpunkt" nicht zu den Vorwürfen äußern. Der Strafverteidiger von Tims Mutter sagte, dass er dabei sei, eine schriftliche Stellungnahme zu erarbeiten.

Der Prozess wird am Montag (14. Dezember) mit den ersten Zeugen fortgesetzt.