Magdeburg l In Sachsen-Anhalt arbeitet mehr als jede dritte Frau in einer Leitungsposition. Das ergeben Zahlen der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit. Insgesamt haben 14.668 Frauen im Job das Sagen – ein Anteil von 35,4 Prozent. Mehr weibliche Spitzenkräfte gibt es nur in Mecklenburg-Vorpommern (37,2 Prozent) und Berlin (36,4 Prozent). Im Bundesschnitt sind es lediglich 26,8 Prozent.

Auch regional gibt es Unterschiede. Die meisten Frauen schaffen es im Landkreis Stendal (39,8 Prozent) in die Chefetage. Es folgen Halle (39,7 Prozent), Dessau-Roßlau (38,6 Prozent) und Magdeburg mit 38,5 Prozent. Im Saalekreis ist der Anteil mit 28,9 Prozent am niedrigsten. Für den Landrat des Landkreises Stendal, Carsten Wulfänger, erklärt sich der gute Wert in seinem Kreis mit einer „funktionierenden Teilung in der Familie“ und mit Betrieben, die Gleichberechtigung einen hohen Stellenwert einräumen.

Anteil der Führungsfrauen stagniert

Wie viele Frauen es nach oben schaffen – das ist auch branchenabhängig. Viele Führungskräfte sind im Gesundheits- und Sozialwesen tätig (64,3 Prozent), im Bereich Erziehung und Unterricht sind es 63,4 Prozent. 60,1 Prozent stehen bei „Sonstigen Dienstleistungen“ (etwa Gewerkschaften, Sozialverbände, Friseursalons oder Kosmetikstudios) an der Spitze. In der Öffentlichen Verwaltung haben 57,2 Prozent eine Leitungsfunktion inne. Die schlechtesten Karrierechancen haben Frauen im Baugewerbe (6,9 Prozent) und im Bergbau (6,6 Prozent).

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Der vergleichsweise hohe Anteil von Führungsfrauen sei kein Grund, sich zurückzulehnen, sagt Kay Senius, Chef der Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt. Denn: Die Zahl der leitenden Frauen stagniert seit Jahren. Im Vergleich zu 2017 (35,6 Prozent) geht es sogar leicht bergab. Frauen würden weiter benachteiligt, gerade beim Aufstieg in Führungspositionen, sagt Senius. Gleichberechtigung dürfe deswegen kein Lippenbekenntnis bleiben. „Gerade in Ostdeutschland haben wir wegen der besseren Rahmenbedingungen die Chance, eine Vorreiterrolle einzunehmen.“ 

Vor allem im großen Gesundheits- und im öffentlichen Sektor würden mehr Stellen auf der Führungsebene mit Frauen besetzt als in der kleinteiligen Privatwirtschaft. In den Ostländern sei der Anteil von Frauen in Leitungsjobs zudem per se höher (35 Prozent), weil in der DDR viele Frauen in Vollzeit gearbeitet hätten und leichter aufsteigen konnten. Das setze sich zumindest abgeschwächt fort.